US-Verkauf könnte platzen
Telekom-Aktie droht Sturz unter zehn Euro

Telekom-Aktionäre brauchen starke Nerven. Der Verkauf der US-Tochter wackelt und in Griechenland drohen weitere Kosten. Dass der Aktienkurs dauerhaft in den einstelligen Bereich rutscht, glauben Analysten jedoch nicht.
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FrankfurtIst es zu schön, um wahr zu werden? Mit AT&T hat die Deutsche Telekom endlich einen Kandidaten gefunden, der Interesse an ihrer erfolglose US-Mobilfunktochter hat. 39 Milliarden Dollar soll das Geschäft in die Kassen des Bonner Unternehmens spülen. Diese Meldung löste vor zwei Monaten einen Begeisterungssturm an der Börse aus. Die Telekom-Aktie schoss binnen eines Tages um 16 Prozent auf 11,15 Euro nach oben und hielt sich danach klar über der Marke von zehn Euro.

Doch nun droht der Deal zu platzen. Es ist nicht die erste schlechte Nachricht, die in den letzten Tagen auf dem Kurs lastet. Während der Dax im Plus liegt, verliert die Telekom-Aktie stetig an Wert. Am Mittag lag sie 0,6 Prozent im Minus bei 10,09 Euro.

Der US-Bundesstaat Kalifornien will sich die geplante Übernahme wegen wettbewerbsrechtlicher Bedenken genauer anschauen. Mit der US-Tochter der Deutschen Telekom AG würde ein Netzanbieter verschwinden und der Markt lediglich von AT&T und Verizon Wireless dominiert. In Folge seien höhere Preise für die Verbraucher zu befürchten. Die California Public Utilities Commission will am 9. Juni über den Vorschlag entscheiden, das Vorhaben genauer unter die Lupe zu nehmen.

AT&T hat das Vorhaben in fünf US-Bundesstaaten angemeldet. In drei der Staaten, Kalifornien, West Virginia und Louisiana, hat der kleine Mitbewerber Sprint die Wettbewerbshüter zur Einleitung einer formalen Untersuchung aufgefordert. Auch mehrere US-Generalstaatsanwälte wollen sich die geplante Übernahme von T-Mobile USA durch AT&T im Hinblick auf die Folgen für den Wettbewerb in ihren Bundesstaaten ansehen.

Daneben könnten in Griechenland weitere Kosten auf die Telekom zukommen. Das marode Land drückt derzeit bei der der Privatisierung von Staatseigentum aufs Tempo. Als erstes will der klamme Mittelmeerstaat offenbar weitere Teile des ehemaligen Telefonmonopolisten OTE an die Deutsche Telekom verkaufen. „Griechenland bittet uns um Gespräche über die weitere Privatisierung von OTE“, sagte ein Telekom-Sprecher am Freitag. Die griechische Regierung habe einen Brief an den Dax-Konzern geschrieben und zu Gesprächen eingeladen.

Groß verhandeln müssen die Griechen, die noch 20 Prozent an OTE halten, eigentlich nicht: Die Telekom, die für 3,9 Milliarden Euro schon 30 Prozent an OTE erworben hat, ist durch eine Put-Option verpflichtet, Griechenland weitere zehn Prozent an OTE zum festgeschriebenen Preis abzunehmen. Beim derzeitigen OTE-Aktienkurs wären gut 400 Millionen Euro fällig. Die Option kann jederzeit gezogen werden. „Wenn das der Fall ist, werden wir unseren vertraglichen Pflichten nachkommen“, sagte ein Telekom-Sprecher. Für die verbleibenden zehn Prozent der Griechen an OTE haben die Bonner ihrerseits ein Vorkaufsrecht.

Der Verhandlungen kommen für die Telekom zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Aufgrund der Wirtschaftkrise kämpft OTE mit Umsatzrückgängen – allein im ersten Quartal sanken die Erlöse um zehn Prozent.

Trotz der Unsicherheiten gibt sich die Mehrheit der Analysten optimistisch für die Aktie. In den vergangenen sieben Tagen haben laut Nachrichtenagentur Bloomberg acht Analysten eine neue Einschätzung zum Kurs gegeben. Sieben von ihnen empfehlen die Papiere zum Kauf und geben Kursziele zwischen von elf und 14 Euro an. Lediglich einer, Heinz Steffen von Alphavalue, empfiehlt „reduce“.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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