Tui-Chef Frenzel: Tourismuskonzern braucht das Geld nicht zu Schuldentilgung
Börsengang der Tui-Tochter Hapag-Lloyd auf der Kippe

Der geplante Börsengang des Hamburger Schifffahrtsunternehmens Hapag- Lloyd AG gerät zum Drahtseilakt. Tui-Vorstandschef Michael Frenzel nährte gestern Spekulationen, nach denen der Reisekonzern auf das Going Public seiner Hamburger Konzerntochter auch verzichten könnte.

cd/ebe/ek/lip/mm MOSKAU. Man benötige den Börsengang inzwischen nicht mehr zur Schuldentilgung, sagte Frenzel am Rande eines Besuchs in Moskau. Tui habe sich kürzlich über zwei Anleihen im Wert von 400 und 625 Mill. Euro durchfinanziert und verfüge jetzt über „eine stabile Finanzstruktur“, sagte Frenzel.

Klaus Linde, Analyst bei SES Research, hält das aktuelle Umfeld für zu unsicher, um eine erfolgreiche Platzierung vorzunehmen. Hans Huff, Analyst der Berliner Bankgesellschaft, äußerte sich wegen der Unsicherheit über die weitere Entwicklung der Containerschifffahrt gleichfalls skeptisch. „Mehren sich die Stimmen, dass der Höhepunkt bei den Frachtraten erreicht ist, könnte ein Börsengang scheitern“, sagte er. Das Vorhaben sei auch gefährdet, wenn „die Investoren einen Platzierungskurs unterhalb der Preisvorstellung der Tui anstreben“. Huff schätzt den Wert der Hapag-Lloyd-Schifffahrt auf rund 1,8 Mrd. Euro. Tui-Chef Frenzel sagte, die Tui habe klare Preisvorstellungen. Wenn diese erreicht würden, wolle man „zeitnah entscheiden, ob der Vogel fliegt oder nicht“.

Offiziell wies Hapag-Lloyd Gerüchte über eine drohende Absage zurück: „Wir halten weiter an einem Börsengang in der zweiten Jahreshälfte fest“, sagte ein Sprecher. Bislang plante Hapag-Lloyd nach Informationen aus Unternehmenskreisen, die Aktien im Oktober auszugeben. Auch in Frankfurter Finanzkreisen hieß es, es gebe bisher keinen Hinweis für eine Absage. Allerdings lasse sich Tui angesichts der fragilen Marktlage alle Optionen offen. Die Vorbereitungen könne man auch für den Verkauf an einen strategischen Investor nutzen. „Das ist mit Sicherheit eine Option, die Tui prüfen wird“, sagte ein Frankfurter Investmentbanker. Schließlich hätten die jüngsten Börsengänge gezeigt, dass sich Aktien derzeit nur mit großen Preiszugeständnissen platzieren ließen. Beim Verkauf aller Anteile an einen strategischen Investor könne Tui dagegen sogar einen Paketaufschlag fordern. Als Interessent für einen Hapag-Lloyd-Kauf gilt die Oetker-Gruppe, die unter anderem die Reederei Hamburg Süd betreibt.

Die WestLB machte gestern erneut deutlich, dass sie sich von ihrem 31-Prozent-Anteil an Tui trennen will. Entscheidend sei aber, „dass der Preis über dem Buchwert liegt“, sagte ein Sprecher der Bank. Das Tui-Paket steht mit 16,50 Euro je Aktie in den Büchern, der aktuelle Tui-Börsenkurs erholte sich gestern deutlich auf 13,60 Euro.

Die Bank werde beim Verkauf keine Rücksicht auf die Interessen von Tui-Chef Frenzel nehmen, hieß es aus dem Umfeld der WestLB. Das einzige Ziel von Bankchef Thomas Fischer sei die Maximierung des Verkaufspreises. Alles andere könne er gegenüber den Sparkassen, die der Bank gerade erst 1,5 Mrd. Euro frisches Kapital zugeschossen haben, nicht rechtfertigen.

Frenzel sagte, er habe keine Sorge, „dass da etwas hinter meinem Rücken passiert“. Einen Übernahmeversuch der Tui wollte er dennoch nicht ausschließen: So wisse Tui „definitiv nicht“, welche Absicht hinter der Aufstockung der Tui-Beteiligung der Investmentbank Morgan Stanley stecke.

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