Unternehmenschef will Mehrheitsaktionär bleiben
Mirko Kovats bringt seine A-Tec dieses Jahr an die Börse

Der österreichische Industrielle Mirko Kovats, Hauptaktionär des vorwiegend im Maschinen- und Anlagenbau engagierten Mischkonzerns A-Tec Industries, will sein Unternehmen noch in diesem Jahr in Wien an die Börse bringen. Der Unternehmenschef will weiter Mehrheitsaktionär bleiben.

WIEN. „Ein direkter Zugang zum Kapitalmarkt eröffnet uns zusätzliche Flexibilität für die Weiterentwicklung unserer Gruppenunternehmen“, wurde Kovats, Vorstandsvorsitzender der A-Tec gestern in einer Mitteilung zitiert.

Bislang kontrolliert Kovats über eine Stiftung knapp 80 Prozent der Unternehmensgruppe. Seine Geschäftspartner Ronny Pecik, der in der Schweiz beispielsweise Anteile am Industriekonzern Oerlikon hält, und der österreichische Geschäftsmann Christian Schmidt halten elf bzw. 9,5 Prozent. Von A-Tec existieren momentan über fünf Millionen. Aktien. Eine Mehrheit von mindestens 51 Prozent will Kovats auch nach dem Börsengang behalten, der zum größten Teil als Kapitalerhöhung über die Bühne gehen soll. Auf diese Weise fließt das an der Börse aufgebrachte Kapital nicht in die Taschen der bisherigen Anteilseigner, sondern bleibt hauptsächlich im Unternehmen.

„Wir wollen das Geld für Akquisitionen nutzen, die wir ohne den Börsengang nicht vornehmen könnten, aber auch zur Rückführung von Fremdkapital“, sagte Kovats. A-Tec hatte im vergangenen Jahr eine größere Anleihe begeben. Über die Größenordnung des Emissionsvolumens machte er keine Angaben. Beobachter gehen davon aus, dass der Börsengang ein Volumen von 150 Mill. Euro nicht übersteigen wird. Die Firma hat im vergangenen Jahr über rund 150 Mill. Euro Eigenkapital verfügt. Bei einer Kapitalerhöhung, die deutlich darüber liegt, würden Kovats und die übrigen Altaktionäre ihre Mehrheit verlieren.

A-Tec hatte vor einigen Wochen einen neu zusammengesetzten Aufsichtsrat erhalten. Unter den neuen Gesichtern ist auch Klaus Sernetz, ehemaliger Chef der VA Tech. Kovats kennt Sernetz noch aus seiner Zeit als Großaktionär bei diesem Industrieunternehmen. Mit dem Verkauf seiner VA-Tech-Anteile an Siemens hatte es Kovats vor zwei Jahren den Deutschen ermöglicht, den österreichischen Konzern vollends zu schlucken. Sernetz hatte sich lange gegen die Übernahme gesträubt und schließlich seinen Posten geräumt. Ungeachtet dieses Umstands schätze er Sernetz, sagte Kovats. Er verfüge über große Erfahrung im Anlagenbau, dem größten Geschäftsfeld der A-Tec.

Das Unternehmen hat seinen Sitz in Wien und erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Umsatz von etwa einer Mrd. Euro. Die Gruppe wächst durch Kovats’ aggressive Zukaufspolitik rasant und beschäftigt rund 11 000 Mitarbeiter in Österreich, Deutschland, der Schweiz, Frankreich, Spanien, aber auch in Asien, den USA und Australien. Kovats selbst will Vorstandschef der Gruppe bleiben.

Als Finanzdienstleister werden die Deutsche Bank und die österreichische Erste Bank die Kapitalerhöhung bzw. den Börsengang begleiten. In Wien sorgte dieses Detail gestern für eine Überraschung. Dort war bisher die Raiffeisen-Gruppe als Favorit für die Betreuung des Börsengangs gehandelt worden. Raiffeisen sieht sich jedoch derzeit in eine politische Auseinandersetzung verwickelt, bei der es um einen Untersuchungsausschuss zur Rolle der Bank bei Geschäften in Osteuropa geht.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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