US-Onlinevideothek
Netflix stürzt an der Börse ab

Die Internetvideothek Netflix war lange vom Erfolg verwöhnt, doch die Anleger sind sauer über Entscheidungen von der Chefetage. Heute ging es an der Börse 37 Prozent abwärts.
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Los Gatos/New YorkEinst galt Netflix als Totengräber des Fernsehens, doch der steile Aufstieg der US-Onlinevideothek hat vorerst ein jähes Ende gefunden. Kunden laufen davon. Nach Vorlage der neuesten Zahlen brach der Aktienkurs am Dienstag im frühen New Yorker Handel um 37 Prozent auf 75 Dollar ein. Im Sommer, auf dem Höhepunkt des Erfolgs, hatte die Aktie noch mehr als 300 Dollar gekostet.

Netflix hatte es binnen weniger Monate geschafft, treue Nutzer gegen sich aufzubringen. Zuerst erhöhte die Onlinevideothek mehrfach die Preise. Manche Kunden mussten am Ende doppelt so viel zahlen wie zuvor. Dann kündigte Firmenchef und Gründer Reed Hastings an, den Versand von DVDs und Blu-ray Discs auslagern zu wollen. Übrig bleiben sollte noch das sogenannte Streaming von Filmen, also das Anschauen übers Internet auf dem Computer, iPad oder entsprechend ausgerüstetem Fernseher.

Netflix habe die Nutzer mit Preiserhöhungen und der letztlich doch gekippten Abspaltung des DVD-Versands verärgert, räumte Hastings am Montag in einem Brief an die Aktionäre ein. „Dadurch haben wir unseren hart erarbeiteten Ruf beschädigt, und unser Wachstum im Inland abgewürgt.“ Nachdem es bislang nur aufwärts gegangen war, kündigten nun viele US-Kunden: Vom zweiten aufs dritte Quartal fiel die Zahl der Abos um 800.000 auf 23,8 Millionen.

Die Onlinevideothek war 1997 gegründet worden und rasant gewachsen. Vor zwei Jahren hatte sie nicht mal halb so viele Mitglieder wie heute. Die US-Fernsehsender fürchteten schon, im Kampf um die Gunst der Zuschauer den Kürzeren zu ziehen. Die Netflix-Nutzer können sich unbegrenzt Filme und Serien anschauen und das ab acht Dollar im Monat, was umgerechnet keine sechs Euro sind. Vor wenigen Monaten wagte Netflix den Gang nach Lateinamerika und will demnächst auch nach Europa kommen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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