Unternehmensaktien
Insider lassen sich nicht zum Verkauf bewegen

Kaum ein Manager hat seit den Kursrutschen noch Aktien seines Unternehmens verkauft. Sogar Stimmungsbarometer lassen die Firmenchefs kalt. Sie setzen weiter auf steigende Kurse. Das hat einen einfachen Grund.
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FrankfurtEs ist ein Bild, das wenig Spielraum für Interpretationen lässt: Während alle Welt über die Schuldenprobleme Griechenlands, den neuerlichen Krisengipfel vom Wochenende und die Auswirkungen auf die reale Wirtschaft diskutiert, zeigt die, wie sehr sie diese tatsächlich fürchtet: Nämlich gar nicht. Das belegt die Auswertung der Aktienverkäufe aus dem Topmanagement der deutschen Großkonzerne, die diese an die Börsenaufsicht Bafin melden müssen.

Seitdem Ende Juli die Kurse massiv ins Rutschen gerieten, haben im Wochenverlauf keine zehn Manager mehr Aktien ihres Unternehmens verkauft. Seit Mitte September haben gar nur noch weniger als fünf pro Woche verkauft. In den vergangenen beiden Wochen hat dann aus den 160 wichtigsten deutschen Unternehmen, die in Dax, MDax, TecDax und SDax vertreten sind, gar kein einziger mehr seine Papiere auf den Markt geworfen. „Ein solches Phänomen ist absolut selten“, sagt Simon Bölinger vom Forschungsinstitut für Asset Management (Fifam) in Aachen.

Stimmungsbarometer wie der Ifo-Geschäftsklimaindex, der am Freitag erwartungsgemäß ein weiteres Mal gefallen war, lassen die Firmenchefs kalt. Zumal auch Volkswirte wie Klaus Baader von der Société Générale nach solchen Zahlen glauben, dass eine neuerliche Rezession überhaupt kein Thema in Deutschland ist.

Ebenfalls ein gutes Zeichen: Obwohl der Dax in den vergangenen beiden Wochen gut 1.000 Punkte gutgemacht hat, sehen die Unternehmensinsider keinen Anreiz zum Verkauf. Das hat einen einfachen Grund. Als es vor zwei Monaten bergab ging, ist die Mehrzahl zu früh eingestiegen. Die meisten kauften schon, als der Dax bei etwa 6.000 Punkten stand. Auf aktuellem Niveau sind sie lediglich wieder auf Ausgangsposition.

Das Insiderbarometer, das die Fifam alle zwei Wochen mit Commerzbank Wealth Management für das Handelsblatt berechnet, steht aktuell bei hohen 171 Punkten und damit um 13 Zähler über der vorherigen Erhebung. Es signalisiert den Anlegern den weiter steigenden Optimismus der Topmanager. Das Kaufsignal, das sich aus deren Käufen und Verkäufen berechnet, beginnt bereits bei 110 Punkten.

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  • Es ist nicht mehr als logisch, dass Grossunternehmen ihre innere Rendite ins Kalkül ziehen und nicht kurzfristiges, politisches Machtgeränkel. Es sind die Grossfirmen, welche Inflation weitergeben können und damit Inflationsgewinner sind. Manager wären blöde, würden sie CASH machen und zusehen, wie ihr Bargeld ständig an Wert einbüsste. Aktien von Cash Flow produzierenden Firmen sind heute sicherer, als jede Staatsanleihe der westlichen Welt.

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