Überzeugende Zahlen
Analysten erwarten weiteren Anstieg der Intel-Aktie

Mit der Computerbranche geht es wieder aufwärts - das jedenfalls verheißt die jüngste Quartalsbilanz von Intel. Mitte der Woche legte der weltgrößte Hersteller von Mikroprozessoren solide Zahlen vor und übetraf damit die Erwartungen der Analysten. Und auch die Aussichten für die kommenden Quartale liegen über den Schätzungen. Experten sprechen von einer Signalwirkung für die gesamte Branche.

STUTTGART. Zwar musste Intel pro forma zum ersten Mal seit 1986 einen Quartalsverlust melden. Doch das lag daran, dass die EU den Kaliforniern in einem Kartellverfahren ein Bußgeld von knapp 1,5 Mrd. Dollar aufdrückte. Der Fall ist derzeit in Revision. Rechnet man diese Sonderausgabe aus der Bilanz heraus, bleibt unter dem Strich ein Gewinn von einer Mrd. Dollar oder 18 Cent pro Aktie - mehr als doppelt so viel wie durchschnittlich von Analysten erwartet. Auch beim Umsatz schnitt Intel besser ab, als von Experten zunächst befürchtet.

Patrick Wang von Wedbush Morgan nannte die Zahlen einen guten Start in die Technologie-Bilanzsaison. Der Markt belohnte die Zahlen mit kräftigen Kursgewinnen; seit dem Jahrestief vom Februar hat die Aktie des Konzerns mehr als 50 Prozent zugelegt. Experten rechnen damit, dass es noch weiter nach oben geht. 25 von 44 Banken empfehlen, Intel-Aktien zu kaufen; 15 sagen "halten".

"Diese Zahlen zeigen, dass Intel das Schlimmste jetzt wirklich hinter sich hat", sagt Doug Freedman, Analyst bei der Investmentbank Broadpoint AmTech. Intel macht einen großen Teil seiner Umsätze indirekt durch Privatkunden, weil die Prozessoren in Heimcomputern und Laptops verbaut werden. Und dieses Geschäft sei "viel besser dran, als wir erwartet haben", sagt Freedman.

Das gute Ergebnis bei Intel hebt die Stimmung auch anderswo in der Branche. Schließlich laufen drei Viertel aller Computer weltweit mit Intel-Prozessoren - wenn die Aussichten hier besser werden, dürften andere Firmen auch bald nachziehen, so die Hoffnung. Obwohl der PC-Hersteller Dell noch vor wenigen Tagen vor einer verfrühten Euphorie warnte, zeigt Intels Bilanz: Die Computerfirmen haben zuletzt mehr Chips gekauft als erwartet.

Ein wichtiger Grund: Wegen der schwachen Absatzzahlen haben die großen Firmen erst einmal in großem Umfang ihre Lagerbestände leergeräumt, bevor sie neue Computerchips bestellten. Jetzt müssen die Vorräte dringend aufgefüllt werden. Auch wenn es noch einige Monate dauern dürfte, bis die anziehende Nachfrage auch bei den Computerherstellern ankommt, ist die Branche doch in deutlich besserer Verfassung als noch vor einigen Monaten, sagen Experten. "Intels Zahlen werden die Branche inspirieren und ihr ein wenig Vertrauen zurückgeben", sagt Leslie Fiering vom Marktforschungsunternehmen Gartner. "Es ist eine definitive Verbesserung, auch wenn damit noch nicht alle Unsicherheiten ausgeräumt sind."

Traditionell gelten Intels Bilanzen als Spiegelbild für den Gesundheitszustand des PC-Markts und der Technologiebranche allgemein. Steve Neimeth, Portfolio-Manager bei Sun America Mutual, erwartet deshalb weitreichende positive Auswirkungen: "Diese Bilanz verheißt Gutes für den Sektor, den viele sowieso derzeit für unterbewertet halten - und es verheißt Gutes für andere große Technologiefirmen wie IBM, Microsoft und Cisco, die für eine ähnliche Zielgruppe produzieren wie Intel."

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