US-Investmentbanken
Magere Zeiten für die Wall Street

Die Aktien der großen US-Investmentbanken sind gestern unter Druck geraten. Grund dafür waren schwache Ergebnisprognosen für die Branche von Analysten an der Wall Street. Ein Ender der Krise scheint erst einmal nicht in Sicht - mit einer Ausnahme.

tor / Bloomberg NEW YORK. So senkte Kenneth Worthington von der Großbank JP Morgan Chase seine Prognose für die Gewinne von Goldman Sachs, Morgan Stanley, Merrill Lynch und Lehman Brothers im vierten Quartal um bis zu zehn Prozent.

"Wir erwarten weitere Abschreibungen im Fixed-Income(Anleihe-) Geschäft und eine Abschwächung bei der Beratung von Fusionen und Übernahmen (M&A)", begründete der Analyst seinen Pessimismus. Deutsche-Bank-Analyst Michale Mayo hatte seine Vorhersagen für die großen Wall-Street-Häuser bereits Anfang der Woche nach unten korrigiert.

Bislang haben die großen Banken weltweit mehr als 50 Mrd. Dollar auf Kreditderivate abgeschrieben, deren Wert durch die Hypothekenkrise in den USA dramatisch gesunken ist. Experten rechnen damit, dass die Wertberichtigungen in den kommenden Monaten auf weit mehr als hundert Milliarden Dollar steigen könnten.

Auch für die Citigroup ist kein Ende der Krise in Sicht. Glenn Schorr, Bankexperte bei UBS in New York, rechnet damit, dass die Gewinne der größten US-Bank im letzten Quartal des Jahres um 13 Prozent hinter den Erwartungen zurückbleiben werden. Die Aktie wird nach Meinung des Analysten in den nächsten zwölf Monaten nicht aus dem Keller kommen. Schorr reduzierte sein Kursziel von 40 auf 35 Dollar. Die Citi-Aktie notiert derzeit bei knapp 33 Dollar und hat seit Jahresbeginn mehr als 40 Prozent ihres Marktwertes eingebüßt.

Anfang November hatte eine gewisse Meredith Whitney, Aktien-Analystin bei der kanadischen Bank CIBC, mit ihrem kritischen Report und der Überschrift "Ist Citigroup?s Dividende sicher?" für Aufsehen in der Branche gesorgt. Die zuvor nur Wall-Street-Insidern bekannte Whitney hat mit ihrem kritischen Bericht dafür gesorgt, dass Citi-Chef Charles Prince seinen Hut nehmen muss. Nach Informationen von US-Medien gilt Vikram Pandit als Favorit für die Prince-Nachfolge. Der 50-jährige ist erst seit sieben Monaten bei der US-Bank und leitet dort die Geschäftsbereiche Markets, Investmentbanking und alternative Investments. Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen, heißt es an der Wall Street. Citi wolle jedoch den neuen Konzernchef noch vor den Weihnachtsferien präsentieren.

Bei einer Anhörung vor dem Parlament in London räumte Citi-Manager William Mills ein, dass die Bank mit Hypothekenprodukten weitaus mehr Geld verloren habe als sie in den Vorjahren verdienen konnte. "Unsere Verluste haben unsere Profite bei weitem übertroffen", sagte der Chef der Geschäftssparte Märkte und Banking in Europa. Auch der UBS-Banker Jeremy Palmer gab zu, dass die Schweizer Großbank unterm Strich vermutlich Geld verloren habe.

Die große Ausnahme bleibt Branchenprimus Goldman Sachs. "Wir haben wahrscheinlich Geld verdient", sagte Gerald Corrigan, Managing Direktor bei Goldman in New York. Goldman ist auch die einzige Bank, deren Aktienkurs in diesem Jahr zulegen konnte - und zwar um elf Prozent.

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