US-Bekleidungsriese steckt im Tief – Analysten bemängeln Strategie und Preispolitik des Managements
Analysten raten von Abercrombie ab

Keine guten Aussichten für die zweitgrößte US-Kleidungskette Abercrombie & Fitch: Schwache Umsatzprognosen und eine Gewinnwarnung für das laufende dritte Quartal machen Anleger und Analysten vorsichtig.

HOUSTON. In den vergangenen Wochen hagelte es Herabstufungen und Prognosenkürzungen, so dass der Kurs seit Anfang August um fast 15 Prozent gefallen ist. Dem Erzrivalen und Marktführer The Gap ergeht es nicht besser, was die Stimmung in der Branche zusätzlich belastet.

Auf Grund des niedrigen Kurses rät Brian Tunick von JP Morgan den Anlegern zwar zum Übergewichten von Abercrombie. Die Mehrzahl seiner Kollegen bewertet die Titel aber kritischer: Von 29 Anlageurteilen empfehlen neun den Kauf und zwanzig das Halten, ermittelt die Finanzagentur Thomson First Call

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Ein wichtiger Grund für die vorsichtigen Prognosen: Vor Kurzem ist in den USA eine der wichtigsten Einzelhandelsphasen zu Ende gegangen, der so genannte „Back-to- school“-Sonderverkauf. Er leitet traditionell das Ende der langen Sommerschul- und Semesterferien ein und beschert der Branche meist einen großen Teil ihres Jahresumsatzes. Doch diesmal fielen die Zahlen so enttäuschend aus, dass selbst Wal-Mart den Markt auf schwache Umsätze einstimmte

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Bei Abercrombie rechnen die Analysten großer US-Banken ebenfalls mit niedrigeren Zahlen. Allein im August gehen Experten von Umsatzverlusten zwischen vier und zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat aus – unter anderem deshalb, weil die vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen angesagte Marke die Nachfrage in Schlüsselkategorien falsch eingeschätzt habe. „Bei den Strickjacken und -pullovern sind die Verkaufszahlen schwach, und die Lagerbestände an Jeanswaren wurden zu eng kalkuliert“, kritisiert etwa Kimberly Greenberger von Citigroup Smith Barney. „Dabei sind diese beiden Bereiche zwei der wichtigsten Kategorien in der Back-to-school-Saison, und Abercrombies mangelnde Vorräte bereiten uns einige Sorge.“

Die Preispolitik des Unternehmens sorgt für zusätzliche Kritik. Denn Sonderangebote und reduzierte Preise versucht Abercrombie weitgehend zu vermeiden, um die angeblich höhere Qualität des Angebots im Vergleich mit den Billiganbietern zu betonen. „Es ist aber sehr schwierig, die Preise hochzuhalten, wenn es noch so viele andere Anbieter für eine Zielgruppe gibt und die Konkurrenz gleich nebenan ihre vergleichbaren Produkte zum halben Preis verkauft“, sagt Tunick.

Langfristig gebe es zwar keine Zweifel daran, dass Abercrombie noch immer zu den Top-Marken der USA gehört, sagen Analysten. Für die nähere Zukunft allerdings bleiben sie skeptisch: „Zu allem Überfluss schlägt sich Abercrombie mit diesen Problemen ausgerechnet jetzt herum, wenn die Modetrends eigentlich zu ihren Gunsten stehen“, bemängelt Stacy Pak von der Prudential Equity Group, die ihr Anlageurteil vor Kurzem von Übergewichten auf Neutral herab setzte. „Zurzeit sind nämlich adrette Kleidungsstücke absolut angesagt, also genau das, was Abercrombies Sortiment liefert. Deshalb wäre dies eine gute Gelegenheit gewesen, sich einen Vorsprung am Markt zu verschaffen.“

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