Time Warner
Im Griff der Medienkrise

Trotz guter TV-Quoten hat der New Yorker Entertainment-Riese Time Warner einen Quartalsverlust von 16 Milliarden Dollar verkündet. Time Warner will mit Stellenkürzungen reagieren – und sich von einer Altlast trennen.

STUTTGART. Theoretisch hätte es ein gutes Quartal werden können für den Entertainment-Riesen Time Warner: Wenn viele US-Bürger ihren Gürtel enger schnallen müssen, bleiben sie möglicherweise zu Hause und treiben die Fernseh- und Kabelnutzerzahlen in die Höhe – so eine Hoffnung der Anleger.

Doch die Realität erweist sich als kompliziert. Zwar lieferte die Fernsehsparte tatsächlich solide Zahlen. Doch Altlasten wie AOL schadeten der Bilanz, und am Ende verkündeten die New Yorker einen Quartalsverlust von mehr als 16 Mrd. Dollar. Börsenguru Jim Cramer nannte die Zahlen rundum enttäuschend und bemängelte den sinkenden Ertrag aus investiertem Kapital.

Dem Aktienpreis allerdings schadeten die jüngsten Zahlen nicht. Derzeit liegt Time Warner sogar leicht fester als vor einer Woche: Mit 9,50 pro Aktie nähert sich der Kurs der wichtigen Zehn-Dollar-Marke und hat seit dem Tief vom November bereits wieder ein Drittel gewonnen. Denn einige Milliarden-Abschreibungen waren bereits bekannt und eingepreist – aber möglicherweise auch deshalb, weil die Fernsehzahlen eben tatsächlich stabiler geblieben sind als bei der Konkurrenz.

Ein Umsatzwachstum von fast zehn Prozent meldeten Time Warners TV-Sender, darunter der Bezahlkanal HBO und der Nachrichtensender CNN, der besonders von dem Rummel um Wahl und Amtseinführung des neuen US-Präsidenten Obama profitierte. Allein in den USA verfolgten fast 40 Millionen Zuschauer Obamas Vereidigung vor dem Fernseher.

Auch der TV-Werbeumsatz stieg um etwa zehn Prozent, während andere Medienunternehmen über deutlich sinkende Einnahmen klagten. „Das war ganz klar ein positives Zeichen in Time Warners Bilanz, vor allem verglichen mit der Konkurrenz“, sagte Analystin Robin Diedrich von Edward Jones der Agentur AP.

Mit Stellenkürzungen will Time Warner zudem Kosten einsparen: 800 Jobs sollen bei der Filmtochter Warner Brothers wegfallen, 700 bei AOL, mehr als 1 200 bei Time Warner Cable.

Doch das dürfte nicht reichen, um die Analysten zufrieden zu stellen. Dafür gibt es bei Time Warner im Moment zu viele Baustellen. Unklar ist etwa noch die Zukunft des ehemaligen Marktlieblings AOL, einer der ersten Internetprovider – aus der Zeit, in der man noch über die Telefonleitung ins Internet gelangte. Zu seinen Hochzeiten vor sechs Jahren hatte AOL fast 27 Mio. US-Kunden; jetzt sind es noch gut sieben Millionen. Ob AOL ganz oder in Teilen verkauft oder mit einem anderen Unternehmen zusammenarbeiten wird – die Geschäftsleitung ist „aggressiv und flexibel für jede Gelegenheit“ offen, sagte Time-Warner-Chef Jeffrey Bewkes.

Der Firma Google reichte das Hickhack offenbar: Sie meldete kürzlich, man werde bei AOL aussteigen.

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