Übernahme unwahrscheinlich
Anleger kassieren Gewinne bei SGL Carbon

Die Aktie des Kohlefaser-Spezialisten SGL Carbon ist in den vergangenen Wochen so stark gestiegen wie kaum eine andere auf dem deutschen Markt. Doch jetzt ist die Luft raus. Analysten halten die Papiere für überteuert.
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FrankfurtKaum eine Aktie hat die Börsianer in den vergangenen Wochen so sehr beschäftigt wie SGL Carbon. Gerüchte machten die Runde, der Kohlefaser-Spezialist könnte von einem großen Autokonzern übernommen werden. BMW und VW galten als heiße Kandidaten. Seit Anfang März legte der Kurs knapp 60 Prozent zu, mehr als zehn Mal so viel wie der MDax. Heute ist es mit der rasanten Rally erst einmal vorbei. Die Aktie von gibt kräftig nach und verliert fünf Prozent auf 37,42 Euro.

SGL gehört zu den Markführern von Produkten aus Carbon, darunter Grafitelektroden und Fahrzeug-Komponenten aus Kohlefaser. Carbon ist ultraleicht, gleichzeitig aber enorm hart. Wegen der teuren Herstellung kam es bislang nur begrenzt zum Einsatz, vor allem in der Luft- und Raumfahrtindustrie. Doch inzwischen haben auch die großen Autokonzerne die Verbundfaser entdeckt.

Ende Februar hatte sich VW einen Anteil von gut acht Prozent an SGL Carbon gesichert – nicht gerade zur Freude der größten Aktionärin. Rund 22 Prozent des Unternehmens gehören der Milliardärin Susanne Klatten, die gleichzeitig Großaktionärin bei BMW ist. BMW und SGL Carbon kooperieren bereits seit 2009.

Doch ein Bieterwettkampf zwischen beiden Autoherstellern, auf den die Anleger spekuliert hatten, ist bislang ausgeblieben. Jürgen Siebrecht, Analyst von HSBC Trinkaus, glaubt nicht daran, dass zu einer Übernahme kommen wird. Die Beteiligungen der BMW-Großaktionärin und von Volkswagen dienten lediglich dazu, die Versorgung mit Kohlefaser-Teilen sicherzustellen, schrieb Siebrecht in einer heute veröffentlichten Studie. Der Analyst stufte die Papiere auf „Underweight“ von „Neutral“ herunter, hob das Kursziel aber auf 32 von 29 Euro an.

Die meisten Analysten halten die Aktie auf dem aktuellen Niveau für überteuert. Schließlich weist die Aktie nach der Rally der vergangenen Woche ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 30 auf; das Unternehmen ist also an der Börse mit dem 30-fachen des Gewinns bewertet. Im Durchschnitt liegt das KGV im MDax bei 22. Von 17 Experten, die in den vergangenen vier Wochen ein Urteil abgegeben haben, riet nur einer zum Kauf.  

Jörg Hackhausen
Jörg Hackhausen
Handelsblatt Online / Reporter

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