Verlustwarnung
Heidelberger Druck vertreibt Aktionäre

Nach neuen Hiobsbotschaften vom Druckmaschinenhersteller Heideldruck ergreifen Aktionäre die Flucht. Das Papier des angeschlagenen Unternehmens verliert mehr als 20 Prozent an Wert, während der Gesamtmarkt deutlich zulegt. Analysten sehen jetzt sogar die Fusion mit Manroland in Gefahr.
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HB FRANKFURT. Belastet durch einen wohl erneuten Jahresverlust sind die Titel von Heidelberger Druckmaschinen eingebrochen. Bereits nach Börsenschluss am Freitag hatten sich die Hoffnungen auf eine Stabilisierung der Lage beim angeschlagenen Druckmaschinen-Hersteller vorerst zerschlagen. Nach Einschätzung des Führungszirkels um Konzernchef Bernhard Schreier droht neuerlich ein hoher Jahresverlust. Ein Händler sprach gar von einem „neuen Desaster“. Immerhin sei dies die vierte Warnung innerhalb dreier Jahre. Auch Analysten reagierten überwiegend negativ.

Die Heideldruck-Aktien sackten bis 14.13 Uhr um mehr als 22 Prozent ab auf 5,71 Euro und waren damit der klare Verlierer im MDax. Der Der Index der mittelgroßen Werte selbst rückte um rund ein Prozent auf 7 617 Punkte vor.



Hier finden Sie die aktuellsten Analysten-Einstufungen zu dieser Aktie.



Von Juli bis September bröckelten die Bestellungen bei Heideldruck abermals, der Umsatz sank auf den tiefsten Stand seit Ausbruch der Krise. Eine wesentliche Besserung ist laut Vorstand auch in den kommenden Quartalen nicht zu erwarten. Dem Händler zufolge trifft dies den Markt angesichts der jüngst guten Kursentwicklung völlig überraschend.

Analyst Peter Rothenaicher von der Unicredit behielt sein „Sell“-Votum bei einem allerdings etwas höheren Ziel von 5,00 Euro bei. Trotz der guten Nachricht, dass die Finanzierung für die nächsten drei Jahre gesichert sein könnte, sei die Nettoverschuldung besorgniserregend. Angesichts der hohen Finanzierungskosten werde Heidelberger Druck wohl unter dem Strich im Geschäftsjahr 2010/11 und wahrscheinlich auch im Jahr 2011/12 nicht um einen Verlust herumkommen. Weitere Schritte, um die Finanzierung langfristig zu sichern, sind nun aus seiner Sicht unvermeidlich.

Holger Schmidt, Analyst bei der Frankfurter Investmentbank Equinet, behielt jedoch seine „Hold“-Einschätzung bei. Das Kursziel beträgt weiterhin 7,00 Euro. Heideldruck zähle immer noch zu den Unternehmen, die seiner Meinung nach am meisten von einer Restrukturierung und einem Aufschwung der Weltwirtschaft profitieren könnten.

UBS-Analyst Sven Weier reagierte mit einer Bestätigung seines „Sell“-Votums mit Kursziel 3,60 Euro - nochmals gut 40 Prozent unter dem aktuellen Stand. Auch ihm zufolge trifft die Warnung den Markt „vollkommen unerwartet“. Der Auftragseingang bleibe sowohl unter der Zielvorgabe als auch seinen Schätzungen. Weier hebt aber als noch wichtiger hervor, dass das Unternehmen auch nicht mit einer nennenswerten Verbesserung bis zum Ende des Geschäftsjahres im März rechnet.

Ein weiteres großes Kostensenkungsprogramm sei notwendig, so der Experte weiter. Auch bezüglich der beabsichtigten Fusion mit Manroland sieht er die Risiken steigen. Die Nachricht verdeutliche, dass beide Unternehmen sich aus einer Position der Schwäche heraus zusammenschließen würden. Einen langen Fusionsprozess könnten sie sich wohl nicht leisten.

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