Transaktionssteuer
Merkel und Sarkozy schicken Börsen-Aktie auf Talfahrt

Im Kampf gegen die Euro-Krise feiert eine alte Idee Wiederauferstehung. Frankreich und Deutschland planen eine Finanztransaktionssteuer – für die Deutsche Börse eine Hiobsbotschaft. Die Aktie rauscht in die Tiefe.
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DüsseldorfDie Gedankenspiele zur Einführung einer europäischen Steuer auf Finanztransaktionen haben die Aktie der Deutschen Börse am Mittwoch schwer belastet. Im Frankfurter Handel gaben die Papiere um mehr als sieben Prozent nach und rutschten zeitweise unter 40 Euro. Am Vorabend war in New York bereits der Aktienkurs des Fusionspartners Nyse Euronext um 8,4 Prozent eingebrochen.

Auf ihrem Treffen zur Euro-Krise hatten sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und Nicolas Sarkozy darauf verständigt, die Einführung einer Transaktionsgeschäfte auf Finanzgeschäfte in der Euro-Zone voranzutreiben. Die Finanzminister beider Länder sollten noch im September einen Vorschlag zur Einführung einer Finanztransaktionssteuer machen, sagte Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy nach dem Treffen. Weitere Details wurden zunächst nicht bekannt.

An der Börse traf die Nachricht die Aktien von Banken, vor allem aber die der Börsenbetreiber. Ihnen drohen im Fall einer Besteuerung von Finanz-Transaktionen deutlich rückläufige Umsätze. Analyst Arnaud Giblat von der UBS wertet den deutsch-französischen Vorschlag als Bedrohung für die Börsenbetreiber. In Schweden habe eine solche Steuer in den 1990-er Jahren zu einem Rückgang des Handelsvolumens um 85 Prozent
geführt, schreibt er in einer aktuellen Studie.

Andere Börsianer zeigten sich gelassener. Eine Steuer auf Finanztransaktionen sei in den vergangenen Jahren schon mehrfach diskutiert, allerdings nie realisiert worden. Als Haupthindernis für eine Einführung gilt die ablehnende Haltung der britischen Regierung zu einer derartigen Abgabe. Eine einseitige Einführung in der Euro-Zone würde die regionalen Börsenbetreiber gegenüber der Londoner Börse entscheidend benachteiligen.

„Wir bezweifeln, dass eine Finanztransaktionssteuer in der Eurozone eingeführt wird“, schrieben die Analysten von Silvia Quandt Research. „Sie würde die örtliche
Finanzindustrie schädigen ohne irgendetwas Gutes zu bewirken.“

Die Deutsche Börse untermauerte am Vormittag ihre früher geäußerte Ablehnung einer Finanztraktionssteuer. Man könne grundsätzlich "die politische Motivation nachvollziehen, die Finanzbranche an den Kosten der Krise zu beteiligen". Allerdings sei eine Finanztransaktionssteuer nicht geeignet, die Sicherheit und Integrität der Finanzmärkt zu steigen, hieß es in einer offiziellen Reaktion des Konzerns. "Eine solche Steuer schafft Anreize, noch stärker als bisher in die Nischen auszuweichen, die von dieser Steuer nicht erfasst sind." Sie wäre insofern "ein Geschenk an die unregulierten Finanzplätze und Finanzprodukte dieser Welt".

Die Deutsche Börse erzielt Schätzungen zufolge rund 80 Prozent ihrer Handelserlöse an europäischen Märkten, beim Fusionspartner Nyse Euronext stammt etwa ein Drittel der Erlöse aus Europa.

Eine Transaktionssteuer würde vor allem den Hochfrequenz-Handel beeinträchtigen, schrieb DZ-Bank-Analyst Matthias Dürr in einem Kommentar. Dabei kaufen und verkaufen Computerprogramme auf Basis komplizierter Formeln Wertpapiere innerhalb eines Wimpernschlags. Pro Sekunde kommen leicht mehrere Tausend Orders zusammen, daher spielen die Kosten pro Wertpapier-Transaktion eine wichtige Rolle. „Mehr als 40 Prozent der Umsätze im Xetra-Orderbuch geht auf das Konto des Hochfrequenz-Handels“, führte Dürr weiter aus. Da Xetra aber nur 13 Prozent der Umsätze der Deutschen Börse ausmache, wären die Belastungen voraussichtlich gering.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • l'Union européenne ne prendra corps que si elle repose sur une plus grande solidarité entre pays membres. Au fond, c'est parce que les marchés financiers doutent de cette solidarité concrète qu'ils jouent la défiance. Et qu'ils risquent ainsi de faire éclater l'Union tout entière.

  • Bei Sarko ist es Unfähigkeit und Dilettantismus bei Angela ist es Incompetenz und Sturrheit. Die Frau ist einfach bockig und sie kann nicht anderes.
    Langfristig ist sie eine Katastrophe für die Eurozone, sie wird in die Geschichte eingehen als die Kanzlerin die das Ende der Eurozone verursacht hat.

  • Es wird nicht mehr europäisch genug gedacht, vor allem in vereinigtem Deutschland!
    Eigentlich ist aber nicht nur Deutschland am chaotischen System der Eurozone schuld sondern auch Frankreich.
    Frankreich hat sich von Deutschland instrumentalisieren lassen weil es so aussah als wäre das Prinzip der eigenen Verantwortung auch für Frankreich von Vorteil.
    Das ist aber nicht der Fall, Deutschland durch seine Wirtschaftssatelliten, sowohl geographisch als wirtschaftlich gemeint, und durch andere natürliche Standortvorteile hat eine eigene Dynamik entwickelt.
    Frankreich ist dabei fast leer ausgegangen.
    Am schlimmsten hat es aber Italien erwischt.
    Italien hat sich in den letzten 10 Jahren stark entindustrialisiert.
    Das Prinzip der eigenen Verantwortung das durch die deutsch-französische Achse den anderen Euroländer erzwungen wurde, könnte man mit einer Familie die an einem Tisch isst und dabei jeder sich so bedient wie er auf Grund seiner Kraft eben kann.
    Man kann sich vorstellen dass dabei einige nicht satt werden und andere dafür sich fett fressen.
    Die italienische und andere Wirtschaften konnten der deutschen Wirtschaft nicht viel entgegen setzen. Zuviel natürliche Standortvorteile sprachen dagegen. Zölle und periodische Abwertungen standen auch nicht mehr zur Verfügung. Jetzt ist guter Rat teuer und zahlen will auch keiner.

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