Unklarheit über Strategie
Anleger meiden die T-Aktie

Die Kursentwicklung der Deutschen Telekom ist für viele Anleger ein Ärgernis: Zwar liefert Europas größter Telekommunikationskonzern hervorragende Zahlen, verspricht auch für 2006 wieder eine stattliche Dividende und kündigt zudem einen umfangreichen Stellenabbau an, um die Kosten zu senken. Doch die Volksaktie sackt weiter ab.

HB DÜSSELDORF. Das Papier, das Mitte der 90er-Jahre Hunderttausende deutsche Sparer zu Aktionären machte, dümpelt seit längerem nahe dem Ausgabekurs. Während der Deutsche Aktienindex seit Jahresanfang um 20 Prozent zugelegt hat, ist die T-Aktie um 14 Prozent gefallen. Im Vergleich zu Wettbewerbern wie Telecom Italia, Telefónica oder Telia Sonera scheint die T-Aktie nun günstig. Nur wenige Konkurrenten wie British Telecom oder France Télécom haben ein niedrigeres Kurs-Gewinn-Verhältnis als der Bonner Riese.

Die lange Flaute der T-Aktie hat ihren Grund – wie so oft an der Börse – in zahlreichen Unsicherheiten über die Zukunft des Unternehmens. So wartet der Markt darauf, dass die KfW Bankengruppe, die als bundeseigenes Institut noch 22,6 Prozent der Telekom-Anteile hält, eine größere Tranche platziert. „Wir sehen diesen Aktienüberhang weiter als Problem für die Aktie der Deutschen Telekom an“, sagt Stefan Borscheid von der WestLB.

Doch es gibt auch tiefer liegende Ursachen für die Malaise: Die Telekom verliert im Bereich der klassischen Festnetztelefonie stetig Marktanteile und leidet im DSL-Geschäft unter einem harten Preiswettkampf. Einzig die florierende amerikanische Mobilfunktochter T-Mobile USA weckt noch die Phantasie der Investoren. Um das stürmische US-Wachstum fortzusetzen, muss das Unternehmen im kommenden Jahr allerdings Milliarden in neue Funklizenzen investieren. In Europa hingegen gibt es eine Serie von Misserfolgen im Mobilfunk: Im Bietergefecht um O2 haben sich die Bonner vom spanischen Konkurrenten Telefónica ausbooten lassen. Und auch in Osteuropa, wo die Telekom traditionell stark ist, läuft es nicht rund. Im jahrelangen Streit um die Kontrolle des großen polnischen Mobilfunkanbieters PTC tritt T-Mobile auf der Stelle; am dynamischen russischen Markt sind die Bonner nach diversen Fehlentscheidungen nicht mehr vertreten.

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