US-Discounter Dollar Tree
Wette auf die Sparsamkeit

Der US-Discounter Dollar Tree profitiert von Konjunktursorgen. Analysten zeigen sich aber zurückhaltend.

HOUSTON. Die wachsende Skepsis der Verbraucher über die Wirtschaftslage in den USA bringt dem Superdiscounter Dollar Tree steigende Umsätze. In Zeiten knapper Kassen wechseln viele Käufer von den regulären Supermärkten zu den Billigläden. Der Aktienkurs des Unternehmens stieg vor kurzem auf ein Jahreshoch bei 30 Dollar. Dennoch sollten die Anleger nur mit größter Vorsicht in die Branche investieren, warnen Analysten. Die größten Umsatz-Zuwächse verzeichnen die Superdiscounter im Moment bei Lebensmitteln, die wiederum geringere Margen einbringen als andere Unternehmensbereiche.

Die jüngsten Konjunkturdaten stimmen die Experten zwar vorsichtig optimistisch. Die Arbeitslosenquote fiel im August um einen Prozentpunkt auf 4,7 Prozent, und die Arbeitgeber heuerten knapp 130 000 zusätzliche Angestellte an. Doch die Verbraucher sehen das Glas eher halb leer: Im August lag das Verbrauchervertrauen in den USA auf dem niedrigsten Stand seit dem vergangenen Herbst, als die Hurrikane „Katrina“ und „Rita“ die US-Golfküste verwüsteten.

Die meisten der so genannten Dollarläden verkaufen ihre Ware zum Stückpreis von maximal einem Dollar: Kleidung, Spielzeug, Waschmittel, Dekoartikel und auch Lebensmittel zum Schleuderpreis. Damit unterbieten sie oftmals sogar die Niedrigangebote der Billig-Einzelhandelsketten Wal-Mart und Target.

Dollar Tree investierte in den vergangenen Quartalen in modernere Ladenlokale und Tiefkühltruhen für Gefriergut, „was der Aktie in der nächsten Zeit einiges Auswärtspotenzial verschaffen sollte“, sagt Adrienne Shapira von Goldman Sachs. In ihrer Einschätzung riet die Analystin Anfang der Woche dennoch zum vorläufigen „halten“ der Aktie von Dollar Tree.

Die Konkurrenz in der Branche ist knallhart: Immer mehr Kleinanbieter drängen in das Superdiscounter-Segment, und die bisherigen Marktführer expandieren unablässig weiter. Analysten wie Mark Husson von HSBC warnen bereits, dass der Markt inzwischen gesättigt sei und die Rendite auf investiertes Kapital für die Anleger sinke, während die Zahl der Dollarläden weiter steigt.

Auch sein Kollege Ralph Jean von Wachovia Securities sagt: „Dollar Trees Fundamentaldaten bleiben schwach, weil die Konkurrenz wächst, die steigenden Benzinpreise die Ziel-Käufergruppe belasten und weil die Dollarläden ihre Preise nicht anheben können wie andere Supermärkte.“ Um die Waren auch weiter für einen Dollar anbieten zu können, ließen viele Anbieter in der Vergangenheit einfach ihre Packungsgrößen schrumpfen. Doch auch hier ist irgendwann eine Grenzen erreicht. Zudem sorgen die Benzinpreise auch bei Dollar Tree selbst für höhere Ausgaben bei den Transportkosten.

Das größte Problem für die Discounter ist zurzeit allerdings der unvorteilhafte Produktmix. Je mehr die Verbraucher aufs Geld schauen, desto häufiger erledigen sie auch ihren Lebensmitteleinkauf bei Family Dollar Stores, Dollar General und Co – und dieser Bereich wirft die niedrigsten Gewinnmargen für die Betreiber ab. Dekoartikel und Kleidung, die eine größere Gewinnspanne versprechen, werden seltener gekauft. So kämpfen einige Anbieter trotz steigender Umsätze mit niedrigeren Gewinnen.

Dabei kommt Dollar Tree unter den großen Dollarläden noch mit am besten weg. Über eine Zeitspanne von drei Monaten haben die meisten Konkurrenten an der Börse deutlich abgegeben, während Dollar Tree knapp sieben Prozent zulegte. Das neue Gewinnziel fürs dritte Quartal enttäuschte den Markt dagegen, und die positiven Empfehlungen für die Aktie sind in der Unterzahl: Sieben Analysten raten zum Kauf, zwei zum Verkauf und neun zum „halten“ von Dollar Tree.

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