Unsicherheit bremst Kursentwicklung
Handy-Boom geht langsam die Puste aus

Analysten sehen bei Nokia und Samsung Aufwärtspotenzial, das soll sich auch im Aktienkurs widerspiegeln. Die Börse honorierte diese Entwicklung bislang aber nur begrenzt.

DÜSSELDORF. Das Spiel wiederholt sich – inzwischen schon seit fast drei Jahren in Folge: Mobiltelefonhersteller werden 2004 erneut mehr Geräte absetzen als ursprünglich prognostiziert. Von Quartal zu Quartal korrigieren Unternehmen und Marktforscher ihre Schätzungen nach oben. Knapp 670 Millionen Handys werden in diesem Jahr über die Ladentische gehen – ein Plus von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr, sagen Analysten von Strategy Analytics voraus. „Der Markt sei deutlich aufnahmefähiger als gedacht“, schreiben auch Experten von Credit Suisse First Boston in einer Studie. Damit sind sie sich einig mit dem Gros der Branchenkenner, die den großen Wachstumsschub für die Branche erneut im Weihnachtsgeschäft erwarten.

Die Börse honoriert diese Entwicklung nur begrenzt: Der Aktienkurs von Nokia, dem weltweit größten Handyhersteller, hat sich in den vergangenen Wochen zwar erholt, seit Jahresanfang aber immer noch knapp zwölf Prozent an Wert eingebüßt. Abwärts ging es auch für Siemens und Samsung. Und eine deutliche Besserung ist nicht in Sicht: Denn der Markt steht offenbar vor dem Ende der hohen Wachstumsraten. „Das Wachstum wird sich abrupt verlangsamen“, heißt es in einer Studie von Goldman Sachs. Allenfalls ein Plus von fünf Prozent bei der Anzahl der verkauften Geräte sagt die Bank für 2005 voraus.

Unter diesen Bedingungen werden sich nach Ansicht der Analysten vor allem Nokia und Samsung gut schlagen – Nokia, da der Konzern eine immense Produktpalette anbietet und ohnehin schon sehr profitabel arbeitet; Samsung, da die Südkoreaner schneller und erfolgreicher als ihre Konkurrenten neue Funktionen in Handys integrieren. Einigen Nischenhersteller wie Research in Motion aus Kanada, die mit dem „Blackberry“ eine Kombination aus Handy und schneller E-Mail-Maschine auf den Markt brachten, sagen Analysten ebenfalls noch Kurssteigerungen voraus.

„Nokias Produktmix verschiebt sich mehr in Richtung höherwertige Geräte und wird damit zu einer Erholung der Durchschnittspreise führen“, sagt Nicolas von Stackelberg, Analyst bei Sal. Oppenheim. Zudem habe es der finnische Konzern in den vergangenen Monaten geschafft, seine Gewinnmargen trotz der Aufholjagd nach Marktanteilen zu schonen. Nokia hatte Anfang des Jahres einen Nachfrageeinbruch erlitten. Inzwischen haben die Finnen den Trend umgekehrt, indem sie ihre Preise gesenkt haben. Sal. Oppenheim sieht daher Aufwärtspotenzial beim Aktienkurs. Der faire Wert liege bei 13 Euro pro Aktie.

Dass es aufwärts geht, sagen Analysten auch Samsung voraus. Bislang sind die Koreaner noch die Nummer drei auf dem weltweiten Handymarkt, aber der Abstand zum zweitgrößten Mobiltelefonhersteller Motorola wird immer kleiner. Gerade mal ein halber Prozentpunkt und damit etwa 500 000 Geräte trennen die beiden nach den Absatzzahlen von Strategy Analytics für das abgelaufene Quartal. Das Wachstum hat für Samsung allerdings eine Kehrseite: „Vor allem die Aufholjagd der Südkoreaner in Nordamerika schmälert die Margen des Konzerns und reduziert die Durchschnittspreise“, schreibt Goldman Sachs in einer Studie. Noch kann sich Samsung dies aber leisten. Denn die Südkoreaner glänzten mit hohen Margen, weil sie größtenteils teurere und aufwendigere Mobiltelefone mit Digitalkamera und Farbdisplay verkaufen – im Gegensatz zu Siemens beispielsweise, die mehr einfachere Modelle absetzen.

In Zukunft werden wohl zwei sich widersprechende Trends das Branchenwachstum ankurbeln: Einerseits Geräte mit einer Vielzahl von Zusatzfunktionen, die teilweise den Computer ersetzen – im Branchenjargon auch Smartphones genannt. Andererseits Mobiltelefone mit möglichst wenig Schnickschnack, mit denen die Nutzer hauptsächlich telefonieren können und das am besten zu günstigen Preisen. Doch das spielt nach Einschätzung von Analysten eher bisher unbekannten kleineren Handyherstellern in die Hände – vorzugsweise aus Asien –, die den etablierten Anbietern Marktanteile abnehmen könnten.

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