Unter der Lupe
Auf Kurs mit Traumschiffen

Stürmische Zeiten für Kreuzfahrtunternehmen: Die Hurrikan-Saison im Atlantik zertt auch an den Aktienkursen der großen Gesellschaften. Gleichzeitig ist die Begeisterung für Kreuzfahrten ungebrochen. Beleg für diese Entwicklung ist der weltweit größte Anbieter Carnival.

STUTTGART. Hurrikan „Dean“ hat sich ausgetobt, doch seine Nachfolger warten schon: Die Zeit um den 10. September gilt erfahrungsgemäß als Höhepunkt der Hurrikan-Saison über dem Atlantik. Bei den Investoren von Kreuzfahrt-Aktien herrscht daher Nervosität. Seit Beginn der diesjährigen Hurrikansaison am 1. Juni hat der Kurs des weltgrößten Kreuzfahrtunternehmens Carnival um knapp zwölf Prozent nachgegeben. Zu Carnival gehören unter anderem die „Aida“-Schiffe und „Princess Cruises“.

Die Feriengäste scheinen sich von den Wetterkapriolen allerdings nicht abschrecken zu lassen. Im vergangenen Jahr gaben die Schiffstouristen allein in den USA für Kreuzfahrten, Tagesausflüge und Souvenirs fast 18 Mrd. Dollar aus – knapp zehn Prozent mehr als noch 2005. Und das in der ersten Saison nach dem verheerenden Hurrikan „Katrina“, der New Orleans und weite Teile der Golfküste verwüstete und das gesamte Land traumatisiert hat.

Als Start- und Endziel der Reisen gewinnen dabei die Häfen in New York und Hawaii an Bedeutung. Auch Florida steht weiter hoch im Kurs, unter anderem weil hier Carnivals Heimathafen liegt. „Die zyklischen Trends für die Kreuzfahrtunternehmen werden wieder besser, und Carnival hat eine wirtschaftlichere Kostenstruktur als sein größter Konkurrent Royal Caribbean“, sagt Analyst Michael Savner von der Bank of America. Er rät derzeit zum Kauf der Aktie und schätzt, dass sie sich in den nächsten zwölf Monaten um fast 25 Prozent verbessern wird.

Tatsächlich bereitet sich die Branche auf einen weiter steigenden Ansturm zahlungskräftiger Gäste vor. Das Geschäft von und nach New Orleans soll wieder anziehen: Vor wenigen Wochen erst hat Carnival einen Vertrag mit dem dortigen Hafen um zwei Jahre verlängert.

Zudem wollen die Schiffslinien in den nächsten vier Jahren laut einer Studie des Geschäftsberaters Exton 30 neue Luxusliner mit insgesamt 80 000 Betten dazukaufen. Im vergangenen Jahr gingen weltweit rund zwölf Mill. Gäste an Bord, davon etwa 80 Prozent in den USA. Einige Analysten sind skeptisch, wie lange der Aufwärtstrend noch anhält: „Das größte Risiko für Carnivals Aktie ist die wachsende Konkurrenz im Kerngeschäft, den Karibik-Kreuzfahrten – die könnte sich negativ auf die Preise auswirken“, sagt Analyst Steven Kent von Goldman Sachs.

Allerdings expandieren die Schiffslinien auch zunehmend in andere Märkte. Carnival etwa versucht in Europa weitere Marktanteile zu ergattern und hat dazu vor kurzem sein Kooperationsabkommen mit dem deutschen Reiseveranstalter Tui überarbeitet, sagt Michael Savner. „Dieses Programm sollte Carnival helfen, in Deutschland bekannter zu werden und nicht nur auf Aida reduziert zu werden. Aida richtet sich ohnehin hauptsächlich an erfolgreiche junge Freiberufler und Geschäftsleute. Die neuen Tui-Carnival-Kreuzfahrtangebote zielen dagegen auf wohlhabende ältere Kunden aus der sogenannten Baby-Boomer-Generation ab.“

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