Umstrukturierung der Ölindustrie
Kolumbiens Ecopetrol soll an die Börse

Kolumbiens staatlicher Ölkonzern Ecopetrol wird radikal umgebaut. Die Regierung wird spätestens im September 20 Prozent der Kapitalanteile des viertgrößten Ölunternehmens Südamerikas mit einem Nettoumsatz von 3,25 Mrd. Dollar 2005 an die kolumbianische Börse bringen. Der Börsengang ist der letzte Akt der Umstrukturierung der Ölindustrie.

BUENOS AIRES. Zunächst dürfen nur heimische Pensionsfonds, Angestellte oder Ex-Angestellte von Ecopetrol sowie Kolumbianer die Anteile am staatlichen Ölkonzern Ecopetrol erwerben. Erst an der dritten Emissionstranche, die für 2008 geplant ist, dürfen auch Ausländer teilnehmen. Auf dem Sekundärmarkt gibt es jedoch von Anfang an keine Beschränkungen.

Der Börsengang ist der letzte Akt einer Umstrukturierung, für die Brasiliens Ölindustrie und der halbstaatliche Ölkonzern Petrobras Pate stehen. Sie begann im Juni 2003 mit der Umwandlung von Ecopetrol in eine zunächst noch rein staatliche Aktiengesellschaft. Ecopetrol oblag dabei die Verwaltung der kolumbianischen Ölvorkommen und der Lizenzen. Für Lizenzen ist jetzt die neu geschaffene „Nationale Agentur für Kohlenwasserstoffe“ (ANH) zuständig. Ecopetrol muss mit den privaten Konkurrenten um die Lizenzen wetteifern.

Im Zuge der Umstrukturierung hat Kolumbien auch die Abgaben gesenkt und schnellere Abschreibungen erlaubt. Zahlten die Unternehmen zuvor einen festen Prozentsatz als Royalty, sind es heute je nach Produktion und Größe des Ölfelds zwischen acht und 25 Prozent. Hinzu kommt eine 30prozentige Gewinnsteuer, so dass die Staatsquote an der Ölproduktion heute etwa bei 50 Prozent liegt – im Vergleich zu früher 70 Prozent. „Kolumbien ist jetzt eines der Länder mit den günstigsten Investitionsbedingungen der Region“, sagt Alejandro Martínez, Präsident des Verbands der kolumbianischen Ölindustrie. Das macht sich schon bemerkbar. „Vor fünf Jahren haben wir pro Jahr elf Löcher angebohrt, dieses Jahr werden es 56 Löcher sein", sagt Martínez. Die Investitionen im Sektor haben sich in fünf Jahren auf 1,5 Mrd. Dollar verdreifacht.

Von dem Verkauf von 20 Prozent von Ecopetrol verspricht sich die kolumbianische Regierung frisches Kapital, das dem Unternehmen Investitionen in Exploration, Produktion und die Entwicklung neuer Energiequellen wie Biotreibstoffen erlaubt. Der gerade angetretene Ecopetrol-Präsident Javier Gutiérrez Pemberthy, der auch schon die kolumbianische Elektrizitätsgesellschaft ISA erfolgreich an die kolumbianische Börse und die Nasdaq geführt hat, rechnet durch den Börsengang mit Einnahmen zwischen drei und vier Mrd. Dollar. Auch wird er dem Unternehmen erlauben, sich am privaten Markt zu verschulden.

Gleichzeitig zwingen der Börsengang das Unternehmen zu mehr Transparenz. Der neue Konkurrenzdruck bei der Lizenzvergabe und der Druck der Anleger wird auch für eine effizientere Unternehmensführung sorgen. „Wir müssen uns nur anschauen, welche Entwicklung die brasilianische Petrobras in den letzten sieben bis neun Jahren gemacht hat“, sagt Ecopetrol-Präsident Gutierrez Pemberthy. „Petrobras hat nach dem Börsengang eine 180-Grad-Wende gemacht.“

Kolumbien geht in eine andere Richtung als die übrigen großen Öl- und Gas-Produzenten in Südamerika wie Venezuela, Argentinien, Bolivien und Ecuador, die in die staatliche Kontrolle über den Sektor verstärkt und die Steuern und Abgaben für die privaten Akteure kräftig erhöht haben. Der Grund ist, dass in Kolumbien in den 90er Jahren so wenig in Exploration neuer Reserven investiert worden ist, so das sich das Land mittelfristig von einem Energieexporteur in einen Importeur von Öl und Gas zu verwandeln drohte. „Länder wie Venezuela sind in einer sehr privilegierten Situation im Hinblick auf große verfügbare Ölreserven”, sagt der Ecopetrol-Präsident.In Brasilien und Kolumbien dagegen müssten die Bedingungen für die Suche verbessert werden.

Ob Kolumbien den erfolgreichen Weg der brasilianischen Ölindustrie nachahmen kann, hängt allerdings entscheidend davon ab, ob die Unternehmen neue Ölreserven finden. „Bisher haben wir noch nicht die neuen Reserven gefunden, die das Land braucht", sagt Martinez. Er ist jedoch zuversichtlich. Das Explorationsniveau habe sich in den vergangenen drei Jahren verfünffacht, aber man befinde sich noch immer auf einem sehr niedrigen Niveau: „In Kanada werden 18 000 bis 19 000 Löcher pro Jahr gebohrt, hier werden es in diesem Jahr 56 sein."

Anne Grüttner ist Handelsblatt-Korrespondentin in Madrid.
Anne Grüttner
Handelsblatt / Korrespondentin
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