Unklare Rahmenbedingungen erschweren die Prognosen
Energieaktien unter Spannung

Eigentlich gelten sie als „sicherer Hafen“: Energieaktien reagieren verhältnismäßig schwach auf Konjunkturzyklen – optimale Bedingungen für den langfristig orientierten Anleger. Zurzeit bieten sie dem Finanzmarkt aber allen Anlass zur Spekulation: Die Energiebranche steht vor einschneidenden Veränderungen. Und das lastet auf den Kursen der Schwergewichte Eon und RWE.

DÜSSELDORF. Ab Mitte nächsten Jahres wird eine neue Regulierungsbehörde den Energiemarkt in Deutschland beaufsichtigten und der geplante Handel mit Emissionsrechten wird vor allem die Versorger mit ihren Kraftwerken treffen. Beides wird nach Einschätzung der Analysten sich nicht nur auf die Bilanzen der Energiekonzerne, sondern auch deren Aktienkurse durchschlagen. Wie sehr, lässt sich aber nur schwer vorhersagen, weil die Rahmenbedingungen von der Politik noch festgezurrt werden. „Das ist noch alles sehr vage“, sagt Frank Laser von der Hamburger Berenberg Bank, „eine Prognose ist schwierig“.

Die neue Energieaufsicht soll Wettbewerbern einen fairen Zugang zu den Gas- und Stromnetzen der etablierten Konzerne sichern. Denn seit der Liberalisierung des deutschen Energiemarktes 1998 bemängeln Neueinsteiger, dass die Netzbetreiber für die Durchleitung von Strom und Gas zu hohe Entgelte fordern, so ihren eigenen Stromvertrieb subventionieren und damit die Konkurrenz aus dem Markt halten. Wenn die neue Behörde die Entgelte drückt, wird das die Gewinne der Netzbetreiber schmälern.

„Für den Strombereich dürften die Effekte moderat ausfallen, bei Gas ist die Unsicherheit größer“, sagt Stephan Wulf von Sal. Oppenheim. Seine Einschätzung gründet sich auf den so genannten Monitoring-Bericht, den das Bundeswirtschaftsministerium im Sommer vorgelegt hat. In ihm hat die Behörde eine Bestandsaufnahme der Energiemarktliberalisierung und erste Empfehlungen für den künftigen Regulierer gemacht. Das Fazit: Während die Stromregulierung vermutlich weitgehend auf den bisherigen von den Branchenverbänden selbst ausgehandelten Prinzipien aufbauen wird, drohen dem Gasmarkt striktere Regeln. Die Papiere des Eon-Konzerns, der nach der Ruhrgas-Übernahme stark im Gasgeschäft engagiert ist, reagierte empfindlich. „Die Eon-Aktie hat sich nach dem Bericht deutlich schlechter entwickelt als RWE“, sagt Wulf. Die WestLB stufte die Eon-Aktie sogar unter Verweis auf die Regulierungsfrage herab.

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