Textilkonzern profitiert von niedrigen Produktionskosten – Analysten erwarten trotz Kurssprungs weitere Gewinne
Esprit begeistert die Börse Hongkong

Textilien von Esprit finden sich in Europas Einkaufsmeilen an jeder Ecke. Wer sich für die Aktie der Esprit Holdings interessiert, wird hingegen erst in Asien fündig. Das Papier ist an der Börse in Hongkong gelistet – und zählt dort zu den Stars am Aktienmarkt.

FRANKFURT/ M. Im vergangenen Jahr ließ sie alle Werte im Leitindex Hang-Seng hinter sich. Und auch 2005 setzt sich das Kurswachstum fort: Mit 59,25 Hongkong-Dollar (HK-Dollar) – umgerechnet rund 5,95 Euro – erreichte die Aktie vor zwei Wochen ein Allzeithoch. Damit lag sie 26 Prozent über ihrem Wert zu Jahresbeginn.

Ausgelöst wurde der neuerliche Anstieg durch eine Studie von JP Morgan. Darin setzte das Investmenthaus sein Kursziel für Esprit-Aktien auf 67 HK-Dollar herauf. JP Morgan befindet sich mit der Kaufempfehlung in guter Gesellschaft: Von 17 Analysten raten laut der Nachrichtenagentur Bloomberg 14 zum Kauf. Die übrigen drei geben neutrale Bewertungen ab.

Das vom niederrheinischen Ratingen und Hongkong gelenkte Unternehmen macht in der wechselhaften Modebranche eine gute Figur. Esprit verkauft vor allem in Europa und Asien Freizeitkleider und Kosmetika. Im europäischen Markt erlöst das Unternehmen 85 Prozent seiner Umsätze. Trotz Konsumflaute legte der Einzelhandelsbereich von Esprit allein in Deutschland im abgelaufenen Geschäftshalbjahr um 31 Prozent zu. Bis auf zwei Prozent aus den USA steuert Asien den Rest bei.

„Wir glauben, dass Esprit im Groß- und Einzelhandel um weitere 20 Prozent wachsen wird“, sagt Vineet Sharma, Analyst bei JP Morgan. Esprit plant ab dem neuen Geschäftsjahr Investitionen in Höhe von 500 Mill. HK-Dollar für die Erweiterung der Verkaufsflächen. Auch die Margen böten noch Potenzial, sagt Sharma.

Auf einige Schwächen weist dagegen Alison Law, Analystin der Fondsgesellschaft Dit, hin. „In Asien läuft Esprit den Modetrends hinterher“, sagt sie. Das Unternehmen greife vergleichsweise häufig auf Sonderpreisaktionen zurück. Ebenso wie JP-Morgan-Analyst Sharma rechnet Law mit nachlassenden Währungsvorteilen.

Esprit nutzt derzeit die günstigen Produktionskosten in China. Die Landeswährung Renminbi ist fest an den bislang schwachen US-Dollar gekoppelt. Diesen Währungsvorteil konnte Esprit an die Endkunden weitergeben. Ob das günstige Preisniveau zu halten ist, hängt deshalb vor allem von der Euro-Entwicklung ab. Sollte die Währung schwächeln, könnte sich das ungünstig für Esprit auswirken - vor allem angesichts der hohen Exportquote nach Europa. Die künftige Kursentwicklung der Esprit-Aktie sei deshalb kaum einzuschätzen, sagt Law.

Schon jetzt ist dem Kleidermacher sein regionales Korsett zu eng. Jüngstes Ziel ist der Wiedereinstieg in den US-Markt. Dort wurde Esprit in den 1960er-Jahren gegründet. Seit einem Hoch Mitte der achtziger Jahre ging es mit den Umsätzen aber bergab. Die verbliebenen 10 Prozent am Gesamtgeschäft, die der US-Markt beisteuert, erwirtschaftet Esprit vor allem mit Kindermode. „Die Marke für Erwachsene zu etablieren, dürfte hohe Investitionen erfordern“, sagt Law. Nicht mehr als 20 Mill. HK-Dollar will der Esprit-Vorstand in diesem Jahr jedoch für das US-Abenteuer ausgeben. Die Analysten von Credit Suisse First Boston schätzen, dass es fünf Jahre dauern wird, die Marke Esprit in den USA zu etablieren. Die Chancen sehen die Experten als enorm an - zudem habe Esprit keine Eile, schreiben sie in ihrer Einschätzung. Derzeit setzen sie bei umgerechnet 7,73 Euro auf Zwölfmonatssicht das höchste Kursziel. Langfristig halten sie sogar eine weitere Kursverdoppelung für möglich - und das selbst nach dem Parforceritt von über 525 Prozent seit dem Jahr 2000.

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