Unternehmensgewinne lassen die Bewertungen drastisch sinken
Deutsche Aktien zu Schleuderpreisen

Während die Börsen von einem Jahrestief auf das nächste fallen, haben künftige Anleger eigentlich doppelten Grund zur Freude: Einerseits machen die fallenden Kurse den Neueinstieg bei Aktien günstiger. Andererseits verdienen die meisten Unternehmen deutlich mehr als in der Vergangenheit, wodurch sich die Bewertungen zusätzlich reduzieren.

HB DÜSSELDORF. In den USA sind Dividendenpapiere so niedrig bewertet wie zuletzt 1997. In Deutschland erreichen die Bewertungen sogar das Niveau der frühen achtziger Jahre. Eine Garantie für steigende Kurse ist das jedoch nicht, solange die Käufer für Aktien fehlen.

Der doppelte Verbilligungseffekt zeigt sich im Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), der maßgeblichen Größe für die Bewertung von Aktien. Bezogen auf die für 2005 erwarteten Gewinne der 30 größten deutschen börsennotierten Konzerne ist das KGV auf elf gesunken (siehe Chart). So billig gab es Titel im Deutschen Aktienindex (Dax) zuletzt im Vorfeld des Irak- Kriegs Anfang 2003 und auf dem Höhepunkt des Kursverfalls im Herbst 2002. Beide Male währte die Gunst der Stunde aber nur wenige Tage.

Auf längere Sicht lagen die Bewertungen zuletzt Anfang der achtziger Jahre unter dem heutigen Niveau. Damals erreichten sie Tiefststände beim KGV von acht. Um diesen Wert zu erreichen, müsste der Dax noch um rund 25 Prozent auf 2 700 Punkte fallen. Zu berücksichtigen ist allerdings, dass in den Achtzigern die Leitzinsen mit bis zu 7,5 Prozent mehr als doppelt so hoch wie heute waren und deshalb andere Geldanlagen wie Sparbuch und Anleihen attraktiver machten.

Drastisch gesunken sind auch die Bewertungen in den USA. Aktien aus dem S&P-500-Index sind mit einem KGV von 21 auf Basis der laufenden Gewinne im historischen Vergleich zwar nicht billig, aber immerhin so preiswert wie zuletzt 1997, als die Asienkrise die Börsen herunterzog. In den siebziger Jahren waren US-Aktien indes nur halb so teuer wie heute. Damals boten US-Staatsanleihen allerdings auch zweistellige Renditen.

Neben den gesunkenen Aktienkursen sind steigende Unternehmensgewinne Grund für die niedrige Bewertung. Die 30 Dax-Firmen legen nach Berechnungen des Finanzdatenspezialisten Ibes 2004 über 50 Prozent gegenüber 2003 zu. US-Firmen im S&P-500 verdienten nach Berechnungen des Datendienstes Thomson Financial im zweiten Quartal gut 26 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Damit steigen die Gewinne bereits das vierte Quartal in Folge um mehr als 20 Prozent. Das ist Rekord seit über 20 Jahren.

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