Travelers und Cisco rücken auf
GM und Citigroup fliegen aus Dow Jones

Stühlerücken im Dow Jones: Die Aktien des Netzwerkausrüsters Cisco Systems und des Versicherers The Travelers Companies ersetzen ab sofort die Titel des insolventen Autobauers General Motors (GM) und der Citigroup im US-Leitindex. Die Begründungen für die Auswahl sind ganz unterschiedlicher Natur.

FRANKFURT. Tradition birgt häufig die Gefahr, dass völlig antiquiert wirkende Regeln auch im Jahr 2009 weiter zur Anwendung kommen. Anders ließe sich kaum erklären, warum der Chefredakteur des legendären „Wall Street Journal“, Robert Thomson, neben seinen publizistischen Aufgaben zu Beginn der Handelswoche eine eher atypische Entscheidung treffen musste. Thomson hatte das letzte Wort als es darum ging, wer den insolventen Autobauer General Motors und die staatlich gestützte Citigroup im wohl bekanntesten Börsenindex der Welt ersetzen wird, dem mehr als 110 Jahre alten Dow Jones Industrial Index (DJIA).

Anders als beispielsweise bei der Deutschen Börse herrschen beim „Dow“ noch alte Traditionen. In Frankfurt gilt ein in den vergangenen Jahren ständig an neue Eventualitäten angepasstes strenges Reglement, und zudem entscheidet ein vor allem aus Bankenvertretern zusammengesetztes Gremium namens „Arbeitskreis Aktienindizes“ über das Auf und Ab. In New York gelten dagegen Regeln wie zur Gründerzeit. Dass sich daran etwas ändern müsste, ist zwar immer wieder mal im Gespräch, Ansätze oder gar konkrete Ideen gibt es jedoch nicht. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass ein Leitindex heute durch die Vielzahl an Finanzprodukten eine völlig andere Bedeutung hat als dies seinen Gründern Charles Dow und Edward Jones einst vorschwebte. Die wollten einfach nur ein konkretes tägliches Stimmungsbild von dem Aktienmarkt damit aufzeigen.

Wie dem auch sei, nach dem Abschied des Versicherers AIG vor einigen Monaten werden nun mit der Citigroup ein weiterer Finanzkonzern und General Motors, der seit 84 Jahren im Index vertreten war, nach dieser Woche ihre Plätze räumen. Nachdem zuletzt der Lebensmittelkonzern Kraft aufgestiegen war, folgen nun der Netzwerkausrüster Cisco und – völlig überraschend – der in Deutschland eher unbekannte Versicherer The Travelers Companies. Vergangene Woche waren unter Analysten noch die weitaus klingenderen Namen Goldman Sachs, Wells Fargo, Apple, Google, Oracle und Monsanto als Aufsteiger in den bekanntesten Index der Welt genannt worden.

Bei Cisco lautete die Begründung, dass der Technologie-Riese im Informationszeitalter von großer Bedeutung für Wirtschaft und Kultur ist. Travelers wurde aufgenommen, weil man den Finanzsektor nach dem Ausscheiden von gleich zwei so bekannten Adressen wie AIG und Citigroup wieder stärken wollte.

Umgesetzt wird die Entscheidung am kommenden Montag. Sowohl die Aktien von Cisco als auch von Travelers zählen seit der Bekanntgabe zu den großen Gewinnern am Aktienmarkt. Gerade die Manager von Indexfonds, die den Dow in seiner Gesamtheit abbilden, müssen beide Titel jetzt zukaufen.

Unklar bleibt dagegen, ob General Motors ganz von der Börse ausgeschlossen wird. Nach dem Konkursantrag erfolgt nun eine neuerliche Überprüfung, nachdem bereits in der vergangenen Woche darüber spekuliert worden war. Nach Bekanntgabe der Insolvenz am Montag war die Aktie ein weiteres Mal unter Beschuss geraten und kostete am Ende noch 0,75 Dollar. Seit ihrem Hoch im Herbst 2007 hat sie damit rund 98 Prozent ihres damaligen Wertes verloren.

Auch wenn nahezu alle Analysten schon seit Monaten von der Aktie abraten, so lagen doch deren Kursziele teilweise bis zuletzt noch über dem jetzigen Kurs. Colin Langan von der Schweizer Großbank UBS hatte beispielsweise noch am vergangenen Mittwoch ein Kursziel von einem Dollar für die GM-Aktie angegeben, als der Konkurs nur noch eine Frage von Tagen schien.

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