Unternehmen günstig bewertet
Salzgitter-Aktie profitiert vom Stahlboom

Wer den Kurs der Salzgitter-Aktie von heute etwa 41 Euro anschaut, kann vermutlich kaum glauben ,dass ein mutiger Anleger dieses Papier Anfang 2003 für fünf Euro und zwei Jahr später für läppische 15 Euro hätte erwerben können. Doch an der Börse wird bekanntlich nicht zum Einstieg geklingelt.

DÜSSELDORF. Dabei steht der rasante Anstieg auf stabilen Füßen, denn dabei spielen nicht alleine Übernahmegerüchte eine Rolle, die angesichts der andauernden Konzentrationstendenzen in der Stahlbranche bei den Börsianern auf fruchtbaren Boden fielen und den ergangenen Wochen den Kurs trieben. Auch das Unternehmen selbst sorgte mit positive Nachrichten dafür, dass die Anleger bei der Aktie des Stahlproduzenten zugegriffen haben.

Wegen der guten Stahlkonjunktur erwarten Branchenbeobachter und Analysten ein Rekordergebnis nebst Dividendenerhöhung. Die Experten halten deshalb Salzgitter für fundamental gut aufgestellt, schätzen aber die Chancen einer Übernahme eher niedrig ein: Für Roland Koenen vom Bankhaus Lampe sind Übernahmephantasien „kein Anlagekriterium“ und er verweist ebenso wie Michael Tappeiner von der WestLB darauf, dass das Management klar dagegen sei. Tappeiner betont, dass Salzgitter der zweitgrößte Arbeitgeber im Land Niedersachsen sei, das 25,2 Prozent an dem Unternehmen hält. Da habe Arbeitsplatzsicherung sicherlich Vorrang. Zudem mache für ihn eine Übernahme durch einen europäischen Hersteller kaum Sinn, da die Synergieeffekte in diesem Fall meist nur gering ausfallen würden. Zudem sei das Management dabei eigene Aktien zurückzukaufen – und zwar bis zu einem Anteil von zehn Prozent. Darüber hinaus überlegt die Verwaltung, weitere Abwehrmaßnahmen in die Tat umzusetzen.

Mit dem Verkauf der 45 prozentigen Beteiligung an Vallourec& Mannesmann Tubes hat Salzgitter 545 Mill. Euro eingenommen, bis Jahresende könnte der Konzern auf eine Nettoliquidität von bis zu einer Mrd Euro kommen, schätzt Koenen. Im Gegensatz zu anderen Stahlherstellern , verteilt sich das Geschäft bei Salzgitter auf Stahl und Röhrenbau, wobei das Unternehmen das Röhrengeschäft im Jahr 2000 von Mannesmann erwarb. Eine sehr gute Managemententscheidung, meint Tappeiner: „Das Salzgitter-Management hat das Röhrengeschäft am Höhepunkt des Internetbooms gekauft, zu einem Zeitpunkt also, zu dem sich keiner für Rohstoffe interessiert hat. Daher hat es einen äußerst günstigen Preis bezahlt“. Nach dem Verkauf des 45-Prozent-Pakets ist Salzgitter immer noch mit 23 Prozent an Vallourec beteiligt.

Im Röhrengeschäft besteht nach Ansicht von Tappeiner „weiteres positives Überraschungspotential“. Denn der anhaltend hohe Rohölpreis bringt die Öl- und Gaskonzerne dazu, wieder verstärkt zu investieren, auch in Pipelines.Derzeit steht die Entscheidung über die Vergabe der Aufträge für den Bau einer Ostseepipeline zwischen Deutschland und Russland an, bei der sich Salzgitter sehr gute Chancen auf den Zuschlag ausrechnet, denn es soll nur noch einen weiteren Mitbewerber geben. Trotz der guten Aussichten für den deutschen Stahlkonzern wird das Vorsteuerergebnis, das nach Angaben des Unternehmens in diesem Jahr bei 600 Mill. Euro (Vorjahr: 323 Mill. Euro) bei einem Umsatz von etwa sieben Mrd. Euro (Vorjahr: 5,9 Mrd. Euro)liegen wird, in den kommenden zwei Jahren deutlich fallen. Die Analystenschätzungen gehen davon aus, dass es sich 2006 in etwa halbiert. Der Grund dafür liegt in den fallenden Stahlpreisen, die der Markt im kommenden Jahr erwartet. Doch ist noch keine ausgemachte Sache. Analyst Roland Koenen zum Beispiel findet das Ergebnisniveau in 2006 relativ hoch, weil es immer noch deutlich über dem zehnjährigen Durchschnitt liegt. In 2003 wurde beispielsweise ein Vorsteuerergebnis von 42 Mill. Euro erzielt.

Und Christian Obst von der Hypo-Vereinsbank erneuert seine Kaufempfehlung, da sich die Anzeichen mehren, dass die Stahlpreise ihren Tiefpunkt überwunden hätten. Marktbeobachter zufolge sollen die großen internationalen Stahlunternehmen im kommenden Jahr Ergebnisse erzielen, die in etwa die gleiche Größenordung wie 2005 erreichen. Denn ThyssenKrupp und Salzgitter haben angekündigt die Stahlpreise zu erhöhen. Zudem bringe die angekündigte Neuordnung der Konzernstruktur, eine bessere Nutzung der Verlustvorträge aus dem Röhrengeschäft und damit einen Nettoeffekt von 130 bis 150 Mill. Euro.

Hypo-Vereinsbank-Analyst Obst stuft die Aktie bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis(KGV) von 6,6 auf Basis der Gewinnschätzung für 2006 als günstige Gelegenheit ein. Ein Urteil, dem sich sein Kollege Tappeiner von der WestLB anschließt. Auch er sieht die Salzgitter-Aktie mit einem KGV von 6,7 für 2006 als immer noch billig an. Wegen eines um 22Prozent höheren Gewinns aus der Umstrukturierung und einem stabilen bis steigendem Stahlpreisniveau hat er die Aktie von „neutral“ auf „outperform“ (bessere Kursentwicklung als der Gesamtmarkt) hochgestuft. Für Roland Koenen sind die guten Nachrichten bereits eingepreist, sein Urteil lautet daher nur „halten“.

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