Übernahme von britischer Abbey National lässt die Anleger kalt
Zinswende bremst Kurse der Bankaktien

Eine milliardenschwere Übernahme ist normalerweise der Stoff, der an der Börse für steigende Kurse sorgt. Nicht so bei den europäischen Bankaktien: Die Übernahme der britischen Abbey National durch die spanische Santander Central Hispano (SCH) Anfang der Woche ließ die Anleger im Großen und Ganzen kalt.

HB FRANKFURT/M. Die Meinungen, ob andere Großbanken dadurch ebenfalls über Zukäufe nachdenken müssen, sind geteilt. Während etwa Merrill Lynch einen „Domino-Effekt“ erwartet, hält Olaf Kayser von der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP) die Abbey-Übernahme für einen „Einzelfall“ ohne größere Auswirkungen auf den Rest der Branche.

Die verhaltene Börsenreaktion auf die Übernahmepläne spiegelt aber die Tatsache wider, dass Bankaktien generell derzeit nicht allzu hoch im Kurs stehen. So stufte etwa Sal. Oppenheim die Branche kürzlich auf „neutral“ zurück. Nach Meinung der Analysten werden die Gewinne zwar weiter steigen, aber nicht mehr so schnell wie in der Vergangenheit. Im zweiten Quartal werde der operative Gewinn gegenüber dem Vorjahr um 13 und im zweiten Halbjahr um 17 Prozent wachsen. Im ersten Quartal habe das Plus aber noch 39 Prozent betragen, heißt es in der Studie „Banking Blues?“

Auch LRP-Analyst Kayser geht von einer Abschwächung des Gewinnwachstums aus: „Die Bäume wachsen nicht in den Himmel.“ Die ersten Zahlen der gerade angelaufenen Quartalssaison sind durchwachsen. Während die spanische BBVA und britische HBOS besser abschnitten als erwartet, fiel bei der schwedischen SEB der Gewinn im zweiten Quartal etwas niedriger aus als im ersten.

Für eine schwächere Gewinndynamik spricht das Auslaufen der konzerninternen Umbauten, die in den letzten Jahren die Gewinne und Aktienkurse vieler Banken kräftig nach oben gehievt haben. Jetzt sind die Sparprogramme weitgehend durch. Weitere Ertragssteigerungen müssen von der Einnahmenseite kommen. Hier dürfte sich aber die Zinswende als hinderlich erweisen. Die amerikanische Notenbank hat die Zinsen bereits angehoben, die Europäische Zentralbank wird früher oder später folgen. Steigende Zinsen sind normalerweise Gift für die Banken. Nach Beobachtungen von Morgan Stanley, die Bankwerte mit „neutral“ einstuft, haben Bankaktien in den vergangenen 15 Jahren bei steigenden Zinsen stets schlechter abgeschnitten als der Gesamtmarkt.

Als größte Verlierer des Zinsanstiegs gelten die großen Investmentbanken, vor allem wegen möglicher Einbußen im Anleihengeschäft. Zumindest die US-Institute konnten zuletzt das rückläufige Bondgeschäft nicht durch steigende Einnahmen bei Aktien ausgleichen. Nach Meinung von Metehan Sen, Analyst bei Sal. Oppenheim, wird dies auch der Deutschen Bank nicht gelingen, die sehr stark vom Anleihengeschäft abhängt. Folgerichtig stufte er die Deutsche-Bank-Aktien kürzlich auf „neutral“ zurück. Auch Morgan Stanley sieht Ertragsrisiken für Deutsche Bank, Credit Suisse, ABN Amro und Barclays. Auffallend vielen Analysten gefällt UBS unter den europäischen Instituten noch am besten. Der Grund: das sehr starke Private Banking.

Zumindest auf dem Papier sollten Banken mit starkem Massengeschäft (Retail Banking) mit steigenden Zinsen besser fertig werden. Schließlich geben sie Zinserhöhungen durch die Notenbank in aller Regel nicht vollständig an ihre Kunden weiter und können von höheren Zinsen sogar profitieren. Nach Meinung von Morgan Stanley gilt dies etwa für Banken in Spanien, Italien und Skandinavien. Besonders erwärmen sich die Analysten für BBVA und Sabdell in Spanien, Unicreditound Intesa in Italien sowie DnB Nor in Norwegen.

Allerdings hat die einfache Zinsrechnung einen Haken. Da sich die EZB mit der Zinserhöhung noch etwas Zeit lassen dürfte, wird der Margeneffekt wohl erst 2005 spürbar werden. Außerdem weist Analyst Sen darauf hin, dass etwa die spanischen Banken große Immobilienfinanzierer sind. Doch gerade der Immobilienmarkt könnte sich bei einem Zinsanstieg abkühlen. Chancen sieht Sal. Oppenheim vor allem bei Retailbanken, die ein starkes Standbein im Wachstumsmarkt Osteuropa haben. Dazu zählen Unicredito, die österreichische Erste Bank und – trotz kräftiger Kursgewinne in jüngster Zeit – die belgische KBC.

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