Übernahme der Wal-Mart-Märkte
Metro-Aktionäre ignorieren Risiken

Die Märkte reagieren auf die Übernahme der deutschen Wal-Mart-Geschäfte durch den Einzelhandelsriesen Metro vorerst positiv. Auch die Analysten sehen momentan mehr Chancen als Risiken. Doch noch sind längst nicht alle Fragen geklärt.

DÜSSELDORF. Mit einem Plus von deutlich über zwei Prozent führte die Metro-Aktie heute Vormittag die Gewinnerliste im Deutschen Aktienindex (Dax) eindeutig an. Insgesamt hat das Papier im laufenden Jahr rund zehn Prozent zugelegt – und damit deutlich mehr als der Durchschnitt der 30 deutschen Standardwerte.

Vor allem die Ankündigung, dass die Wal-Mart-Warenhäuser „schuldenfrei“ übernommen werden, schien die Anleger zu beruhigen. Zudem soll die amerikanische Mutter noch einen Teil der anfallenden Restrukturierungskosten tragen. Insgesamt zahle Metro weniger als die Filialen und die teilweise mit übernommenen Immobilien wert sein, hieß es.

Auch die Analysten äußerten sich in ihren ersten Kommentaren daher überwiegend positiv zu dem Geschäft. Gerade aus strategischen Gesichtspunkten mache der Zukauf Sinn, schreiben beispielsweise die Finanzexperten von der Privatbank Merck Finck & Co in einem aktuellen Bericht. „Metro steigt zum absoluten Marktführer in diesem Segment auf, das bringt durchaus Vorteile“, erklärt Tim Burkhardt, Branchenexperte bei der Landesbank Rheinland-Pfalz. Immerhin hatte gerade Wal-Mart mit seiner mitunter sehr aggressiven Preisgestaltung die Konkurrenten in den vergangenen Jahren kräftig unter Druck gesetzt. Darüber hinaus will Metro Synergieeffekte in den Bereichen Wareneinkauf und Logistik nutzen. Barbara Ambrus, Analystin bei der Landesbank Baden-Württemberg, bezeichnet Übernahme daher sogar als „geschickt“ und bekräftigt ihre Kaufempfehlung für die Aktie.

Überkapazitäten im Marktsegment

Doch der Kauf birgt neben Chancen auch zahlreiche Risiken - und gerade diese werden von dem Düsseldorfer Konzern bisher kaum angesprochen. „Die Auswirkungen auf die Aktie lassen sich noch nicht genau beziffern, da die Unternehmen noch keine Details über die finanziellen Hintergründe des Geschäfts veröffentlicht haben“, sagt Burkhardt. Zudem zweifeln einige Finanzexperten daran, dass es sinnvoll ist, die 85 Filialen in die Real-Kette, eine Tochter der Metro, zu integrieren. „Real hat schon jetzt mit der eigenen Restrukturierung zu kämpfen“, sagt ein Analyst. Die Integration der neuen Niederlassungen werde dadurch nicht leichter. Außerdem werde auch mit diesem Schritt das Problem der Überkapazitäten in diesem Marktsegment nicht gelöst, heißt es bei Merck Finck & Co.

Gerade was die langfristigen Perspektiven für den Aktienkurs angeht, ist die Euphorie der Analysten daher gebremst. „Zurzeit lassen sich noch keine Prognosen abgeben“, sagt beispielsweise Burkhardt. Nils Lesser von Merck Finck & Co. sieht ebenfalls keinen Grund, seine bisherige Einstufung zu verändert. Er gibt als Anlageempfehlung weiterhin „halten“ an und beziffert sein Kursziel auf 46 Euro. Aktuell notiert die Aktie nur rund einen Euro unter diesem Wert.

Hintergrund: Wal Mart gibt in Deutschland auf

Der weltgrößte Handelskonzern Wal Mart gibt nach acht Jahren in Deutschland auf. Der Düsseldorfer Metro-Konzern übernimmt die 85 deutschen Filialen von dem US-Unternehmen und wird sie in seine Real-Kette eingliedern. Die Übernahme muss noch von den Kartellbehörden genehmigt werden. Über den Kaufpreis wurde nach Angaben Körbers auf Wunsch von Wal Mart Stillschweigen vereinbart. Der US-Konzern kündigte allerdings im Zusammenhang mit der Transaktion eine Abschreibung von rund 1 Milliarde Dollar (über 788 Millionen Euro) im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2007 an.

Der Wal-Mart-Konzern, der vor acht Jahren die Wertkauf- und Interspar Supermarktketten übernommen hatte, räumte sein Scheitern in Deutschland ein. Es sei zunehmend deutlich geworden, „dass es unter den derzeitigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland schwierig ist, die von uns angestrebte Größe und angestrebten Ergebnisse zu erreichen“, erklärte Vize-Vorstandschef Michael Duke in Bentonville (US-Bundesstaat Arkansas).

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%