Übernahme durch Alcatel
Lucent gilt als schöne Braut

Mit Lucent Technologies geht es trotz durchwachsener Gewinnprognose nach Experteneinschätzung wieder aufwärts. Die Übernahme des US-Telekomausrüsters durch Alcatel schürt Hoffnung auf steigende Kurse.

HOUSTON. Das Unternehmen hatte Ende Mai erklärt, zwar werde sich im zweiten Halbjahr der Ertrag im Vergleich zum ersten „erheblich verbessern“, aber 2006 dürfte der Gewinn insgesamt geringer ausfallen als 2005. Während die Anleger den Titel zunächst abstraften und Lucent in den vergangenen drei Monaten ein Zehntel an Wert verloren, steigt die Aktie im Ansehen der Analysten. Nikos Theodosopoulos von UBS Investment Research stufte seine Empfehlung kürzlich von „halten“ auf „kaufen“ herauf.

Ein Experte der Ratingagentur Standard & Poor’s Research, Ken Leon, erhöhte ebenfalls seine Bewertung. Und Analyst Inder Singh von der Prudential Equity Group setzte sein aktuelles Kursziel auf vier Dollar. Das wäre ein Plus von rund 60 Prozent gegenüber dem aktuellen Stand. „Wir erwarten, dass die Kunden in diesem Jahr noch mehr für drahtlose Infrastruktur ausgeben als bislang“, sagt Singh. „Der größte Teil dieses Wachstum wird sich voraussichtlich in der zweiten Hälfte des Kalenderjahres zeigen.“

Die Firma aus dem Bundesstaat New Jersey entwirft und produziert Kommunikationssysteme, Software und andere Computerprodukte. Der größte Hoffnungsträger für die Aktie ist die geplante Fusion mit dem französischen Konkurrenten Alcatel im Wert von etwa 14 Mrd. Dollar. Während das Lucent–Management der Übernahme durch Alcatel bereits zugestimmt hat, müssen die Aktionäre des US-Unternehmens ebenfalls noch grünes Licht geben. Das soll Anfang September geschehen.

Eine Zusammenführung des größten US-Telefonausrüsters mit dem weltgrößten Anbieter für Breitbandanschlüsse würde dem kombinierten Unternehmen eine deutlich bessere Marktposition verschaffen. Davon sollten nach Ansicht von S&P-Mann Leon auch die Anleger profitieren, weil sie Zugang zu einer großen Firma bekommen, die sich als stabiler erweisen werde als Lucent alleine. „Obwohl Lucent keine Vereinbarung über eine garantierte Preisspanne seiner Aktien geschlossen hat, sollte sich Alcatel als brauchbarer und wachstumsfähiger Spieler erweisen“, sagt Leon.

UBS-Analyst Theodosopoulos schätzt, dass beide Firmen im übernächsten Jahr rund 1,2 Mrd. Euro durch Synergieeffekte einsparen werden. „Das neue, gemeinsame Unternehmen wird unserer Meinung nach eines der wenigen sein, die langfristig zum Club der Überlebenden bei den Telekomausrüstern gehören“, sagt der Analyst. Falls allerdings die Fusion entgegen der Erwartungen doch noch gekippt werden sollte, könnte Lucent allerdings unter starken Druck geraten, warnen die Experten.

Eine weitere Ungewissheit stellt der Patentstreit von Lucent mit Microsoft dar. Es geht um ein Lizenzverfahren, das Komponenten in der Microsoft-Spielekonsole Xbox 360 betrifft. Der Streit soll noch in diesem Jahr vor Gericht verhandelt werden.

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