Trotz guter Zahlen
Software-Hersteller Adobe Systems enttäuscht Anleger

Ein Absturz um fast 20 Prozent: So erging es der Software-Aktie Adobe Systems vor wenigen Tagen. Schuld an dem Kurseinbruch war die schwächere Prognose des IT-Konzerns für das laufende vierte Quartal. Prompt reagierten die Banken mit der Herabstufung ihrer Anlageurteile. Dabei sind die Quartalszahlen der Softwareschmiede alles andere als schlecht.
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STUTTGART. Binnen Stunden war Adobe der meistgehandelte Titel an der Technologiebörse Nasdaq und rutschte so stark ab wie seit acht Jahren nicht mehr. Das war eine übertriebene Reaktion, sagen die Analysten - aber einen deutlich reduzierten Preis halten sie dennoch für gerechtfertigt.

Schuld an dem Preissturz war Adobes schwächere Prognose für das laufende vierte Quartal. Rund 950 Millionen Dollar Umsatz, maximal eine Milliarde, halten die Kalifornier bis Ende November für möglich. Die Analysten hatten im Schnitt 1,03 Milliarden Dollar erwartet. "Der Markt verzeiht im Moment nicht einmal die kleinste Nachgiebigkeit, weder bei den Ergebnissen noch bei den Prognosen", sagt Analyst Walter Pritchard von der Citigroup.

Viele Banken haben das Papier nach Vorlage der Zahlen herabgestuft

Die Herabstufungen der Anlageurteile ließ bei vielen Banken nicht lange auf sich warten: Zaineb Bokhari von Standard & Poor?s etwa setzte ihr Anlageurteil von "Starker Kauf" auf "Halten" herab. Dabei konnten sich Adobes Quartalsergebnisse durchaus sehen lassen: Das Nettoeinkommen stieg um 70 Prozent auf 230 Millionen Dollar, und auch der Umsatz wuchs um 42 Prozent auf 990 Millionen Dollar und lag damit über den Erwartungen der Analysten.

Dennoch hat Adobe gute Gründe für die vorsichtige Prognose: Sowohl auf dem wichtigen japanischen Markt als auch bei den Bestellungen von Schulen und Studenten sind die Umsätze zurückgegangen. Dieser Bereich erzielt üblicherweise rund zehn Prozent von Adobes Gesamtumsatz. "Scheint so, als seien Adobes Wachstumsaussichten zeitweise unauffindbar", spottet Analyst Philip Winslow von Credit Suisse. "Uns jedenfalls fällt es schwer, für die nächsten ein bis zwei Quartale irgendwelche Impulse für die Aktie zu erkennen", sagt Winslow.

Auch die Verkaufszahlen bei Adobes Flaggschiff "Creative Suite", eine Sammlung von Design-, Grafik- und Produktionsprogrammen, enttäuschen die Analysten. In den vergangenen zwölf Monaten erzielte das Programm mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes. Daher waren die Erwartungen des Markts hoch. Experten schätzten das Umsatzplus für das kommende Jahr auf weitere zehn Prozent - vor allem, da seit rund fünf Monaten die aktuellste Version Creative Suite 5 auf dem Markt ist. Sie enthält unter anderem Updates für die beliebten Software-Programme Photoshop und Flash.

Allerdings: Creative Suite 5 werde bisher nur zögerlich angenommen, sagen Analysten. Schlechte Verkaufszahlen bei Creative Suite 5 wären besonders bitter für Adobe, weil viele Kunden bereits im vergangenen Jahr das Vorgänger-Update Creative Suite 4 aufgrund der wirtschaftlich angespannten Lage ausgelassen haben. "Obwohl die Geschäftsleitung immer noch bullish zu Creative Suite 5 steht, sind wir zurückhaltend, ob das Programm tatsächlich den Erfolg von Creative Suite 3 übertreffen kann", sagt Analyst Brad Reback von Oppenheimer & Co. "Die Erwartungen des Marktes scheinen uns noch immer zu optimistisch."

Nun diskutieren Anleger und Analysten, wie Adobe seine Wachstumszahlen erreichen will. Aufgrund der starken Bilanz könnte die Firma weitere Mitbewerber aufkaufen, um die Umsatzziele zu erreichen. Andererseits könnte auch Adobe selbst geschluckt werden. Der starke Kursrutsch mache die Kalifornier zu einem attraktiven Übernahmekandidaten für größere Konkurrenten wie Google, sagt Analyst Jeff Gaggin von Avian Securities.

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