Trendwende in Sicht
Solaraktie gewinnt kräftig

Nach der monatelangen Flaute macht sich bei einigen deutschen Solarfirmen wieder Optimismus breit. Der Vorstand von Manz Automation sieht eine Trendwende bei den Auftragseingängen. Die Aktie der Firma legt deutlích zu. Manche Analysten sind aber noch skeptsich.
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HB REUTLINGEN. Der auf die Photovoltaik- und LCD-Industrie spezialisierte Anlagenbauer Manz Automation sieht nach monatelanger Durststrecke eine Trendwende bei den Auftragseingängen. In den vergangenen Wochen seien Bestellungen über 15 Mio. Euro eingegangen, teilte die TecDax-Gesellschaft am Donnerstag in Reutlingen mit. Damit belaufe sich der Auftragsbestand auf 65,3 Mio. Euro. Die größten Aufträge seien von großen chinesischen Solarzellen-Herstellern eingegangen. Die neu bestellten Maschinen sollen im ersten Halbjahr 2010 ausgeliefert werden. Die Aktie zog am Vormittag deutlich an und setzte sich mit einem Plus von teitweise fast sechs Prozent an die TecDax-Spitze.

Das Unternehmen machte zudem Hoffnung auf weitere Bestellungen. Derzeit werde über große Aufträge aus dem Bereich Solar und LCD verhandelt. Mit einem Abschluss rechnet Manz in den ersten Monaten des neuen Jahres. Das Unternehmen führte den Erfolg auf die trotz Krise beibehaltenen Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen zurück. Die neuen Maschinen produzierten schneller und erhöhten dabei auch den Wirkungsgrad der Solarzellen weiter. Anfang des Monats hatte bereits Manz-Kooperationspartner Roth & Rau drei Aufträge in China gemeldet. Die beiden Unternehmen bieten zusammen die gesamte Fertigungskette für Maschinen zur Produktion von Solarzellen an.

Analysten äußerten sich über die heftige Kursreaktion skeptisch. "Gemessen an den niedrigen Auftragseingängen der Vorquartale bedeuten die neuen Bestellungen durchaus eine leichte Verbesserung, aber sie reichen noch lange nicht aus, damit Manz im kommenden Jahr wieder ein ausgeglichenes Ergebnis erzielen kann", sagte ein Branchenbeobachter. Zudem sei von dem bisher wichtigsten Kunden des Spezialanlagen-Herstellers 2010 nicht viel zu erwarten.

Zudem stellten die Experten einen in der Mitteilung etwas versteckten Rückschlag heraus. "Letztlich hat Manz heute zugleich, wenn auch verklausuliert, mitgeteilt, dass der Rahmenvertrag mit Applied Materials vorzeitig beendet wurde", erklärte ein Analyst. Das sei negativ für Manz, da der US-Konzern im vergangenen Jahr noch für rund 50 Prozent der Umsätze von Manz gesorgt habe. HSBC-Analyst Christian Rath sah dies ähnlich: "Das Plus bei den Bestellungen relativiert sich, wenn man die heute bekanntgegebenen Vertragsänderungen mit Applied Materials gegenrechnet."

Aufgrund der "spürbaren Schwierigkeiten im Markt für Dünnschichttechnologie" habe sich Manz mit dem Großkunden über die "Neustrukturierung" des Auftrags verständigt, hieß es in der Unternehmensmitteilung. Alle bereits gefertigten Laserstrukturierungs-Maschinen würden noch in diesem Jahr ausgeliefert und bezahlt. Für den restlichen Auftragswert erwartet Manz einen "leicht positiven" Einmaleffekt, der ebenfalls in diesem Jahr noch in die Bilanz einfließen soll.

Analyst Rath bemängelte, dass Manz trotz der vermeintlichen Erfolgsmeldung nun mit einem deutlich niedrigeren Auftragsbestand als 2008 in das neue Jahr gehe. Auch wenn eine Erholung in Asien und vor allem China wieder spürbar sei, dürften die Volumina aus dem vergangenen Rekordjahr nicht so rasch wieder erreicht werden. In den ersten neun Monaten dieses Jahres war der Umsatz von Manz um 70 Prozent auf 46,7 Mio. Euro eingebrochen und der Auftragsbestand deutlich gefallen. Wegen der angespannten Lage der Solarbranche hielten sich Unternehmen mit Investitionen in neue Maschinen zurück. Das führte dazu, dass Manz in die roten Zahlen rutschte. Auch im Gesamtjahr rechnet das Unternehmen mit einem Verlust. Angesichts der Erholung der Branche in den vergangenen Monaten und der allgemein positiven Zukunftsaussichten für erneuerbare Energien peilt der Vorstand 2010 wieder schwarze Zahlen an.

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