Unternehmen will rund 400 Millionen Dollar einnehmen
Brasiliens Zuckerkonzern Cosan kommt an die Börse

Der brasilianische Zucker- und Alkoholproduzent Cosan geht an die Börse. Ende der Woche läuft die Zeichnungsfrist für rund 25 Prozent des Kapitals aus. Etwa ein Fünftel der Aktien wird für Kleininvestoren reserviert.

SÃO PAULO. Ein Listing in den USA als ADR ist bisher nicht vorgesehen. Dennoch können deutsche Investoren die Aktie erwerben, denn die meisten deutschen Großbanken können an Brasiliens Börse Bovespa direkt oder indirekt Aktien handeln.

Der Familienkonzern hofft durch seinen Börsengang auf eine Kapitalspritze von rund 300 Mill. bis 400 Mill. Dollar. Damit will der größte Zuckerproduzent Lateinamerikas seinen aggressiven Expansionskurs der vergangenen Jahre fortsetzen. Interessant an dem Agrarkonzern ist, dass er zu den wenigen gelisteten der Region zählt und auf dem Weltmarkt besonders konkurrenzfähig ist. Cosan kann in Brasilien weitaus billiger produzieren als etwa die deutsche Südzucker und die französische Tereos. Beide europäischen Konkurrenten profitieren aber von den hohen Subventionen auf dem europäischen Zuckermarkt. Trotz der weltweit stark regulierten Märkte ist es Cosan gelungen, zum zweitgrößten Zucker- und weltgrößten Alkoholexporteur zu werden. Von seinen 2,3 Mill. Tonnen Zucker exportiert der Konzern allein zwei Millionen. Die Alkoholausfuhren – 824 Mill. Liter jährlich – machen bereits rund ein Drittel des Umsatzes aus. Im vergangenen Bilanzjahr erwirtschaftete Cosan einen Umsatz von rund 1,985 Mrd. Real (rund 900 Mill. Dollar und einen Gewinn von 561 Mill. Real (rund 255 Mill. Dollar).

Branchenexperten sehen die Zukunft von Cosan rosig: Die weltweite Zuckernachfrage wächst, weil immer mehr Menschen Fertiggerichte kaufen. Seit den 70er-Jahren hat sich der Zuckerkonsum weltweit verdoppelt. Gleichzeitig wird immer mehr Zucker auf dem Weltmarkt gehandelt. Denn in den geschützten Märkten der EU und der USA steigt der politische Druck, Zollgrenzen und Subventionen zu senken: So ist der Handel von 1990 bis 2004 von 28 Mill. auf 47 Mill. Tonnen gestiegen. Mehr als zwei Drittel dieses Handelsvolumens lieferten brasilianische Zuckerproduzenten. Cosan allein hat einen Weltmarktanteil von vier Prozent.

Noch besser sind die Aussichten für die Alkoholproduktion: In Brasilien läuft derzeit das weltweit größte alternative Treibstoffprogramm. Zunehmend fahren die brasilianischen PKW mit einem Mix aus Benzin und Äthanol. Neben den USA ist Brasilien der größte Lieferant für die auch international steigende Nachfrage. Zusammen beträgt ihr Weltmarktanteil rund ein Drittel. Durch die Auflagen des Kyoto-Protokolls zur Reduzierung der Emissionen und die hohen Ölpreise wird Alkohol immer wichtiger als erneuerbarer Treibstoff. Die britischen Rohstoffexperten von F. O. Licht rechnen damit, dass bis zum Jahr 2010 weltweit 57 Mrd. Liter Alkohol zum Antrieb von Motoren benutzt werden, also fast doppelt so viel wie heute.

Brasiliens Hersteller sind auf zunehmenden Wettbewerb vorbereitet: Eine Tonne Zucker aus Zuckerrohr herzustellen kostet rund 160 Dollar, aus europäischen Zuckerrüben dagegen 700 Dollar. Alkohol brennen die Brasilianer für rund 20 Cent je Liter, in Europa ist der Preis dreimal so hoch.

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