Übernahmespekulationen um Generikahersteller
Analysten hoffen weiter auf Stada

Noch bis vor zwei Monaten sah es so aus, als wenn das Jahr 2005 die Aktionäre von Stada für das schwache Vorjahr mehr als entschädigen würde. Nach einem Minus von 20 Prozent 2004 legte der Kurs von Januar bis Anfang Oktober um satte 53 Prozent zu.

HB MÜNCHEN. In den vergangenen Wochen hat sich das Bild allerdings gedreht. Mit knapp 27 Euro notierte die Aktie des hessischen Generikaherstellers gestern rund 13 Prozent unter ihrem Jahreshoch.

Für Analysten ist der Rückschlag aber kein Grund zur Sorge. Sie verweisen auf das große Wachstumspotenzial des Generikamarktes und die gute Stellung von Stada in Deutschland, dem wichtigsten Markt für Nachahmerprodukte. Nach Prognosen von IMS Health dürfte der weltweite Generikamarkt bis 2009 jährlich um zehn bis 15 Prozent wachsen. Grund für den Optimismus sind die Fülle auslaufender Medikamentenpatente sowie der Kostendruck im Gesundheitswesen. Zusätzliche Kursphantasie birgt die anhaltende Konsolidierung in der Generikabranche. Im laufenden Jahr sorgten bereits die Schweizer Novartis und die israelische Teva mit großen Zukäufen für Schlagzeilen.

Nach Einschätzung von Carsten Kunold, Analyst bei Merck Finck & Co, ist die Konsolidierung in der Branche damit keineswegs zu Ende, sie hat eher erst begonnen. Und Stada zählt seiner Meinung nach zu den interessantesten Übernahmekandidaten. Die gute Position als Nummer drei in Deutschland und der 100-prozentige Streubesitz der Aktie würden früher oder später zu einer Übernahme führen, sagt Kunold.

Auch Thomas Brenning, Analyst bei Helaba-Trust, sieht Stada als Übernahmekandidaten. Kurzfristig sei die Phantasie allerdings verflogen, da es zurzeit an möglichen Käufern mangele. Teva sei noch mit der Übernahme von Ivax beschäftigt und interessiere sich für Betapharm, die deutsche Nummer vier. Sanofi plane keine großen Zukäufe im Generikabereich und auch die deutsche Merck sei als Interessent eher unwahrscheinlich. Indische Hersteller wiederum kämen als Käufer durchaus in Frage, ihnen fehlten allerdings meist die nötigen Mittel.

Abseits der Übernahmediskussionen überzeugte Stada mit seinen Neun-Monats-Zahlen zuletzt nicht. Das operative Ergebnis stieg zwar um 57 Prozent auf 88,8 Mill. Euro, der Überschuss zog aber aufgrund von Sonderabschreibungen nur um zwei Prozent an. Vorstand Hartmut Retzlaff senkte daraufhin die Gewinnprognose für das Gesamtjahr von ursprünglich 60 Mill. Euro auf etwa 50 (Vorjahr: 48,5)Mill. Euro. Bereits 2004 hatte das erfolgsverwöhnte Unternehmen seine Prognosen revidieren müssen, weil die in Deutschland verordneten Zwangsrabatte auf das Ergebnis drückten. Die Folge war ein deutlicher Kursrückgang.

Für die gute Entwicklung der Stada-Aktie über weite Teile des laufenden Jahres sind in erster Linie Zukäufe in Russland und Portugal verantwortlich. Zudem besann sich das Unternehmen auf Sparmaßnahmen. Die Gefahr regulatorischer Eingriffe bleibt allerdings bestehen. Die Gefahr, dass diese den Preisdruck erhöhen ist also vorhanden, vor allem in Europa, dem Hauptabsatzgebiet. Frances Cloud von Nomura International befürchtet, dass der Preisdruck in der Branche zunehmen wird. Stada müsse hart arbeiten, um die Kosten zu senken.

Für Andreas Schmidt, Analyst bei Merrill Lynch treiben die Gesundheitsreformen das Wachstum hingegen eher an, als dass sie es bedrohen. Er empfiehlt Stada ebenso zum Kauf wie Thomas Brenning. Das Kursziel sehen die Analysten in einer Spanne zwischen 34 bis 35 Euro.

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