Trotz Doha
Ölaktien schlagen sich wacker

Beim Treffen von Doha konnten sich die Erdölförderstaaten nicht auf eine Produktionsobergrenze verständigen. Den Aktien der Ölkonzerne macht das wenig aus. Ein Unternehmen gewinnt sogar deutlich.

DüsseldorfDer gescheiterte Doha-Deal hat an den internationalen Märkten am Montag für Aufruhr gesorgt. Die richtungsweisende Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich um bis zu sieben Prozent auf 40,10 Dollar je Barrel. Für die Texas-Sorte WTI ging es zeitweise um bis zu fünf Prozent nach unten. Auch die Börsen in den Ölförderstaaten haben reagiert: Die Börse in Saudi-Arabien verlor rund 1,6 Prozent, für die Moskauer Börse ging es zeitweise um bis zu vier Prozent bergab.

Die Papiere der einzelnen Ölfirmen kamen dagegen erstaunlich glimpflich davon. Der Europe-600-Oil-&-Gas-Index erholte sich nach einem leichten Kurseinbruch am Morgen und stand gegen Mittag gerade einmal 1,3 Prozent niedriger als am Vortag. Der Index listet die 20 wichtigsten Öl- und Gasförderer in Europa. Auch die Aktien der einzelnen Firmen verloren nur leicht. Die Papiere von Total büßten 1,4 Prozent ein. Shell-Aktien verloren rund 1,5 Prozent. British Petroleum (BP) verloren 1,4 Prozent. Etwas stärker traf es die russischen Firmen. Die Aktien des Mineralöl-Förderers Rosneft verloren an der Moskauer Börse rund zwei Prozent. 2,1 Prozent nach unten ging es für Lukoil.

Die gescheiterten Doha-Gespräche treffen die Papiere der Ölproduzenten auch deshalb nicht so hart, weil sich diese bereits seit Längerem mit einem fallenden Ölpreis arrangieren, ihre Kosten zurückfahren und die Investitionen reduzieren. Bei manchen Analysten zählen Aktien der Ölproduzenten sogar wieder zu den „Top Picks”.

Die Aktie des britischen Ölförderers BP sei ihr neuer Favorit, schrieb Beispielsweise Analystin Lydia Rainforth in einer Studie Ende März. Das Potenzial für Investitionen und Kostensenkungen sei derzeit nicht angemessen im Aktienkurs des britischen Ölkonzerns eingepreist. Auch bei Exxon und Shell raten viele Analysten zum Kauf.

Selbst russische Öl-Hersteller können bei den Anlegern noch punkten. Der Chef von Rosneft zum Beispiel beruhigte die Märkte Anfang des Jahres, indem er sagte, dass der Konzern selbst bei einem Ölpreis von rund 25 US-Dollar je Barrel noch mit Gewinn produzieren könnte.

Was den Anlegern wesentlich mehr Sorgen bereitet, sind die Staatshaushalte der Erdöl-Förderländer. „Offen ist jetzt die Frage, wie die Erdöl exportierenden Länder ihre Haushaltsdefizite in den Griff bekommen wollen”, schrieben die Analysten der Essener National-Bank in einem Kommentar. Es sei zu erwarten, dass deren Staatsfonds Wertpapiere verkaufen, um die Löcher zu stopfen. Die Förderländer sind zudem wichtige Handelspartner Deutschlands. Vor diesem Hintergrund kann es auch für die Dax-Anleger nochmal gefährlich werden: „Die jüngste Erholungsrally an den weltweiten Aktienmärkten basierte zu einem Großteil auf der Erholung der Ölpreise nach der monatelangen Talfahrt”, sagte Analyst Andreas Paciorek vom Brokerhaus CMC Markets. „So besteht nun das Risiko eines erneuten Kippens der Stimmung an der Börse.”

Die Reaktion auf das Doha-Treffen zeigt: Der Ölpreis allein vermag die Aktien der Ölhersteller nicht zum Absturz zu bringen. Viel wichtiger sind die Rahmenbedingungen für die Wirtschaften der Ölförderstaaten. Vor diesem Hintergrund ist es auch wenig überraschend, dass ein Erdölhersteller trotz des gescheiterten Doha-Treffens deutlich zugelegt hat: der brasilianische Ölkonzern Petroleo Brasileiro. Die Petroleo-Papiere stiegen um 1,8 Prozent. Sie profitierten von der politischen Situation des südamerikanischen Staates: Im brasilianischen Parlament votierten am Montag zwei Drittel der Abgeordneten für eine Amtsenthebung der Staatspräsidentin Dilma Rousseff. Kritiker werfen ihr vor, den Staatshaushalt manipuliert zu haben, um ihre Wiederwahl 2014 zu sichern, und für die schlimmste Rezession in Brasilien seit Jahrzehnten verantwortlich zu sein. Nach dem Votum haben die Anleger bei Brasilien-Aktien zugegriffen.

Dass in Doha weiterhin Niedrigstpreise für Öl besiegelt wurden, scheint für ihre Entscheidung für oder gegen Petroleos zweitrangig zu sein.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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