TV-Konzern legte gute Zahlen vor
TV Azteca: Mit leichter Kost erfolgreich

Analysten sehen bei dem mexikanischen Fernsehgiganten TV Azteca auf mittlere Sicht noch weiteres Potenzial.

MEXIKO-STADT. Dutzende Telenovelas, viel Sport, wenige, aber reißerische Nachrichten, Spielfilme und Reality-Shows: Das ist der Stoff, der Fernsehsendern in Lateinamerika hohe Einschaltquoten und damit zumeist große Einnahmen beschert. Mexikos TV-Gigant TV Azteca spielt diese Karte seit zehn Jahren sehr erfolgreich und hat sich seit seiner Gründung 1993 zum zweitgrößten Sender hinter dem Konkurrenten Televisa gemausert. In Mexiko ist TV Azteca mit zwei landesweiten und Dutzenden lokalen Programmen vertreten. Am heimischen Fernsehmarkt hat TV Azteca einen Anteil von rund 40 %; Konkurrent Televisa kommt auf 55 %.

Ganz nach dem Geschmack der Anleger waren die TV-Azteca-Zahlen des ersten Quartals. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahresquartal um 2,4 % auf rund 127 Mill. $. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Firmenwertabschreibungen lag mit 50 Mill. $ um 6 % höher als im ersten Quartal 2002. Und es war das beste erste Quartal in den vergangenen fünf Jahren. TV Azteca habe bei gleich bleibenden Werbeeinnahmen die Kosten für Produktion und Programme drücken können, sagt Medienanalyst Manuel Jiménez vom Investmenthaus Vector. Zudem hat TV Azteca mit „La Academia“ dem mexikanischen Pendant zu „Deutschland sucht den Superstar“ einen Dauerbrenner im Programm.

Auch für das zweite Quartal sind die Ergebnishoffnungen hoch gesteckt, vor allem dank des gerade beendeten Wahlkampfs. Die Investmentbank Merrill Lynch und die Ratingagentur Standard & Poor's schätzen, dass die TV-Spots zwischen 45 und 60 Mill. $ in die Kassen der Fernsehsender gespült haben – vor allem also in die von TV Azteca und Televisa. Die Börse hat dies honoriert: Die Aktie von TV Azteca hat an der New Yorker Börse seit Jahresbeginn rund 35 % gewonnen. Daran änderte auch nichts, dass die Gesellschaft im Januar wegen der aggressiven Übernahme der Sendeanlage des kleinen Fernsehkanals CNI Canal 40 in den Schlagzeilen stand.

Aber TV Azteca und vor allem dem Großaktionär Ricardo Salinas Pliego ist Mexiko längst zu klein geworden. Der Sender ist hinter Televisa der zweitgrößte Produzent spanisch-sprachiger Programme weltweit. Er produziert jährlich über 8 000 Fernsehprogramme, darunter acht eigene Telenovelas. Die Programme werden nach eigenen Angaben in 90 Länder weltweit exportiert.

Salinas Hauptaugenmerk gilt aber dem wachsenden Markt für spanisch-sprachige Programme in den USA. Über die eigens gegründete Firma Azteca America Network liefert TV Azteca seit rund anderthalb Jahren ein Vollprogramm an Kabelsender in Kalifornien und Texas, die US-Staaten mit der höchsten Zahl mexikanischer Einwanderer. Das Engagement hat den Milliardär mehr als 100 Mill. $ gekostet. Azteca America behauptet, 60 % Marktanteil am hispanischen Marktes im Nachbarland zu haben. Zahlen, die Analysten als zu hoch einstufen. „Der Sender fing in den USA von Null an“, gibt Manuel Jiménez von dem Investmenthaus Vector zu bedenken. Der Vorsprung von Konkurrent Televisa sei noch erheblich. Auf Grund der positiven Daten sehen die meisten Analysten auf mittlere Sicht weiteres Kurspotenzial für TV Azteca. Merrill Lynch rät zum Kauf und bestätigt sein Zwölf-Monats- Kursziel von 7,50 $. Carlos Perezalonso von BBVA Bancomer hält die Perspektiven von TV Azteca ebenfalls für attraktiv und sieht Phantasie bis 7,70 $, was dem 52-Wochen-Hoch entspräche.

JP Morgan und Vector hingegen sind unter Verweis auf die hohen Schulden von TV Azteca und der TV Azteca-Holding, die 55,5 % an dem Kapital des Senders hält, vorsichtiger. Vector rät gar zum Verkauf der Aktie. Zum einen sei mittelfristig kein Wachstum auf dem Werbemarkt zu erwarten. Hauptgrund aber seien die Verbindlichkeiten des Senders, die sich zum Ende des ersten Quartals auf 594 Mill. $ beliefen. Sie sind größtenteils auf zwei Anleihen verteilt, die kommendes Jahr (125 Mill. $) und 2007 fällig werden (300 Mill. $).

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