Trotz guter Stresstests
Stresstest kann Talfahrt der Bankaktien nicht stoppen

Die erfolgreichen Bankenstresstests können die Finanzwerte in Anbetracht der Schuldenkrise in Europa und den USA nicht stützen. Der europäische Bankenindex schloss im Minus und nahm Deutsche und Commerzbank mit.
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FrankfurtDie Ungewissheit über den Ausgang der Schuldenkrise in den USA und Europa hat die Finanzwerte am Montag unter Druck gesetzt. „Die Ergebnisse der Bankenstress-Tests rücken angesichts der anhaltenden Sorgen wegen der Schuldenmiseren dies- und jenseits des Atlantiks in den Hintergrund“, sagte Aktienstratege Jörg Rahn von Marcard, Stein & Co. Zwar seien die am Freitag nach Börsenschluss vorgelegten Resultate besser als erwartet ausgefallen, sagte auch ein Händler. „Aber das wird die Märkte kaum beruhigen, solange es in Europa und den USA brennt.“

Hinzu komme, dass viele die Aussagekraft der Stresstests anzweifelten, weil das Bankrottszenario eines Euro-Landes ausgeklammert worden sei. Die Bankenexperten von Cheuvreux vermuten, es sei wohl eher so, dass das überraschend gute Ergebnis als „Nachsichtigkeit“ gedeutet und als nicht streng genug angesehen werde, auch wenn das in ihren Augen unfair ist.

Commerzbank und Deutsche Bank, die die Tests beide klar bestanden hatten, verloren in der Spitze jeweils fünf beziehungsweise vier Prozent und gehörten damit zu den größten Verlierern im Dax. Die Commerzbank hatte in den ersten Handelsminuten noch im Plus gelegen. Der europäische Bankenindex notierte 1,5 Prozent im Minus.

In den vergangenen Wochen waren die europäischen Bankaktien kollektiv deutlich ins Minus gerutscht. Kursverluste von bis zu neun Prozent pro Tag waren keine Seltenheit. Die Commerzbank-Aktie hat somit ihre ohnehin schon schlechte Performance weiter verschlechtert: In den letzten zwölf Monaten hat das Papier 50 Prozent an Wert verloren, 18 Prozent davon alleine im letzten Monat. Der Deutschen Bank geht es mit einem Monatsminus von acht Prozent etwas besser.

Weitaus schlechter als den deutschen Werten geht es allerdings einigen anderen Banken im Euroraum: Aus Spanien stammen fünf der acht beim Stresstest durchgefallenen Banken. Sie stehen aber nur für weniger als zehn Prozent der Bankenbranche des Landes. Bei vier Instituten handelt es sich um Sparkassen, die nicht börsennotiert sind. Einzig die kleine Banco Pastor ist an der Börse. Bereits im vergangenen Jahr waren fünf der europaweit sieben Durchfaller spanische Sparkassen.

Bei dem diesjährigen Belastungstest fielen acht von 90 teilnehmenden Instituten durch. Einige haben mittlerweile ihre Krisenresistenz gestärkt - noch bevor ihre aus dem April stammenden Daten im Stresstest durchgerechnet wurden. Vom Internationalen Währungsfonds (IWF) und aus der Europäischen Zentralbank (EZB) kam aber die Mahnung, die Banken sollten ihre Kapitalpuffer weiter stärken.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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