Unternehmen bekommen zunehmend Aufträge – Aktien profitieren von reger Nachfrage
Analysten sehen Ende der Flaute in der Druckmaschinen-Industrie

Die Reaktion auf das Neunmonatsergebnis der Koenig & Bauer AG (KBA) erschien unlogisch: Trotz eines unerwartet hohen Verlustes stuften Analysten den drittgrößten Druckmaschinenbauer der Welt Ende letzter Woche herauf. Zuvor hatten die Börsianer ähnlich überraschend auf die Zahlen von Heidelberger Druck reagiert: Obwohl der Halbjahresverlust über den Schätzwerten lag, stieg die Aktie des Weltmarktführers deutlich.

DÜSSELDORF. Der Grund für den Optimismus war in beiden Fällen die Auftragslage: Die im M-Dax notierten Unternehmen hatten zwischen Juli und September einen deutlichen Anstieg der Auftragseingänge verbucht. So meldete KBA ein Plus von 10,4 % gegenüber dem Vorquartal und somit den ersten Zuwachs seit zweieinhalb Jahren. „Die Anzeichen für eine Verbesserung der Investitionsneigung in der grafischen Industrie haben sich verstärkt“, teilte KBA mit.

Beim Heidelberger Konkurrenten lag der Auftragseingang im zurückliegenden Quartal 35 % über dem Niveau der drei Monate davor. Auch die Kunden der MAN-Druckmaschinensparte bestellten mehr: Der Branchenzweite MAN Roland verzeichnete im dritten Quartal einen fünfprozentigen Anstieg gegenüber dem Vorjahr.

Mit der Entwicklung der Auftragslage wächst die Hoffnung, dass der dreijährige Abwärtstrend der Branche beendet ist. Er sei guter Dinge, dass ein Boden gefunden sei, sagt Analyst Michael Punzet von der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP). „Es gibt aber noch keinen Grund zur Euphorie.“ Das Problem sei die Finanzdecke bei den Druckmaschinenkäufern, meint Punzet. „Viele dürften mit dem Kauf neuer Maschinen noch warten, bis sich der Aufwärtstrend gefestigt hat.“ Auch Richard Schramm, Analyst bei HSBC Trinkaus & Burkhardt, bleibt derzeit zurückhaltend bezüglich des Druckmaschinensektors.

Denn bei KBA und Heidelberger Druck sind bereits einige Vorschusslorbeeren verteilt. So hat der Kurs der KBA-Aktie seit dem Tiefpunkt bei zehn Euro Mitte März um 80 % zugelegt, die Heidelberg-Papiere stiegen seit Ende Februar um mehr als das Doppelte. Ob dieser Optimismus berechtigt ist, muss sich erst zeigen. Denn nach wie vor schleppen die Unternehmen Probleme mit sich umher. So laufen die Sparten Web Systems (Rollen-Offset-Druck) und Digitaldruck bei Heidelberger anhaltend schwach. „Es ist für das Unternehmen von substanzieller Bedeutung, Partner für diese Bereiche zu finden“, sagt Schramm. Die Suche verlief bisher erfolglos. Inzwischen hält das Unternehmen eine Trennung von den Bereichen für möglich.

Für MAN Roland ist die Flaute im Web-Geschäft ein noch größeres Problem. Denn die MAN-Sparte ist in diesem Segment stark vertreten. „Das ist der Hauptgrund dafür, dass das Plus beim Auftragseingang geringer ausfällt als bei der Konkurrenz“, sagt LRP-Analyst Punzet.

Ein wesentlicher Schwerpunkt bei KBA ist das Geschäft mit großen Zeitungsrotationen. Wegen der langen Durchlaufzeiten von Aufträgen in diesem Bereich werde das Unternehmen später von einer Erholung der Branche profitieren, sagt Peter Rothenaicher von der Hypo-Vereinsbank. Trotzdem stuften zahlreiche Analysten KBA nach den Quartalszahlen auf „halten“ herauf, während der Heidelberger-Aktie nur eine unterdurchschnittliche Marktentwicklung zugetraut wird. Das führen Experten auf die hohen Kursgewinne in den letzten Monaten zurück.

Rothenaicher ist allerdings optimistischer als die meisten Kollegen und bewertet die Aktie mit „neutral“. Heidelberger Druck habe mit den jüngsten Strukturmaßnahmen die Basis für deutliche Ergebnisverbesserungen geschaffen, sagt er. Zudem habe sich der Aufwärtstrend bei den Orders – wie bei KBA – im Oktober fortgesetzt.

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