Übernahme
Helikos will Schweizer Exceet Group schlucken

Der Börsenmantel Helikos steht kurz vor der Übernahme der Schweizer Firmengruppe Exceet. Das letzte Wort haben die Helikos-Aktionäre: Anfang Juli stimmen sie über die Übernahme ab.
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Der Börsenmantel Helikos ist auf der Suche nach einem Übernahmekandidaten fündig geworden. Das Anfang 2010 als SPAC (“Special Purpose Acquisition Vehicle“) an die Börse gegangene Unternehmen will die Schweizer Firmengruppe Exceet kaufen, teilte Helikos am Dienstag mit. Mit dem Management und dem Mehrheitsaktionär Ventizz Capital sei bereits die Übernahme aller Exceet-Aktien vereinbart worden.

Exceet besteht aus mehreren Firmen, die Technologie für verschiedene Bereiche herstellen - von Bezahlkarten für Fußballstadien bis zu medizinischen Produkten wie Ultraschallgeräten. Für die Übernahme der Firmengruppe mit Sitz in St. Gallen zahlt Helikos aus den beim Börsengang eingesammelten Geldern 110,5 Millionen Euro in bar. Dazu kommen 3,1 Millionen neu zu begebende Helikos-Aktien, zudem erhalten die Exceet-Eigentümer später bis zu neun Millionen weitere neue Helikos-Aktien in drei Tranchen. Diese Titel werden erst in Publikumsaktien umgewandelt, wenn der Börsenkurs von Helikos über 12, 13 und 15 Euro steigt. Am Dienstag notierte die im deutschen Prime Standard gelistete Aktie bei 10,14 Euro und lag damit gut vier Prozent im Plus.

In die Kassen von Exceet fließen rund 60 Millionen Euro über eine Kapitalerhöhung, zudem schießt Helikos rund elf Millionen für die Ablösung von Aktionärsdarlehen zu. Mit dem Geld will die Unternehmensgruppe ihre Forschung und Entwicklung ausbauen und auch selbst auf Einkaufstour gehen. 2010 verbuchte Exceet einen Umsatz von umgerechnet rund 120 Millionen Euro, über die Hälfte davon im Bereich Medizintechnik. Das operative Ergebnis (EBITDA) betrug 17,7 Millionen.

Helikos-Investoren haben das Wort

Helikos dagegen verfügt als SPAC kein eigenes operatives Geschäft. Das Management um den ehemaligen Deutsche-Bank-Manager Roland Lienau hatte die Aufgabe, mit den beim Börsengang eingesammelten 200 Millionen Euro ein anderes Unternehmen zu übernehmen, das dann in den Börsenmantel von Helikos schlüpft. In Deutschland sind derartige Konstruktionen selten. In den USA dagegen hatten SPACs einen regelrechten Boom erlebt, bis Investoren auch hier wegen der Finanzkrise zurückhaltender wurden. Seit Jahresanfang tauchte aber eine Handvoll dieser auch „Blankoscheck“ genannten Unternehmen an den US-Börsen auf.

Ganz am Ziel ist Helikos noch nicht: Am 1. Juli sollen die rund 70 Helikos-Aktionäre - darunter Deka, DWS und die Investmentgesellschaft Wendel - über die Transaktion abstimmen. Sind die Investoren nicht mit den Plänen des Helikos-Managements zufrieden, können sie den Deal noch platzen lassen. Sollte aber alles klappen, könnte schon Mitte Juli statt Helikos der Name Exceet auf den Kurszetteln auftauchen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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