Tweet schreckt Branche auf
Wie Hillary Clinton Pharma-Aktien ins Minus drückt

Über Nacht wird ein US-Medikament 55-mal teurer. US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton reagiert empört – und kündigt Regulierungen an. Das reicht, um Pharmakurse ins Minus zu drücken – auch in Deutschland.

Düsseldorf/New YorkAktien von Biotech- und Pharma-Unternehmen gehen weltweit auf Talfahrt. Morphosys im TecDax verliert 4,2 Prozent, Merck in den USA rutscht 2,2 Prozent ins Minus und Valeant Pharmaceuticals gibt satte 5,4 Prozent nach. Der Branchenindex der Biotech-Unternehmen, der Nasdaq Biotechnology, gibt 4,4 Prozent nach.

Der Grund für die Verluste ist schlicht und einfach. Ein Tweet von US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton hat gereicht, um in den Vorstandsetagen zahlreicher Pharma- und Biotech-Unternehmen für Unruhe zu sorgen und Anleger in die Flucht zu schlagen.

Übersetzt heißt das: „Eine derartige Preiserhöhung im Markt spezieller Medikamente ist empörend. Morgen werde ich einen Plan vorlegen, um dagegen vorzugehen.“ Dieser sehe unter anderem vor, dass die Kosten für die direkte Verbraucherwerbung nicht mehr als Kosten als Geschäftsaufwendung geltend gemacht werden können.

Vorausgegangen ist eine Preiserhöhung des Medikaments „Daraprim“ durch Turing Pharmaceuticals. Das durch den ehemaligen Hedgefonds-Manager Martin Shkreli gegründete Start-up hat im August für 55 Millionen Dollar die Rechte an dem 62 Jahre alten Medikament zur Behandlung von Infektionskrankheiten von Impax erworben. Vor der Übernahme betrug der Tablettenpreis 13,50 Dollar. Shkreli hat den Preis nun auf 750 Dollar pro Tablette erhöht – ein Preisanstieg von über 4500 Prozent.

Einen triftigen Grund für die enorme Preiserhöhung liefert Shkreli allerdings nicht. Seine Erklärungen sind geradezu dreist. „Das Medikament rettet ihr Leben für 50.000 Dollar“, sagte der ehemalige Hedgefonds-Manager in einem Interview in New York für das Bloomberg TV. „Es ist immer noch ein Schnäppchen für die Krankenversicherer. Dieser Preis ist immer noch ein Kinderspiel für sie.“

Doch nicht nur in den USA gingen die Pharmawerte auf Talfahrt. Die Kampfansage von Hillary Clinton hat neben den Verlusten von Morphosys in Deutschland in Großbritannien die Papiere von Glaxo Smith Kline 2,9 Prozent ins Minus gezogen. In der Schweiz sackten die Anteile von Novartis und Roche um 3,2 beziehungsweise 2,4 Prozent ab. Der Kurseinbruch der beiden Index-Schwergewichte war zu einem guten Teil dafür verantwortlich, dass der Schweizer Leitindex mehr als zwei Prozent einbüßte.

Der europäische Branchenindex fiel um 2,4 Prozent. Zu den größten Verlierern gehörten mit mehr als drei Prozent Minus die Titel von Shire, Genmab und Sanofi. Astra Zeneca gaben zwei Prozent nach. Die Aktien der Schweizer Biotech-Firma Actelion und des Antibiotika-Herstellers Basilea mussten Kursabschläge von 1,9 und 1,4 Prozent hinnehmen.

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Preiserhöhungen sind kein Einzelfall

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