Unter der Lupe
Gerüchte treiben US-Zeitungsaktien

Noch ist Rupert Murdochs Deal mit dem US-Medienhaus Dow Jones, zu dem auch das Wall Street Journal gehört, nicht in trockenen Tüchern. In der Branche rechnet man aber damit, dass seine News Corp. das Traditionsunternehmen schon bald schlucken wird.

STUTTGART. "Die meisten anderen potenziellen Bieter sind inzwischen anderweitig beschäftigt oder haben einfach das Interesse verloren", sagt Analyst Paul Ginocchio von der Deutschen Bank in New York. "Es ist sehr wahrscheinlich, dass Murdoch sein Angebot noch einmal anhebt" und dass die bisher noch zögerliche Inhaberfamilie Bancroft dann zustimme.

Auch anderswo beschäftigen geplante Fusionen und Übernahmegerüchte die Zeitungsbranche - was Anleger wie Analysten positiv aufnehmen. Anfang Mai gab die Finanznachrichtenagentur Thomson bekannt, den Konkurrenten Reuters für mehr als 17 Mrd. Dollar kaufen zu wollen. Damit würden sich die nach Bloomberg zweit- und drittgrößte Anbieter von Wirtschaftsdaten und-nachrichten zusammenschließen, vorausgesetzt, die Kartellbehörden genehmigen die Übernahme.

Die Aktien beider Unternehmen stiegen daraufhin kräftig an. Ein solcher Deal würde "weitgreifende Kosten- und Umsatzsynergien ermöglichen, ohne gleichzeitig ein höheres Finanzrisiko zu bergen", sagt Analyst Randal Rudniski von Credit Suisse. Er rechnet damit, dass der Kauf noch in diesem Jahr abgeschlossen werden könnte. Auch Mark Braley von der Deutschen Bank sagt: "Das neue Unternehmen wäre in der Lage, Produkte schneller zu entwickeln und bestehende Leistungen noch zu

verbessern."

Verstärkt unter Beobachtung steht deshalb jetzt die New York Times, die bisher noch keine Fusionspläne veröffentlicht hat. Trotzdem "könnte die Situation bei Dow Jones und News Corp. dazu führen, dass die Times langfristig strategische Alternativen erwägt", sagt Analystin Kristina Sazama von JP Morgan. Die Bank setzte ihr Anlageurteil für die Aktie vor kurzem auf Neutral hoch. Derzeit notieren die Titel nur noch leicht unter ihrem Jahreshoch von knapp 27 Dollar.

Für Fondsmanagerin Thyra Zerhusen von Optimum Investment Advisors in Chicago ist die New York Times derzeit sogar der attraktivste Titel der Branche. "Offiziell liegt der geschätzte Gesamtwert des Unternehmens bei 3,3 Mrd. Dollar. Aber allein der Verkauf der Fernsehsparte hat vor einiger Zeit 575 Mill. Dollar erzielt - und die hat nur etwa sieben bis acht Prozent des Umsatzes ausgemacht. Das zeigt, dass eine ganze Reihe ihrer Assets noch deutlich unterbewertet sind." Zerhusen erwartet, dass die Aktie im nächsten Jahr die 30-Dollar-Marke knackt und das Aufwärtspotenzial sogar bei bis zu 35 Dollar liegen könnte.

Überhaupt sei die Branche tendenziell unterbewertet, heißt es. Bei Thomson setzt Randal Rudniski ein Kursziel von 48 Dollar, was noch immer ein Plus von rund 15 Prozent bedeuten würde. Und für die Dow-Jones-Titel raten trotz des jüngsten Kurssprungs um mehr als 60 Prozent noch immer vier von 14 Analysten zum Kauf, davon zwei zum Starken Kauf. Acht empfehlen zu halten, zwei sagen: verkaufen.

"Die Zeitungsleser werden weniger, die jüngeren Leute googeln eher nach Nachrichten oder sehen fern - das trägt viel zum negativen Image der Zeitungsaktien bei", sagt Fondsmanagerin Thyra Zerhusen. "Allerdings strengen sich die Zeitungen langsam aber sicher an, das Internet als vollwertigen Bestandteil ihres Angebots zu integrieren. Bei der Washington Post etwa nutzen jetzt schon 35 Prozent der Leserschaft das kostenpflichtige Online-Angebot."

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