Titel wird ab Montag im TecDax-Index gelistet
Funkwerk birgt Übernahmephantasie

„Wir müssen weiterhin einen guten Job machen, dann kommt der Aufstieg in den TecDax zwangsläufig von alleine“. Diese Worte betete Funkwerk-Vorstandschef Hans Grundner in den vergangenen anderthalb Jahren herunter, wenn sein Unternehmen wieder einmal knapp den Aufstieg in den deutschen Technologieindex TecDax verpasst hatte. Die Gebetsmühle kann Grundner künftig stecken lassen: Ab dem kommenden Montag wird Funkwerk im TecDax gelistet sein.

FRANKFURT/M. Einer der wesentlichen Gründe für den Aufstieg ist, dass der Anbieter von Kommunikationssystemen für Verkehr und Industrie mittlerweile das einzige von den rund 350 einst am Neuen Markt gelisteten Unternehmen ist, das noch nie eine Gewinnwarnung oder eine negative Nachricht an seine Aktionäre verbreiten musste, sondern kontinuierlich Umsatz und Gewinn gesteigert hat. Von den acht Analysten, die sich laut Nachrichtenagentur Bloomberg mit der Funkwerk- Aktie beschäftigen, raten deshalb sieben zum Kauf. Einzig die Experten von der WestLB nehmen eine neutrale Position ein.

Große Kurssprünge erwarten Analysten jedoch zumindest kurzfristig nicht. Vor allem, weil die Aktie seit Jahresbeginn bereits um 19 Prozent zugelegt hat, während die Kurse der meisten Technologiewerte in dieser Zeit stagnierten. Das Potenzial für die Aktie betrachten die Experten deshalb vorerst als ausgereizt. Die Kursziele für die derzeit bei 31 Euro notierende Aktie sehen die Experten zwischen 31 und 35,50 Euro angesiedelt.

Potenzial nach oben könnte ihrer Ansicht nach von zwei Seiten kommen. Zum einen hat Funkwerk seit der Erstnotiz im November 2000 in jedem Jahr die Prognosen übertroffen. Nun könnten in diesem Jahr wegen des guten US-Umsatzes statt der ursprünglich angepeilten 220 Mill. Euro sogar 240 Mill. Euro erreicht werden, wie das Unternehmen kürzlich mitteilte. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) dürfte über den bislang prognostizierten 20 Mill. Euro liegen. „Grund für die positive Entwicklung ist, dass das Wachstum in allen drei Geschäftsbereichen ungebremst ist“, sagt Achim Wittmann von der Landesbank Baden-Württemberg. Die größte Sparte (47 Prozent des Gesamtumsatzes), die Mobilfunk, Management- und Infosysteme für Bahngesellschaften produziert, schaffte dabei eine Ebit-Marge von 15 Prozent. Dass es damit bald vorbei sein könnte, weil allen voran beim Großkunden Deutsche Bahn gespart wird, meinen die Analysten nicht. „Gerade die Investition in die Kommunikationstechnik rechnet sich für die Bahn sehr schnell“, sagt Götz Fischbeck, Analyst bei der DZ Bank.

Bei den Kommunikationssystemen fürs Auto (34 Prozent Umsatzanteil) lag die Ebit-Marge zuletzt bei 10,2 Prozent. Hier verspricht sich LBBW-Analyst Wittmann weiteres Potenzial, da Funkwerk seine so genannte Kombox mittlerweile direkt an die großen Automobil-Hersteller liefert. Die Kombox verbindet Internet, Telekommunikation und weitere Multimediaanwendungen. Lediglich der Bereich der privaten Netze (19 Prozent Umsatzanteil) hinkt derzeit noch hinterher: Die Ebit-Marge liegt bei zwei Prozent.

Kursphantasie birgt nach Ansicht vieler Investoren auch, dass Funkwerk weitere kleinere Gesellschaften übernehmen könnte. Bislang hatte das Management dabei eine glückliche Hand bewiesen. Teile der insolventen Bintec AG wurden zuletzt ebenso gut integriert wie die ebenfalls insolvente Infosystems. Unternehmenschef Grundner schloss bereits vor einiger Zeit „sinnvolle Ergänzungen“ in allen Bereichen nicht aus. Geld genug hat Funkwerk dazu in der Kasse. Bei rund 93 Mill. Euro liegt derzeit das Eigenkapital, das dafür eingesetzt werden könnte. Dazu stünden so genannte liquiditätsnahe Mittel über knapp 40 Mill. Euro zur Verfügung. Überraschungen sind also durchaus möglich.

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