Übernahmekampf
VW-Aktie hängt Porsche ab

Volkswagen könnte als großer Gewinner aus der Krise hervorgehen. Ganz anders geht es Porsche: Die Übernahmeschlacht belastet den Sportwagenbauer. Was hat das für Auswirkungen für die Aktien der beiden Autobauer?

DÜSSELDORF. Als Ferdinand Piëch sich jüngst zum Stand bei der Übernahme durch Porsche äußerte, hatte der ehemalige Chef und heutige Aufsichtsratvorsitzende des Volkswagen-Konzerns in seiner wichtigsten Schlacht längst einen ersten Sieg davongetragen. Aus dem Gejagten, so sieht es aus, wird nun der Jäger. Und mag auch die allgemeine Situation in der Automobilbranche derzeit schwierig sein - viel besser könnte es für Volkswagen kaum laufen.

Während der Weltmarkt nach Schätzungen von Experten im laufenden Jahr 20 bis 30 Prozent einbrechen soll, rechnen sie bei VW nur mit einem Minus von etwas mehr als zehn Prozent. Relativ gewinnt VW also Marktanteile hinzu. Anders als viele Mitbewerber schreibt VW schwarze Zahlen und ist mit elf Mrd. Euro an liquiden Mitteln weit davon entfernt, finanzielle Probleme zu haben. "Im Moment steht der Konzern als Gewinner da, der aus der Krise gestärkt hervorgehen wird", ist Frank Schwope, Analyst bei der NordLB, überzeugt. "Außerdem profitiert der Konzern von den staatlichen Fördermaßnahmen, die nicht nur in Deutschland, sondern rund um den Globus aufgelegt werden", ergänzt Michael Punzet, Analyst bei der DZ Bank.

Viele Analysten gehen davon aus, dass die schwächelnde Automobilkonjunktur im ersten Quartal 2009 ihren zyklischen Tiefpunkt erreicht hat. Volumenhersteller wie VW haben nun gegenüber Premiumproduzenten die besseren Karten. "Jetzt zahlt es sich aus, dass VW den US-Markt bislang vernachlässigt hat", sagt Robert Heberger, Analyst beim Bankhaus Merck Finck & Co. "In den wichtigen europäischen Märkten und China gehört der Konzern dagegen zur Spitze. Setzt die Branchenkonjunktur zu einer Erholung an, werden davon vor allem die Wolfsburger profitieren".

Einig sind sich die Experten dennoch, dass Anleger von den VW-Stammaktien derzeit lieber die Finger lassen sollten. "Die Stämme notieren derzeit auf fundamental vollkommen ungerechtfertigtem Niveau", sagt Analyst Heberger. Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) hat 73 Euro als fairen Wert für das Papier errechnet. "Egal, welche Ertragskennziffer man heranzieht - die Aktie ist in jeder Hinsicht teurer als andere Branchenvertreter", so LBBW-Analyst Frank Biller. Diese Differenz hat sich gestern eher noch vergrößert, nachdem die VW-Aktien mit einem Plus von zehn Prozent auf 253,20 Euro zum Top-Performer im Dax avancierten. An der Börse machten einmal mehr Gerüchte die Runde, dass ein Investor aus dem Nahen Osten für VW-Hauptaktionär Porsche gefunden sei. Befürchtungen, der Sportwagenhersteller könne aus Geldnot seine VW-Pakete auf den Markt werfen, wurde damit zunächst der Boden entzogen.

Dafür, dass der VW-Kurs spekulativ überzogen ist, spricht auch der Abstand zu den Vorzugsaktien. Daniel Schwarz von der Commerzbank rät daher Anlegern, die auf eine zyklische Erholung des Automarktes setzen, aus der Not eine Tugend zu machen und bei den VW-Vorzügen einzusteigen: "Damit bekommen sie Zugang zum operativen Geschäft von Volkswagen - ohne die Risiken schultern zu müssen, die in der Übernahme der Porsche Automobil Holding liegen."

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