Überdurchschnittliche Umsätze
Serono-Übernahme setzt Merck-Aktie zu

Die Aktien des Merck-Konzerns rutschten am Donnerstag Mittag bei überdurchschnittlichen Umsätzen um 5,8 Prozent auf 73,83 Euro ab.

HB DÜSSELDORF. "Die Transaktion ist eindeutig zu teuer“, sagte Marktanalyst Heino Ruland vom Brokerhaus Steubing mit Blick auf den Serono-Kaufpreis von knapp elf Milliarden Euro. Ein Fondsmanager, der Aktien des Darmstädter Konzerns hält, kritisierte den Preis ebenfalls. „Sie waren verzweifelt und mussten etwas tun“, fügte er in Anspielung auf die gescheiterte Übernahme von Schering vor einigen Monaten hinzu.

Analyst Ulrich Huwald von MM Warburg betonte jedoch: „Dafür sichert sich Merck aber gleich eine strategische Mehrheit.“ Ein anderer Börsianer bezeichnete die Übernahme als sinnvoll. Dies überwiege den hohen Preis. Die Papiere von Serono blieben in Zürich zunächst vom Handel ausgesetzt.

Merck hatte sich für 1 100 Franken je Aktie knapp zwei Drittel der Serono-Anteile und mehr als 75 Prozent der Stimmrechte von der Eignerfamilie Bertarelli gesichert. Der Darmstädter Konzern kündigte außerdem eine Offerte für die restlichen Aktionäre an. Die Transaktion solle mit Krediten, Anleihen und einer Kapitalerhöhung gestemmt werden.  

Die Landsbank Rheinland-Pfalz (LRP) bestätigte die Merck-Aktie nach der angekündigten Übernahme mit "Outperformer". Die Transaktion komme "überraschend", hieß es in einer Studie vom Donnerstag. Das Kursziel betrage 95 Euro. Nach der gescheiterten Schering-Übernahme stelle sich Merck nun als weltweit führendes biopharmazeutisches Unternehmen mit globaler Präsenz auf. Der besondere Fokus liege auf den Bereichen Neurologie und Onkologie.

Die Transaktion soll über eine Kombination aus einem syndizierten Darlehen, einer Anleihe und einer Kapitalerhöhung von zwei bis 2,5 Mrd. Euro refinanziert werden. Die LRP werde nähere Details mit dem Unternehmen besprechen und warte auf die Pressekonferenz. Gemäß der Einstufung "Outperformer" geht die LRP davon aus, dass sich die Aktie mittelfristig mehr als fünf Prozentpunkte über der Benchmark (Dax 30) entwickeln wird.

Analysten hatten bereits seit längerem die geringe Präsenz von Merck in Japan und den USA sowie den schwachen Nachschub an innovativen Produkten kritisiert. Im Juni war die geplante Übernahme des Wettbewerbes Schering gescheitert. Allerdings hatte Merck aus dem vorübergehenden Engagement bei dem Berliner Pharmaunternehmen einen Nettogewinn von etwa 400 Mill. Euro verbucht.

Serono hatte bereits seit längerem erfolglos nach einem Käufer gesucht. Ein Grund war die dünne Medikamenten-Pipeline der Schweizer. Obgleich sich die Bewertung für das Schweizer Unternehmen mittlerweile verringert hat, bezeichneten verschiedene Analysten von Merck Finck den Zukauf als immer noch teuer. Mit einem Preis des 22-fachen Ergebnisses vor Zinsen und Steuern (Ebit) im Jahr 2005 sei der Zukauf jetzt teurer als der Schering-Kauf durch Bayer, die nur das 18- fache des Ebit bezahlt hätten.

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