Top-Experten setzen auf Premiumhersteller – Rest der Branche hinkt weit hinterher
Analysten fahren auf BMW und Porsche ab

Rabattschlachten, gesättigte Märkte, Konkurrenz aus Asien – die Autoindustrie ist unter Druck. Daher sollten Anleger nach Ansicht der besten Analysten für deutsche Automobilaktien auf Hersteller mit starken Marken wie BMW oder Porsche setzen: Diese Premiumanbieter können sich dem harten Preiskampf am ehesten entziehen und bessere Margen erzielen als die Produzenten von Massenautos wie VW. Dies sind die wichtigsten Ergebnisse einer Handelsblatt-Umfrage.

FRANKFURT/M. Das Handelsblatt spricht in einer neuen Serie monatlich mit Top-Branchenanalysten für deutsche Aktien über die Aussichten für ihren Sektor. Das unabhängige US-Researchhaus Starmine ermittelt dafür die jeweils zehn besten Sektorexperten mit Blick auf die Aktienauswahl und die Gewinnschätzungen der vergangenen zwei Jahre (siehe Grafik links: „Die Elite der deutschen Auto-Analysten“).

Der Konzentrationstrend in der Autobranche verstärkt sich aktuell durch extremen Druck auf die Margen. Hohe Rohstoffpreise und enorme Verkaufsrabatte tragen dazu bei. Auch wenn die Zulassungszahlen in Europa im Juni um 4,5 Prozent gestiegen sind: „Im gesättigten Markt der westlichen Welt ist nur noch über neue Modelle etwas zu verkaufen“, sagt Oliver Girzick, Autoanalyst der BayernLB, der in beiden Starmine-Kategorien zu den besten drei Experten gehört. Und auf den Märkten mit dem stärksten Nachfragezuwachs wie in China drücke die weltweite Konkurrenz aggressiv auf die Margen. „Die Attraktivität der Wachstumsmärkte hat deutlich abgenommen – es geht hier nur noch darum, Kosten zu optimieren“, sagt er. Viele asiatische Konkurrenten wie Toyota oder Hyundai produzierten gute Qualität und träfen den Geschmack der Käufer. Und: „Mit Ausnahme von Westeuropa nimmt die Markentreue ab“, meint Girzick. Den deutschen Hersteller mit ihrem starken weltweiten Image blieben dort Chancen, wo es auf Marke, Qualität, Forschung und Innovation ankomme, bestätigt Tim Schuldt von der DZ Bank. Den Umsätzen deutscher Autobauer helfen dürfte allerdings auch der gesunkene Euro-Kurs, der den Export als den mit Abstand größten Absatzbringer unterstützt.

Es überrascht daher wenig, dass die Auto-Profis den Aktien von BMW und Porsche die größten Chancen einräumen. „BMW ist derzeit die risikoloseste Anlage in dem Segment“, meint Patrick Juchemich von Oppenheim Research, der die Aktie zum Kauf empfiehlt. BMW habe den Premiumgedanken durchsetzen können, auch bei kleinen Autos wie beim Mini oder der Einser-Serie. Schuldt lobt die relativ moderate Kursentwicklung im Verhältnis zum dynamischen Umsatz des Autobauers. Sein Urteil lautet ebenfalls „kaufen“. Girzick hingegen bewertet den Wert derzeit wegen der seiner Ansicht nach hohen Bewertung mit „halten“.

Porsche ist für Schuldt eine „ähnliche Geschichte wie BMW“. Allerdings erkennt er hier eine noch aggressivere Verkaufsdynamik. Sein Urteil: „kaufen“. Girzick lobt besonders die neue 911er Reihe: „Sie verkauft sich besser als erwartet.“

Schlechter fallen die Urteile über VW und Daimler-Chrysler aus. Bei VW raten derzeit die meisten zum Verkauf. „Durch den Preisdruck der Asiaten wurde VW sehr in die Defensive gedrängt“, sagt Schuldt. Wenn VW sein Ziel erreicht, den Ertrag um vier Mrd. Euro zu steigern und eine Eigenkapitalrendite von neun Prozent auszuweisen, müssten die Wolfsburger nahe an ihr Rekordergebnis vom Beginn des Jahrtausends herankommen. „Solche Äußerungen klingen sehr ambitioniert“, sagt Schuldt. Auch Juchemich hält den Sparkurs für „sehr anspruchsvoll“ und sieht in dem jüngsten Kursanstieg auf über 40 Euro viel Hoffnung eingepreist. Girzick traut VW zu, wieder zu einem durchschnittlichen Ertrag zurückzukehren. Zudem sei die Aktie schlecht angesehen. Er rät zum Kauf.

Bei Daimler-Chrysler wiegen derzeit die Qualitätsprobleme bei Mercedes-Benz, der Verlust bei Smart und Probleme auf dem US-Markt mit Chrysler schwer. Überwiegend lauten daher die Urteile: „verkaufen“.

Ebenfalls von den Auto-Spezialisten beobachtet wird die Zuliefererindustrie. Hier leben Firmen schon seit Jahren mit Preisdruck, den die Autokonzernen an sie weitergeben. Viele hätten flexibel und vor allem geräuschloser als die Autokonzerne Kosten gesenkt, indem sie etwa Produktion nach Osteuropa ausgegliedert hätten, sagt Thomas Aney von Dresdner Kleinwort Wasserstein. Einige wie Continental oder Elring Klinger erzielten dank einer starken Marktposition hohe Margen.

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