Unter der Lupe: Escada
Riskante Wette auf die Zukunft

Die neuen Kollektionen blieben in den Regalen liegen, die Analysten sind vergrätzt: Bruno Sälzer tritt bei Escada keinen leichten Job an. Doch Sälzer hat bewiesen, dass er angestaubte Modekonzerne wieder auf Vordermann bringen kann.

FRANKFURT. Bruno Sälzer hat keinen leichten Job. Seit Dienstag ist der 50-Jährige Chef bei Escada. Sälzer soll den Aschheimer Modekonzern wieder in die Gewinnzone führen - und die Aktionäre ruhig stellen. Denn zuletzt liefen Geschäft und Aktien gleichermaßen mies. Um rund 60 Prozent ist der Kurs der Modeaktie in den vergangenen zwölf Monaten gefallen. Gestern notierten die im SDax gelisteten Papiere knapp im Minus bei gut 13 Euro, weit entfernt vom 52-Wochen-Hoch bei 37,21 Euro.

Gleich zweimal hatte Sälzer-Vorgänger Jean-Marc Loubier die Prognosen für das laufende Geschäftsjahr nach unten korrigiert - die neuen Kollektionen waren in den Regalen liegen geblieben. Das Vertrauen der Anleger ist erschüttert, Loubier musste nach nur gut einem Jahr seinen Schreibtisch räumen. Die Analysten sind vergrätzt: vier von sechs Experten, die in den vergangenen Wochen eine Einschätzung zu der Aktie abgegeben haben, raten laut Finanznachrichtendienst Bloomberg zum Verkauf; einer sagt "halten", und nur ein Analyst empfiehlt, sich die Aktien des Modekonzerns ins Depot zu legen. Die Berenberg Bank etwa hat in ihrer jüngsten Studie das Kursziel für Escada radikal auf fünf Euro gekürzt. Ein Ladenhüter zum Ramschpreis.

Mit einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 37 für das Geschäftsjahr 2009/10 ist das Escada-Papier deutlich teurer bewertet als andere Modeunternehmen. "Gegenwärtig überwiegen bei uns deutlich die Risiken bei einem Investment in die Aktie," sagt Christoph Schlienkamp, Analyst beim Bankhaus Lampe.

Die Hoffnungen ruhen nun auf Sälzer. Bei Hugo Boss hat er bewiesen, dass er einen angestaubten Modekonzern wieder auf Vordermann bringen kann, ehe er sich mit Hauptaktionär Permira überwarf und gehen musste. Sechs Jahre war Sälzer dort der Boss, baute das Geschäft mit Accessoires kräftig aus und Hugo Boss zur Lifestyle-Marke um. Mit Erfolg. Die einst biedere Manager-Kluft ist wieder angesagt, Sälzers Strategie ging auf. Das allein nährt die Hoffnung der Escada-Anleger. Mit Sälzer kommt Werner Lackas, der bei Hugo Boss Vorstand für Produktion und Logistik war, nach Aschheim. Lackas hatte bei dem größten deutschen Modekonzern ein effizientes IT-System eingeführt.

Was bei Hugo Boss funktioniert hat, soll nun bei Escada klappen. Eine riskante Wette auf die Zukunft. Am Tag, als durchsickerte, dass Sälzer den Chef-Job bei Escada übernehmen würde, legte der Kurs zumindest zeitweise um mehrere Prozent zu.

Für Bewegung sorgt auch der Einstieg der Tchibo-Eigner Wolfgang und Michael Herz. Nach der beschlossenen Kapitalerhöhung von 50 Millionen Euro halten beide rund 25 Prozent an Escada. Über ein ähnlich schweres Aktienpaket verfügt der Russe Rustam Aksenenko. Sälzer steht unter Beobachtung. Das Investmenthaus Equinet beurteilt den Einstieg der Herz-Brüder "sehr positiv". Escada könne die Kapitalerhöhung für die Restrukturierung gut gebrauchen, heißt es bei Equinet.

Der vergangene Woche vorgelegte Quartalsbericht fiel äußerst bescheiden aus. Unter dem Strich stand von Februar bis April 2008 ein Verlust von 4,3 Mill. Euro, nach einem Überschuss von 2,4 Mill. im Vorjahresquartal. Schon im ersten Quartal hatte Escada Verluste geschrieben. Der Konzern leidet vor allem unter Problemen bei der Tochter Primera, die günstigere Mode anbietet. Sälzer soll es richten.

Christian Panster
Christian Panster
Handelsblatt Online / Ressortleiter Finanzen
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