Unsicherheit über Liberalisierung lastet auf Aktienkurs von Energía de Portugal
Portugals Versorger lockt mit Dividende

Lange Zeit war es so, dass spanische Unternehmen nahezu ungehemmt in Portugal expandieren konnten. Inzwischen sind die portugiesischen Firmen selbstbewusst genug, um bei ihrem Nachbarn Flagge zu zeigen.

MADRID. Angesichts des 2005 kommenden gemeinsamen Strommarktes auf der iberischen Halbinsel hat sich Energía de Portugal (EdP), der größte Versorger des Landes, zum Ziel gesetzt, in Europa und besonders stark auf dem spanischen Energiemarkt zu wachsen. EdP-CEO João Ramalho Talone will, wie er am vergangenen Mittwoch vor Journalisten bekannt gab, in den kommenden drei Jahren sechs Milliarden Euro investieren, um mit den Nachbarn konkurrieren zu können. Soviel sei auch nötig, denn „theoretisch können wir jeden Kunden verlieren, wenn wir nicht besser sind“.

Die Investoren sind derzeit Unsicherheit, wie der Marktführer des Landes den schwierigen Schritt in den Wettbewerb meistern wird. Der Kurs des Versorgers, der 57,5 Prozent seines Aktienkapitals an der Börse platziert hat und dort mit 8,2 Milliarden Euro bewertet wird, schwankte in den vergangenen Monaten überdurchschnittlich stark. „Wir haben die Aktie wegen der Unsicherheit erst einmal auf Halten stehen“, sagt Javier Ruiz vom spanischen Broker Ahorro.

EdP befindet sich immer noch zu 20 Prozent in staatlichem Besitz und genießt dementsprechend den Schutz der Regierung. Diese einigte sich mit den spanischen Kollegen, dass EdP im Sommer den spanischen Wettbewerber Hidrocantábrico, Nummer vier des Landes, schlucken konnte, um damit im Nachbarland Fuß zu fassen. Der Kurs schnellte daraufhin von zwei Euro im Januar auf knapp 2,40 Euro im Juni hoch. Die Anleger waren begeistert über das Selbstbewusstsein von EdP. Der Entschluss, die Mehrheit des Aktienkapitals an dem noch staatlichen heimischen Unternehmen Gas de Portugal (GdP) zu erwerben, derzeit noch eine Tochter des portugiesischen Mineralölunternehmen Galp, passte nach Meinung der Analysten ebenfalls in die Expansionsstrategie und wurde mit leichtem Kursanstieg belohnt. Allerdings wurde dieses ambitiöse Anliegen von der EU-Kommission wegen zu großer Marktmacht von EdP erst einmal vor zwei Wochen einen Riegel vorgeschoben. Der Kurs der Aktie brach daraufhin wieder ein. Die Gaspreise würden bei einem solchen monopolähnlichem Szenarium nicht runtergehen, erklärte die zuständige Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes ihre Entscheidung.

„Dennoch wird es früher oder später zu diesem Deal kommen, weil er strategisch Sinn macht“, glaubt Analyst Ruiz. Spätestens wenn der gemeinsame iberische Markt in Kraft trete, werde das Anliegen wieder auf den Tisch kommen, glaubt er. Wann das ist, sei allerdings fraglich.

Aber wie Ruiz glauben auch viele andere Analysten, dass die Fundamentaldaten des Unternehmens so gut und die Aktiva so groß sind, dass EdP auch nach der Liberalisierung seine marktführende Position in Portugal verteidigen wird. „Dem Unternehmen gehören bereits zahlreiche Wasser-, Gas- und Kohlekraftwerke.“ Das Energiegeschäft blüht derzeit in Portugal. In den ersten neun Monaten diesen Jahren wuchs der Nettogewinn um stolze 36 Prozent auf 350 Millionen Euro, der Umsatz stieg um zwei Prozent auf 5,3 Milliarden Euro. Nutzen will das Unternehmen diese gute Ertragslage, um in den kommenden drei Jahren die Dividendenzahlung um jährlich bis zu acht Prozent anzuheben. Für 2003 gab es 9 Cent pro Aktie.

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