Trotz guter Unternehmenszahlen rechnen Analysten mit Kursdruck
Dax-Ausblick: Zinsangst trübt Stimmung

Die Berichtssaison der deutschen Unternehmen erreicht in der nächsten Woche ihren Höhepunkt. Experten gehen aber davon aus, dass die Spekulationen über steigende Leitzinsen die Stimmung am Aktienmarkt dominieren werden.

HB FRANKFURT. "Die Zinsangst überstrahlt offenbar alles, und positive Nachrichten werden kaum wahrgenommen", sagte Aktienstratege Frank Schallenberger von der Landesbank Baden-Württemberg. "Der Markt wird sich weiter konsolidieren, und der Dax wird wohl mit der 4800er Marke kämpfen", sagte Aktienstratege Günter Senftleben von der Bankgesellschaft Berlin voraus. "Der Markt ist technisch angeschlagen, da helfen auch gute Unternehmenszahlen gerade nicht", pflichtete ihm Analyst Mirko Pillep von Helaba Trust bei. "Wir werden uns wohl in Richtung 4700 Punkte bewegen."

Auch technische Analysten rechnen mit einer Fortsetzung der ausgedehnten Konsolidierung zwischen 4900 und 4600 Punkten. Einige Sales Trader großer Investmentbanken berichten sogar, sie würden dies begrüßen: "Dann stimmt endlich wieder das Chance-Risiko-Profil und der Käuferstreik hört auf".

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Der Dax dürfte nach Meinung der meisten Analysten solange volatil-seitwärts konsolidieren, bis die Zinslage geklärt ist. Ein langfristiger Schritt dazu war die Ernennung von Bernard Bernanke als Nachfolger von Fed-Präsident Alan Greenspan.

Der Deutsche Aktienindex (Dax) fiel im Laufe der Woche zwischenzeitlich wieder unter 4800 Punkte, am Freitagnachmittag lag er 0,4 Prozent höher auf 4824 Zählern.

Als Ursache der Konsolidierung sehen Händler das radikal gedrehte Sentiment am Markt: Wurden vor Wochen selbst negative Nachrichten positiv interpretiert, sei es nun umgekehrt. Positive News gehen unter, nur das Schlechte wird nach oben gekehrt.

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Optimisten erwarten baldige Wende

Allerdings sei eine solche Entwicklung typisch für die letzten Ausschläge nach unten, meinen Optimisten - der Boden dürfte demnach näher sein als das Top. Aktienstratege Schallenberger von der Landesbank Baden-Württemberg zum Beispiel zeigte sich zuversichtlich: "Wenn fundamentale Nachrichten anschlagen, dann in der nächsten Woche. Ich rechne fest damit, dass wir die Trendwende bekommen", sagte er. Schallenberger begründete seinen Optimismus mit einem guten Auftakt der Berichtssaison. "Alle Berichte, die wir bisher hatten, waren uneingeschränkt positiv", sagte er und verwies unter anderem auf die Zahlen von DaimlerChrysler, SAP und der Deutschen Bank.

Auch konjunkturell sieht die Lage nicht schlecht aus: Der ifo-Index überraschte am Dienstag mit einem Sprung auf ein Fünfjahres-Hoch so positiv, dass Analysten in Erklärungsnot gerieten. Und die Auftragseingänge im Maschinenbau laufen laut VDMA weiter gut. Auch das über Erwarten guten US- Bruttoinlandsprodukt (BIP) sorgte für Staunen: Das Wirtschaftswachstum in den USA war im dritten Quartal um 3,8 Prozent gestiegen und hatte damit die erwarteten 3,5 Prozent weit übertroffen.

Allgemeine Trends trüben das Bild

Wer weitere positive Nachrichten sucht, wird jedoch genau hinhören müssen, so wie bei den einzelnen Unternehmensdaten oder solch seltenen Konjunkturterminen. Sie werden leicht überdeckt von schlagzeilenträchtigen Nachrichten wie Irans Drohungen gegen Israel. Damit deutet sich bereits der nächste Konfliktherd an, in den sich die USA verstricken könnten. An den Börsen dürfte es dann ähnlich zugehen wie während der Irak-Konflikte.

Verhalten bewerteten Experten auch die Zahlen der US-Unternehmen, an denen sich auch Anleger hier zu Lande orientieren. Die Berichte hätten zwar größtenteils die Erwartungen erfüllt. "Allerdings schlagen die gestiegenen Rohstoffpreise inzwischen durch. Die Ausblicke sind verhaltener, und in vielen Branchen ist der Höhepunkt im Wachstumszyklus erreicht", sagte LBBW-Stratege Karl Strohmeier.

Die Ertragskraft der Unternehmen beeindruckte die Investoren in der zu Ende gehenden Woche ohnehin kaum. Vielmehr dominierte die Sorge vor einer anziehenden Inflation. Auch die Stimmung in Deutschland trübt die Börsenlaune: Keine Spur mehr von vor-wählerischer Steuersenkung; beide Koalitionspartner denken unverblümt einheitlich über Steuer-Erhöhungen nach. Das Ausmaß der Finanz- Verzweiflung prägt hier zu Lande schon den Sprachgebrauch: Mögliche Aufschläge auf den individuellen Steuersatz sollen wie beim ehemaligen "Notopfer Berlin" erfolgen.

Wer rechnen kann, stört sich daran. Und dazu zählen ausländische Anleger. Die Kursverluste in Dax und MDax sind sichtbare Zeichen für die Enttäuschung über die verschenkten Reformchancen. Der Dax verliert aktuell seine gesamte Outperformance, die er gegenüber anderen europäischen Märkten seit Frühjahr aufgebaut hatte. Kursverluste dürften in Deutschland weiterhin höher ausfallen als im Euro-Stoxx-50.

Kurzfristig belastet bleibt der Markt von Platzierungs-Befürchtungen. Das Eingeständnis der Großen Koalition, dass die finanzielle Lage düster ist, wird "allerschnellste Platzierungen von Staatsanteilen mit sich bringen", heißt es im Handel. Bereits die überraschende Unterbringung der Fraport-Anteile am Mittwoch zeigte die Unruhe der öffentlichen Hand. Und nicht immer wird sich ein dankbarer Käufer finden - so wie die Lufthansa bei Fraport.

Dies werde die Kurse vor allem der Deutschen Telekom weiter durch "Käuferstreik" belasten, vermuten Beobachter. "Warum soll ein Investor denn jetzt Telekom am Markt kaufen, wenn er sie bald billiger über eine Platzierung bekommt", so die rhetorische Frage eines Händlers. Auch von Unternehmen wird erwartet, dass sie ihre Pakete vor der nächsten Steuererhöhung versilbern. In Frage kommen unter anderem die Pakete von Linde und Daimler, die bei Banken liegen, und die Infineon-Anteile bei Siemens.

Berichtssaison mit Schwergewichten

Ein Drittel der 30 Dax-Firmen, darunter Indexschwergewicht BASF, werden in der kommenden Woche über die Geschäftsentwicklung berichten. Zum Auftakt informiert der Wiesbadener Industriegase- und Gabelstaplerhersteller Linde über die Geschäftsentwicklung im abgelaufenen Quartal. Am Mittwoch folgen sechs Dax-Unternehmen, unter anderem BASF und Altana, ferner Continental, Depfa, Henkel und MAN.

Am Donnerstag werden Volkswagen und BMW Ergebnisse vorlegen, außerdem Adidas-Salomon, Aixtron, Commerzbank und Leoni. Am Freitag beschließt Puma die Woche. Was ausländische Unternehmen angeht, warten die Anleger unter anderem auf die Zahlen der Großbank UBS, des Technologiekonzerns Sun Microsystems und des Nutzfahrzeugherstellers Scania.

Ein Höhepunkt der Börsenwoche wird der am Dienstag anstehende Zinsentscheid der US-Notenbank. Börsianer rechnen mit einer erneuten Anhebung des Leitzinses um 25 Basispunkte auf dann 4,00 Prozent. Mit Spannung wird auch der am Donnerstag folgende Zinsentscheid der EZB erwartet. Jüngsten Erhebungen zufolge hat sich die Stimmung der Verbraucher und der Wirtschaft in der Euro-Zone deutlich verbessert. Parallel dazu blieb die Inflationsrate im Oktober mit 2,5 Prozent deutlich über der Marke von rund zwei Prozent, bei der die EZB die Preisstabilität gewährleistet sieht.

Börsianer warten daher auf Hinweise, wann mit einer Anhebung des Leitzinses zu rechnen ist. "Wir haben ungünstige Inflationsdaten, und die Konjunkturseite verträgt eine Zinserhöhung", sagte Senftleben. "Ich gehe davon aus, dass die EZB schon im Dezember beim Leitzins um 25 Basispunkte hochgeht und damit den Zinserhöhungszyklus einleitet."

Hinzu kommt eine Reihe wichtiger Konjunkturdaten mit dem monatlichen US-Arbeitsmarktbericht als Höhepunkt am Freitag.

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