Unsicherheit
Wall Street im Strudel der Finanzwerte

Lehman Brothers, Hurrikan "Ike" und das Warten auf neue Wirtschaftsindikatoren: An der Wall Street herrscht nicht ohne Grund Nervosität. Mehr Klarheit wird wahrscheinlich erst die erste Wochenhälfte bringen.

HB NEW YORK. Nach den jüngsten Hiobsbotschaften aus der US-Bankenbranche herrschen an den Börsen in New York unverändert Nervosität und Unsicherheit. Insbesondere das Schicksal der angeschlagenen Investmentbank Lehman Brothers dürfte in der neuen Börsenwoche erneut die Kurse bewegen. Darüber hinaus warten die Händler auf eine Reihe von Wirtschaftsindikatoren, von denen sie sich mehr Aufschluss über den Kurs der größten Volkswirtschaft erhoffen. Belastet werden könnten die Märkte zudem von den Folgen des Hurrikans "Ike", der am Wochenende in überraschender Stärke auf die Küste von Texas traf.

Viele Analysten gehen davon aus, dass nach einer Lösung des Falls Lehman weitere Banken in den Blickpunkt geraten. "Wenn das Problem mit Lehman gelöst ist, werden sich die Leute Merrill Lynch genauer ansehen und fragen, ob das Haus nicht genau wie Lehman gefährdet ist. Dann werden sie ihren Blick auf AIG richten", sagte Händler Stanley Nabi von Silvercrest Asset Management.

Generell mache der Fall Lehman einmal mehr deutlich, wie schwer die Märkte nach wie vor unter der vor über einem Jahr ausgebrochenen Finanzkrise litten, fügte Nabi hinzu. "Die Investoren sind darauf vorbereitet, dass die schlechtesten Nachrichten möglich sind", sagte auch John Kosar von Asbury Research zu den Rettungsversuchen für Lehman. "Angesichts der extremen äußeren Umstände ist es sehr schwierig vorherzusehen, wie es weitergeht." Eine Entscheidung über die Zukunft der von deutschen Einwanderern gegründeten Bank wurde noch vor dem Börsenauftakt am Montag erwartet.

Weiteren Aufschluss über die serbelnde US-Konjunktur versprechen sich die Händler von einer Reihe von Indikatoren: Am Montag werden Zahlen über die Industrie-Produktion im August bekanntgegeben, am Dienstag der Verbraucherpreis-Index. Am Mittwoch gibt es neue Daten vom kriselnden US-Häusermarkt, am Donnerstag vom Arbeitsmarkt. Außerdem informiert die Philadelphia Federal Reserve über die Geschäftstätigkeit in den Staaten New Jersey, New York und Pennsylvania.

Belasten könnte die Märkte Hurrikan "Ike", der laut Expertenmeinung der drittschwerste Sturm in der Geschichte der USA werden könnte. Vor drei Jahren hatte "Katrina" einen Schaden von über 80 Milliarden Dollar angerichtet. Wegen "Ike" ist bereits die Ölförderung am Golf von Mexiko weitgehend zum Erliegen gekommen und Betreiber befürchten die Beschädigung von Bohrinseln. Das könnte den Ölpreis nach oben treiben.

Am Freitag hatten die US-Börsen uneinheitlich geschlossen. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte gab 0,1 Prozent auf 11.347 Punkte nach. Der breiter gefasste S&P-500-Index gewann 0,2 Prozent auf 1251 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq stieg um 0,1 Prozent auf 2261 Punkte. Im Wochenverlauf gewann der Dow 1,8 Prozent, der S&P 0,8 Prozent und der Nasdaq 0,2 Prozent.

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