Vergleichsweise solide im schwachen Umfeld der Halbleiter-Unternehmen
Jenoptik gilt als weißer Rabe der Branche

Aktienanleger haben derzeit wenig Lust, bei Titeln aus der Halbleiterindustrie zuzugreifen. In dem schwierigen Umfeld ist die Jenoptik-Aktie aber zumindest ein solides Papier. Von dreizehn Analysten empfehlen immerhin acht den Titel aus dem TecDax zu halten.

BERLIN. Ein Schmuckstück im Portfolio ist die Aktie der Jenoptik also nicht, aber allem Anschein nach ein solider Wert. Dabei erweist sich für Jenoptik gerade das als Vorteil, worüber Analysten in der Vergangenheit immer wieder die Nase rümpften: die bunte Produktpalette des Mischkonzerns. Sie bildet die Basis dafür, dass die aus aus dem Kombinat Carl Zeiss Jena hervorgegangene Firma in den vergangenen Jahren nur einmal ihre Umsatz- und Gewinnprognose korrigieren musste – und zwar im Jahr 2002. Dramatisch war aber auch dieser Fehler nicht, begründete der Konzern ihn doch damit, dass Aufträge erst in der nächsten Periode abgerechnet werden konnten.

Jetzt allerdings gilt diese Entschuldigung nicht mehr. 2002 konnte Jenoptik den Gewinn außerdem wesentlich durch den Verkauf von Anteilen der Venture-Capital-Tochter DEWB aufbessern. Jetzt muss sich das verbliebene Kerngeschäft beweisen. Analysten halten das Gewinnziel der Firma, für 2003 zwischen 30 und 40 Mill. Euro zu erwirtschaften, für durchaus realistisch. Auch der Jahresumsatz von 2 Mrd. Euro sei eher konservativ geplant.

Für die weitere Zukunft begrüßen sie es aber, dass der seit Juni amtierende neue Vorstandsvorsitzende des Konzerns, Alexander von Witzleben, sich noch stärker als bisher vom größten Geschäftsfeld der Firma unabhängig machen will: dem Bau von Reinraumfabriken, insbesondere für die Halbleiterindustrie.Diese Sparte, die zum Konzernbereich Clean Systems gehört, ist angesichts der schwierigen Branchenlage von großen Unsicherheiten geprägt. Immerhin sind die Auftragsbücher nach Konzernangaben voll, was allerdings auch eben an jenen Aufträgen liegt, die vom vergangenen in das laufende Geschäftsjahr verschoben wurden. „In dem Geschäft hat Jenoptik noch eine Durststrecke vor sich“, bemängelt daher Oliver Wojahn, Analyst der Berenberg Bank. Anders als die meisten seiner Kollegen empfiehlt er, die Aktie zu verkaufen.

Als besonders interessant gilt heute die zweite der beiden Säulen des Konzerns: die Sparte Photonics, die elektromechanische und optoelektronische Geräte herstellt – von Lasern zur Materialbearbeitung in der Autoindustrie über Präzisionsoptik für die Halbleiterindustrie bis hin zu Sensoren für die Weltraumtechnologie. Vorstandschef von Witzleben will die Sparte ausbauen, die bisher nur etwa 20 % des Konzernumsatzes ausmacht – dafür aber schon jetzt knapp die Hälfte des operativen Konzerngewinns. Er denkt dabei an organisches Wachstum und an Akquisitionen. Zuletzt hatte die Firma die IBP Messtechnik GmbH übernommen und damit für einen Kursanstieg an der Börse gesorgt. Geld für Zukäufe hat Jenoptik. Wesentlich für die Zukunft ist, ob das Management sie sinnvoll integrieren kann, das heißt, ob die damit noch buntere Produktpalette am Ende zusammenpasst. Immerhin kennt der neue Konzernchef von Witzleben, der unter seinem Vorgänger Lothar Späth schon länger die treibende Kraft im operativen Geschäft war, die Jenoptik gut.

Burkhard Weiss von der Commerzbank empfiehlt die Aktie zu halten und sieht einen fairen Kurs der Jenoptik-Aktie bei 11,50 Euro. Sein Kollege Oliver Wojahn von der Berenberg Bank hält dagegen 7,90 Euro für angemessen. Gestern lag der Kurs des Papiers bei rund 11 Euro.

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