Unter der Lupe
Versatel enttäuscht Analysten

Vorschußlorbeeren allein reichen nicht aus, um auf Dauer überzeugen zu können: Versatel ging im April mit großen Erwartungen und vielfach überzeichnet an die Börse, nun ist vom anfänglichen Börsenwert nicht einmal mehr die Hälfte übrig. Der harte Konkurrenzkampf am Markt macht es dabei für die Telefongesellschaft auch in Zukunft nicht gerade einfacher.

DÜSSELDORF. Es war einer der größten deutschen Börsengänge der jüngeren Vergangenheit: Zu 29 Euro platzierten die Emissionsbanken Ende April die komfortabel überzeichneten Aktien der Telefongesellschaft Versatel und bewerteten die Telefongesellschaft mit einem Börsenwert von 1,3 Mrd. Euro. Nur 470 Mill. Euro Börsenwert sind davon übrig geblieben, nachdem der Kurs der Aktie ungebremst auf rund elf Euro in sich zusammenfiel.

Im April galten die Wachstumsperspektiven des Konzerns noch als stabil und Versatel-Chef Peer Knauer stellte die Übernahme mindestens eines Konkurrenten noch vor Jahresende in Aussicht. Nun herrscht Katzenjammer. Schon für das zweite Quartal musste das im Gegensatz zu vielen Wettbewerbern mit einer eigenen Infrastruktur ausgestattete Unternehmen eine Gewinnwarnung aussprechen. Statt eines Umsatzes im laufenden Jahr von 740 bis 760 Mill. Euro und einem operativen Ergebnis von 220 bis 230 Mill. Euro peilt der Konzern nun einen Umsatz von 680 bis 700 Mill. Euro und ein Vorsteuerergebnis von 190 Mill. Euro an. Doch netto erzielte Versatel bereits im zweiten Quartal einen Verlust von rund 57 Mill. Euro – die Börse quittierte diese Nachricht vor vier Wochen mit einem Kursrutsch von 28 Prozent.

Mit der Warnung zerschlug Versatel viel Porzellan bei Analysten und Investoren, zumal eine Nettoverschuldung von knapp einer halben Mrd. Euro in der Bilanz steht. Frank Rothauge von Sal. Oppenheim kann sich seiner Studie zufolge „nicht an ein Ergebnis im Telekommunikationsbereich erinnern, das so stark von den Analystenerwartungen abgewichen wäre“. Zudem sei es merkwürdig, dass Vorstandschef Knauer im Juni die positive Jahresprognose bestätigt habe, obwohl er zu diesem Zeitpunkt die Zahlen der ersten zwei Quartalsmonate schon gekannt haben muss.

Ursache der gestutzten Prognosen ist der Preiskampf auf dem DSL-Markt, der durch die Preissenkungen der Telekom angefacht wurde. Doch trotz des verlorenen Vertrauens empfehlen fünf von acht Analysten den Kauf und drei das Halten der Aktie.

Analysten der Citigroup gehören zu den Optimisten und raten mit dem Verweis auf die Chancen des DSL-Markts für schnelle Internetzugänge zum Kauf. Sie sehen die enttäuschende Geschäftsentwicklung laut der jüngsten Studie vor allem vor dem Hintergrund von administrativen Problemen innerhalb des Konzerns. Auch der rapide Preisverfall im DSL-Markt und die saisonale Wachstumsabkühlung waren nach Ansicht der Citigroup verantwortlich für ein zuletzt sehr schwaches Ergebnis.

Weitere Preissenkungen der Wettbewerber und damit weiteren Druck für Versatel halten die Analysten der WestLB zwar nach einer Studie aufgrund des schwierigen Marktumfelds für wahrscheinlich. Das Anlageurteil lautet aber dennoch „Hinzufügen“ nach zuvor „Kaufen“, da Versatel im Neukundengeschäft das angepeilte Ziel für das zweite Quartal 2007 mit 45 000 DSL-Neukunden erreicht habe, auch wenn der durchschnittliche Umsatz pro Kunde von 54,30 Euro im Vorjahr auf etwa 45,50 Euro sank.

Entscheidend für die künftige Kursentwicklung von Versatel wird die Entwicklung des Breitbandmarktes sein, der nach dem Preiseinbruch des DSL-Geschäfts die Gewinne wieder sprudeln lassen könnte. Experten halten über einen Zeitraum von zehn Jahren eine Verdreifachung des Zahl der Breitbandanschlüsse auf dann rund 27 Mill. Anschlüsse für möglich, über die Kunden dann telefonieren, im Internet surfen und fernsehen. Ein Hoffnungsschimmer für gebeutelte Aktionäre ist zudem die gerade erfolgte Aufnahme in den Technologie-Auswahlindex TecDax.

»  Mehr: www.handelsblatt.com/lupe

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