Übernahme von ID Biomedical gilt als zu teuer
Experten beurteilen Glaxo skeptisch

Der symbolische Spatenstich machte Jean-Pierre Garnier, Vorstandschef des britischen Pharmakonzerns Glaxo Smithkline, sichtlich Spaß. Mitte August leitete er damit den Bau eines neuen, 100 Mill. Euro teuren Impfstoffwerks am Standort Dresden ein.

DÜSSELDORF. Zugleich verkündete Garnier mit großem Optimismus: „Wir erwarten, dass sich die Nachfrage nach Grippe-Impfstoffen sehr dynamisch entwickeln wird. Wir tragen dem Rechnung, indem wir massiv investieren.“ Wie sehr Europas größter Medikamentenhersteller derzeit auf den Markt für Impfstoffe setzt, bewies er in der vergangenen Woche erneut: Glaxo kündigte die Übernahme des kanadischen Impfstoffherstellers ID Biomedical für einen Kaufpreis von 1,2 Mrd. Euro an.

Die Börse nimmt die Neuigkeiten allerdings zurückhaltend auf. Zwar lässt die Glaxo-Aktie einen leichten Aufwärtstrend in der Bandbreite von 19 bis 21 Euro erkennen. Von ihrem Höchststand bei 35 Euro im Jahr 2001 ist sie jedoch nach wie vor weit entfernt.

Auch die Analysten trauen dem Pharma-Titel derzeit nicht viel zu. Isabella Zinck, Analystin der Hypo-Vereinsbank, geht davon aus, dass die Aktie nicht besser als der Gesamtmarkt abschneiden wird. Das Kursziel sieht sie bei umgerechnet rund 20 Euro.

Matthias Engelmayer, Analyst von Independent Research, zweifelt, ob sich die Übernahme von ID Biomedical für Glaxo lohnt. „Strategisch macht der Zukauf Sinn, aber ID wurde zu teuer eingekauft“, sagt Engelmayer. Dass Glaxo jetzt strategische Preise zahlen müsse, zeige, wie das Unternehmen wichtige Entwicklungen verschlafen habe. So sei Glaxo im Verhältnis zu seiner Marktstellung im Bereich der Impfstoffe unterrepräsentiert. Zwar verbessere der Pharmakonzern mit der Übernahme von ID den Zugang zum wichtigen US-Markt, letztlich bleibe aber der mit rund 15 Prozent wachsende Markt für Grippeimpfstoffe hart umkämpft. Der Analyst von Independent Research rät zum „Reduzieren“ der Aktien.

Nach eigenen Angaben ist Glaxo Smithkline derzeit nach Sanofi-Aventis und Chiron weltweit der drittgrößte Anbieter von Grippe-Impfstoffen. Glaxo erwartet, dass sich der Bedarf an Stoffen zur Vorbeugung gegen Grippeerkrankungen in den nächsten zehn Jahren auf ein Volumen von 700 Mill. Dollar verdoppeln wird. Aber auch von neuen Einsatzfeldern, zum Beispiel den Krebs-Impfstoffen, verspricht sich die Branche hohe Zuwächse.

Seite 1:

Experten beurteilen Glaxo skeptisch

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%