Unter der Lupe: Gerry Weber
Solides Wachstum aus eigener Kraft

Gerry Weber baut sein Ladennetz aus. Das zahlt sich aus - die Gruppe hat sich besser entwickelt als die Mitbewerber. Durch die eigenen Modehäuser hat das Unternehmen die gesamte Wertschöpfungskette in der Hand. Das Ziel ist klar: Unabhängigkeit vom Einzelhandel.

FRANKFURT. London, Wien und Lünen an der Lippe. Die Orte haben eines gemeinsam. Gerry Weber ist schon da. Ob auf noblen Shoppingmeilen oder in der Provinz - der Modekonzern hat sein Ladennetz in den vergangenen Jahren weltweit massiv ausgebaut.

Auch der Aktienkurs hat auf längere Sicht zugelegt. Während die Gerry-Weber-Aktie in den vergangenen drei Jahren um 75 Prozent kletterte, kam der Kleinwerte-Index SDax auf ein bescheidenes Plus von zehn Prozent. In der Krise zeigte sich die Modeaktie ebenfalls robust. Als die Aktienkurse zu Beginn des Jahres im Zuge der US-Finanzkrise weltweit purzelten, hielten sich die Westfalen besser als andere in der Branche. Die Papiere rutschten zwar kurzzeitig auf 16,75 Euro ab, erholten sich aber schnell. Aktuell liegt die Aktie bei rund 20 Euro. An der Börse ist Gerry Weber mittlerweile fast doppelt so viel wert wie Konkurrent Escada, die Dividendenrendite ist mit rund drei Prozent um ein Vielfaches höher. "Die Gruppe hat sich besser entwickelt als die Wettbewerber", sagt Christoph Schlienkamp vom Bankhaus Lampe.

Weiterer Vorteil gegenüber der Konkurrenz: 56 Prozent der Anteile sind in Familienbesitz. Erst kürzlich hat sich Ralf, der Sohn von Firmenchef Gerhard Weber, mit weiteren Aktien des eigenen Unternehmens eingedeckt und seinen Anteil auf über zehn Prozent aufgestockt. Kontinuität ist Trumpf im Hause Weber. Aggressive Investoren, die das Unternehmen durcheinander wirbeln oder auf eine hohe Sonderdividende drängen könnten, sind nicht erwünscht.

Stattdessen steckt Vorstandschef Weber das Geld in den Ausbau der eigenen Läden. Mittlerweile besitzt der Modekonzern 217 "Houses of Gerry Weber", in denen ausschließlich die eigene Kollektion verkauft wird. Das Ziel: Unabhängigkeit vom Einzelhandel. Indem Gerry Weber nicht nur schneidert, sondern auch selbst verkauft, hat das Unternehmen die Wertschöpfungskette vom Anfang bis zum Ende in der Hand.

Allein in diesem Jahr sind 40 dieser Läden neu eröffnet worden - teils in Eigenregie, teils durch Partner betrieben. Bis zum Ende des Jahres sollen noch einmal 50 "Houses of Gerry Weber" hinzukommen. "Der massive Ausbau des eigenen Filialnetzes zahlt sich aus", sagt Stefan Dudacy, Fondsmanager des Bankhauses Metzler. Dennoch sind mit den erheblichen Investitionen auch Risiken verbunden: Wenn die Läden nicht laufen, sitzt Gerry Weber auf langen Mietverträgen und hohen Fixkosten.

Gerry Weber ist wie die gesamte Modebranche stark von aktuellen Trends abhängig. Von Saison zu Saison wollen die Kunden neue Entwürfe sehen - wobei Gerry Weber auf eine recht verlässliche Kundengruppe zählen kann. "Gerry Weber hat mit den vorwiegend über 40-jährigen einen sehr lukrativen Kundenstamm. Modebewusst und überdurchschnittlich vermögend", sagt Dudacy. Ein Großteil des Umsatzes macht das Unternehmen mit kostspieliger Damenmode - wie die kürzlich vorgelegten Zahlen zeigen, kommt die aktuelle Kollektion gut an.

Für das laufende Geschäftsjahr bekräftigte Gerry Weber seine Ziele: Umsatz und Ergebnis sollen zweistellig wachsen. Demnach erwartet das Modeunternehmen für das im Oktober endende Geschäftsjahr einen Umsatz von 575 bis 580 Mill. Euro. Die operative Gewinnmarge (Ebit) soll in diesem Jahr elf Prozent erreichen und in vier Jahren, so der Plan, auf 15 Prozent steigen. Nach Meinung von Analysten ein ambitioniertes, aber nicht unmögliches Ziel.

Jörg Hackhausen
Jörg Hackhausen
Handelsblatt Online / Reporter
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