Übernahmegerüchte um viertgrößte Bank treiben die Kurse
Börse Johannesburg steigt und steigt

Südafrikas Börse ist im Rausch. Ein Arsenal positiver Unternehmensresultate, die hohen Rohstoffpreise und die Kunde, dass sich die britische Barclays Bank in Übernahmegesprächen mit der lokalen Bankengruppe Absa befindet, haben den Gesamtindex der Johannesburger Börse (JSE) zu Wochenbeginn auf das neue Allzeithoch von 11 928 Punkten katapultiert, geschlossen hat er bei 11 795 Punkten.

HB KAPSTADT. Am Dienstag legte der Index erneut zu und übertrumpfte gar den höchsten jemals erreichten Schlusskurs von 11 858 Punkten.

Bereits in der Vorwoche hatte die JSE immer wieder neue Gipfelmarken erklommen – und wenig deutet angesichts der günstigen Wirtschaftsdaten gegenwärtig auf einen markanten Rückschlag hin. Symptomatisch für die Festtagslaune ist auch, dass der Business Confidence Index gerade erst auf den höchsten Stand der vergangenen 16 Jahren schnellte. Gleichzeitig wuchs die Wirtschaft der Kaprepublik im zweiten Quartal um fast vier Prozent – soviel wie seit zwei Jahren nicht mehr. Mit Erleichterung konstatierten dabei viele Anleger, dass auch der gebeutelte Goldindex nach mageren Wochen wieder einmal zu den Gewinnern zählte. Daran konnte auch der starke Rand nichts ändern, der den Gewinnen der Goldkonzerne in den vergangenen drei Jahren mächtig zugesetzt hat. Gleichwohl liegen die Goldwerte, genau wie die Titel im Platin- und Technologiesektor, als einzige noch hinter dem Stand zu Jahresbeginn.

Verluste verzeichneten hingegen die Platinwerte. Sie litten unter der Sorge der Anleger, die gegenwärtigen Streiks auf den Minen der weltweit größten Förderer Angloplat und Implats könnten zu Produktionsrückschlägen und damit auch neuen Engpässen am Markt führen. Angloplat und Implats sind gemeinsam für über die Hälfte der weltweiten Platinproduktion verantwortlich. Während Angloplat seine Produktion dieses Jahr auf 2,45 Mill. Unzen schrauben will, plant Implats eine Steigerung auf 1,1 Mill. Unzen. Insgesamt wurden vergangenes Jahr weltweit 6,24 Mill. Unzen des weißen Edelmetalls gefördert.

Für reichlich Gesprächsstoff sorgt am Kap zudem noch immer die geplante Übernahme der Absa Bank durch die britische Barclays. Allerdings befinden sich die Gespräche noch in einem frühen Stadium. Zudem bedarf eine Übernahme der Genehmigung der Zentralbank in Pretoria, die in der Vergangenheit wissen ließ, die vier großen südafrikanischen Banken lieber in einheimischer Hand zu sehen. Allerdings hat Präsident Thabo Mbeki am Wochenende die geplante Großinvestition der Briten am Kap ausdrücklich als einen Vertrauensbeweis in die südafrikanische Wirtschaft gepriesen und Zentralbankchef Tito Mboweni damit indirekt zur Billigung der Übernahme gedrängt. Nach britischen Zeitungsberichten will Barclays mindestens 60 % der Aktien an der viertgrößten Bank Südafrikas erwerben. Absas Börsenwert wird zurzeit auf rund 40 Mrd. Rand (etwa fünf Mrd. Euro) beziffert.

Die südafrikanische Währung konnte nach dem Bekanntwerden der Gespräche zwischen Absa und Barclays in Erwartung eines starken ausländischen Devisenzustroms abermals zulegen. Für einen Dollar wurden zuletzt 6,45 Rand gezahlt, für einen Euro waren es 7,90 Rand. Der Rand, der in den letzten beiden Jahr die mit Abstand stärksten Zugewinne aller Währungen gegenüber dem Dollar erzielen konnte, hatte Anfang August als Reaktion auf eine überraschende Senkung der Leitzinsen um 0,5 % fast 10 % an Wert eingebüßt. Inzwischen hat er einen Gutteil dieser Verluste indes wieder kompensiert.

Angesichts der niedrigen Zinsen am Kap sehen Experten wie Ernie Grün, Forschungsanalyst bei Imara SP Reid, gute Aussichten für weitere Zugewinne der Börse, auch wenn eine Atempause wahrscheinlich ist. Begründet wird dies von Grün zudem mit einer möglichen neuen Senkung der Leitzinsen nächste Woche, mit den weltweit hohen Rohstoffpreisen sowie der anhaltend starken Verbrauchernachfrage, die den Supermarktketten und Warenhäusern am Kap Rekordumsätze beschert. Daneben ist die Inflationsrate im August mit 3,7 % auf ihren tiefsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen gefallen.

Ein Wermutstropfen fällt jedoch in den Becher der Euphorie: Um langfristig zu wachsen, braucht Südafrika weit mehr Investitionen aus dem Ausland als die knapp 1 Mrd. Dollar, die das Land 2003 erhielt. Doch diese Gelder lassen noch immer auf sich warten.

Wolfgang Drechsler
Wolfgang Drechsler
Handelsblatt / Korrespondent
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