Übernahmegeplänkel
VW-Aktien rauschen in den Keller

Am Wochenende schien VW bei Porsche am Ziel. Doch schnell machten Spekulationen über eine erneute Verzögerung im Übernahmekampf der Autobauer die Runde. An der Börse sorgt das für Enttäuschung, VW-Stammaktien stürzen um bis zu zwölf Prozent ab. Auch die Vorzüge des Konzerns verlieren. Anders als bei den Stämmen sind Analysten hier aber optimistisch.

DÜSSELDORF. Sind die Tage von Porsche-Chef Wendelin Wiedeking gezählt? Hat VW den Machtkampf um Porsche entschieden? Und was kann der Betriebsrat des Sportwagenbauers noch ausrichten, der "Widerstand bis zum Äußersten" angekündigt hat? Die Nachrichtenlage im Machtkampf zwischen den beiden familiär verwobenen Autokonzernen Volkswagen und Porsche bleibt undurchsichtig. Klar schien am Wochenende nur, dass eine Machtübernahme der Wolfsburger bevorsteht. Doch zu Wochenbeginn machen schon wieder neue Gerüchte die Runde, dass sich die Übernahme hinziehen könnte oder sogar ganz scheitern könnte.

Zieht man die Kursreaktion der VW-Aktie als Indikator für den Stand der Dinge heran, so scheint die Skepsis zu überwiegen. Während der Dax sich zu Wochenbeginn in bester Verfassung zeigt und wieder über 5 000 Punkten notiert, gehen VW-Aktien auf Talfahrt. In der Spitze gaben die Stammaktien von Volkswagen zwölf Prozent ab, das war der höchste Tagesverlust seit November 2008. Auch die Vorzugsaktien, die angesichts des deutlich größeren Streubesitzes von Experten inzwischen als der deutlich bessere Maßstab angesehen werden, rutschen um drei Prozent ab. Porsche-Titel geben ebenfalls fünf Prozent nach.

Hintergrund der Abwärtsbewegung sind Befürchtungen, dass es auf den Aufsichtsratssitzungen am Donnerstag noch keine Entscheidung geben könnte. Die Nachrichtenagentur dpa hatte berichtet, dass es womöglich erst Ende Juli Klarheit geben werde. Hinzu kommen Berichte, dass die Übernahme für VW womöglich deutlich teurer werden könnte, weil Steuerzahlungen in Milliardenhöhe drohten. Bisher war als Kaufpreis ein Betrag von rund acht Mrd. Euro kolportiert worden. Auch die Spekulationen der "Bild"-Zeitung, der zufolge Porsche inzwischen auf Schulden in Höhe von 14 Mrd. Euro sitzt, belasten die Aktien.

"Für die Anleger ist es vor allem enttäuschend, dass wieder einmal eine Verzögerung droht", sagt Frank Schwope, Analyst der NordLB. "Es zeigt sich einmal mehr, wie schwer es ist, zwischen den vielen verschiedenen Parteien Einigkeit herzustellen." Schwope rechnet damit, dass am Ende eine Lösung stehen wird, die die Strategien von Porsche und VW vereint: "Porsche wird vermutlich unter das Dach von VW schlüpfen, allerdings wird auch Katar als Investor mit ins Boot geholt werden", sagt der Analyst. Von der Logik des Deals ist er überzeugt: "Es wird am Ende eine Menge Geld fließen, aber VW hat ausreichend Liquidität. Und mit Porsche als zehnter Marke bekommt Volkswagen einen echten Wertträger in den Konzern."

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